Didaktischer Theil.
195
g. s.
Unverändert
Hellung
Glimmerwirkung.
Man lege oen Doppelspath auf das Viereck 24, so wirddasselbe dem Betrachter entgegengehoben werden, und zwarwie es aus der Tafel unmittelbar darunter gezeichnet ist. Dashelle Bild -4 ist in zwei Schattenbilder u und b getrennt. Sturdie Stelle e, wo sie sich decken, ist weiß wie das Grundbilt 24.Das Schattenbild s, erscheint ohne farbige Ränder, dahingegendas Schattenbild d damit begräuzt ist, wie die Zeichnung dar-stellt. Dieses ist folgendermaaßen abzuleiten und zu erklären.Man setze einen gläsernen Cubus auf das Grundbild 24 undschaue perpendwular daraus, so wird es uns nach den Gesetzender Brechung und Hebung ungefähr um ein Drittheil derCnbusstärke entgegengehoben seyn. Hier hat also Brechung undHebung schon vollkommen ihre Wirkung gethan; allein wirsehen an dem gehobenen Bild keine Ränder, und zwar deß-wegen, weil es weder vergrößert noch verkleinert noch an dieSeite gerückt ist. (Entwurf einer Farbenlehre Z. 196.) Ebendieß ist der Fall mit dem Biloe u des Doppelspaths. Dieseswird uns, wie man sich durch eine Vorrichtung überzeugenkann, rein entgegengehoben und erscheint an der Stelle desGrundbildes. Das Schattenbild b hingegen ist von demselbenweg und zur Seite gerückt, und zwar hier nach unserer Rechten;dieß zeigen die Ränder an, da die Bewegung von Hell überDunkel blaue, und von Dunkel über Hell gelbe Ränder hervor-bringt.
Daß aber beide Schattenbilder, wenn man sie genugsamvon der Stelle rückt, an ihren Rändern gefärbt werden können,dieß läßt sich durch das höchst interessante Seebecksche Doppel-spathprisma auf's deutlichste zeigen, indem man dadurch Bildervon ziemlicher Große völlig trennen kann. Beide erscheinengefärbt, weil aber das eine sich geschwinder entfernt als dasandere vom Platze rückt, so hat jenes stärkere Ränder, die auchbei weiter Entfernung des Beobachters, sich immer proportionir-lich verbreitern. Genug, alles geschieht bei der Doppelrefractionnach den Gesetzen der einfachen, und wer hier nach besondernEigenschaften des Lichts forscht, möchte wohl schwerlich großenVortheil gewinnen.
In sofern man Brechung und Spiegelung mechanisch be-trachten kann, so läßt sich auch gar wohl das Phänomen desDoppelspaths mechanisch behandeln: denn es entspringt auseiner mit Spiegelung verbundenen Brechung. Hiervon giebtein Stück Doppelspath, welches ich besitze, den schönsten Be-weis ; wie es denn auch alles vorige bestätigt.
Wenn man den gewöhnlichen Doppelspath unmittelbarvor's Auge hält und sich von dem Bilde entfernt, so sieht mandas Doppelbild ungefähr, wie man es gesehen, als der Kalk-
spath unmittelbar darauf lag, nur lasten sich^die farbigenLider schwerer erkennen. Entfernt man sich weiter, so trittinter jenem Doppelbild noch ein Doppelbild hervor. Dieß giltaber nur, wenn man durch gewisse Stellen des Doppelspathshindurch sieht.
Ein besonderes Stück aber dieses Minerals besitze ich,welches ganz vorzügliche Eigenschaften hat. Legt man näm-lich das Auge unmittelbar auf den Doppelspath und entferntsich von dem Grundbilde, so treten gleich, wie es auf derTafel vorgestellt ist, zwei Seitenbilder rechts und links hervor,welche, nach verschiedener Richtung des Auges und des durch-sichtigen Rhomben, bald einfach, wie in ä, bald doppelt, wiein e und 1, erscheinen. Sie sind noch schattenhafter grauer alsdie Bilder s I>, sind aber, weil Grau gegen Schwarz immerfür hell gilt, nach dem bekannten Gesetz der Bewegung eineshellen Bildes über ein dunkles gefärbt, und zwar das zu unsererrechten Seite nach der Norm von b, wodurch die Bewegungdieses letztem Bildes nach der Rechten gleichfalls bethätigt wird,und das aus der linken Seite umgekehrt.
Der Beobachter kann, wenn er immer mehr von dem Gegen-standsbilde zurücktritt, die beiden Seitenbilder sehr weit voneinander entfernen. Nehme ich bei Nacht ein brennendes Lichtund betrachte dasselbe durch gedachtes Exemplar, so erscheintes gedoppelt, aber nicht merklich farbig. Die beiden Seitenbildersind auch sogleich da, und ich habe sie bis aus fünf Fuß auseinander gebracht, beide stark gefärbt nach dem Gesetze, wie <1und e, k.
Daß aber diese Seitenbilder nicht aus einer abgeleitetenSpiegelung des in dem Doppelspath erscheinenden ersten Doppel-bildes, sondern aus einer direkten Spiegelung des Grundbildesin die wahrscheinlich diagonalen Lamellen des Doppelspathsentstehe, läßt sich aus folgendem abnehmen.
Man bringe das Hauptbild und die beiden Seitenbilderscheinbar weit genug aus einander, dann fahre man mit einemStückchen Pappe sachte an der untern Fläche herein, so wirdman erst das eine Seitenbild zudecken, dann wird das mittlereund erst spät das letzte verschwinden, woraus hervorzugehenscheint, daß die Seitenbilder unmittelbar von dem Grundbildeentspringen.
Sind diese Seitenbilder schon beobachtet? Von meinenDoppelspathexemplaren bringt sie nur eins hervor. Ich erinneremich nicht, woher ich es erhalten. Es hat aber ein viel zarteresund feineres Ansehen als die übrigen; auch ist ein vierterDurchgang der Blätter sehr deutlich zu sehen, welchen die Mi-neralogen den verstecktblätterigen nennen (Lenz, Erkennt-nißlchre B. II. S. 748). Die zarten epoptischen Farben spielenwie ein Hauch durch die ganze Masse und zeugen von der feinstenTrennung der Lamellen. Durch ein Prisma von einem sogearteten Exemplar würde man die bewundernswürdigste FataMorgana vorstellen können.
Objective Versuche damit anzustellen, fehlte mir derSonnenschein.
Weimar, den 12. Januar 1813.s. m.