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Zur Farbenlehre,
haben, sondern bloß in sofern als der eine Heller ist als derandere. Nun aber, u:n keinen Zweifel übrig zu lassen, wickleman weiße Fäden um die verschiedenen farbigen Papiere, manziehe weiße Linien darauf, und die Fälle werden nunmehr um-gekehrt seyn. Ja, um sich völlig zu überzeugen, so abstrahireman von aller Farbe, und wiederhole das Experiment mitweißen, schwarzen, grauen Papieren, und immer wird mansehen, daß bloß der Abstand des Hellen und Dunkeln Ursacheder mehren: oder wenigem Deutlichkeit sey. Und so werdenwir es auch bei dem Versuche, wie Newton ihn vorschlägt,durchaus antreffen.
57.
2) Die Beleuchtung. Man kann das aufgestellte Bilddurch eine Reibe angezündeter Wachskerzen, welche man gegendie Linse zu verdeckt, sehr stark beleuchten, oder man bringtdrei Wachskerzen unmittelbar an einander, so daß ihre dreiDochte gleichsam nur Eine Flamme geben. Diese verdeckt mangegen die Linse zu, und läßt, indem man beobachtet, einenGehülfen die Flamme ganz nahe an dem Bilde sachte hin undwieder führen, daß alle Theile desselben nach und nach lebhafterleuchtet werden: denn eine sehr starke Erleuchtung ist nöthig,wenn der Versuch einigermaaßen deutlich werden soll.
58.
3) Die Linse. Wir sehen uns hier genöthigt, einigesAllgemeine vorauszuschicken, was wir sowohl an diesem Orteals auch künftig zur richtigen Einsicht in die Sache bedürfen.
59.
Jedes Bild bildet sich ab auf einer entgegengesetzten glattenFläche, wohin seine Wirkung in gerader Linie gelangen kann.Auch erscheint es auf einer rauhen Fläche, wenn die einzelnenTheile des Bildes ausschließlich von einzelnen Theilen der ent-gegengesetzten Fläche zurückgesendet werden. Bei einer kleinenOeffnung in der Camera obscnra bilden sich die äußern Gegen-stände auf einer weißen Tafel umgekehrt ab.
60.
Bei einer solchen Abbildung wird der Zwischenraum alsleer gedacht; der ausgefüllte, aber durchsichtige Raum verrücktdie Bilder. Die Phänomene, welche, bei Verrückung derBilder durch Mittel, sich aufdringen, besonders die farbigenErscheinungen, sind es, die uns hier besonders interessiren.
61.
Durch Prismen von dreiseitiger Base und durch Linsenwerden diejenigen Operationen vollbracht, mit denen wir unsbesonders beschäftigen.
62.
Die Linsen sind gleichsam eine Versammlung unendlicherPrismen; und zwar convexe eine Versammlung von Prismen,die mit dem Rücken an einander stehen, concave eine Versamm-lung von Prismen, die mit der Schneide an einander stehen,und in beiden Fällen um ein Centrum versammelt niit krumm-linigen Oberflächen.
63.
Das gewöhnliche Prisma, mit dem brechenden Winkel nachunten gekehrt, bewegt die Gegenstände nach dem Beobachter zu;das Prisma, mit dem brechenden Winkel nach oben gekehrt,rückt die Gegenstände von: Beobachter ab. Wenn man sich diesebeiden Operationen im Kreise herum denkt, so verengt das ersteden Raum um den Beobachter her, das zweite erweitert ihn.
Daher muß ein convexes Glas im subjectiven Fall vergrößern,ein concaves verkleinern; bei der Operation hingegen, die wirdie objective nennen, geschieht das Gegentheil.
61.
Die convexe Linse, mit der wir es hier eigentlich zu thunhaben, bringt die Bilder, welche durch sie hineinfallen, in'sEnge. Das bedeutendste Bild ist das Sonnenbild. Läßt manes durch die Linse hindurchfallen, und fängt es bald hinter der-selben mit einer Tafel auf, so sieht man es zuerst bei wachsenderEntfernung der Tafel immer mehr sich verkleinern, bis es auseine Stelle kommt, wo es nach Verhältniß der Linse seinegrößte Kleinheit erreicht, und am deutlichsten gesehen wird.
65.
Schon früher zeigt sich bei diesen Versuchen eine starke Hitze,und eine Entzündung der entgegengehaltenen Tafel, besonderseiner schwarzen. Diese Wirkung äußert sich eben so gut hinterdem Bildpunkte der Sonne, als vor demselben; doch kann mansagen, daß ihr Bildpunkt und der mächtigste Brennpunkt zu-sammenfalle.
66 . '
Die Sonne ist das entfernteste Bild, das sich bei Tage ab-bilden kann. Darum kommt es auch zuerst durch die Operationder Linse entschieden und genau begränzt zusammen. Will mandie Wolken auf der Tafel deutlich sehen, so muß man schonweiter rücken. Die Berge und Wälder, die Häuser, die zu-nächst stehenden Bäume, alle bilden sich stufenweise später ab,und das Sonnenbild hat sich hinter seiner Bildstelle schon wiedersehr stark ausgedehnt, wenn die nahen Gegenstände sich erst anihrer Bildstelle zusammendrängen. So viel sagt uns die Er-fahrung in Absicht auf Abbildung äußerer Gegenstände durchLinsen.
67.
Bei dem Versuche, den wir gegenwärtig beleuchten, sinddie verschiedenfarbigen Flächen, welche mit ihren schwarzenFäden hinter der Linse abgebildet werden sollen, neben einan-der. Sollte nun eine früher als die andere deutlich erscheinen,so kann die Ursache nicht in der verschiedenen Entfernung ge-sucht werden.
68 .
Newton wünscht seine diverse Refrangibilität dadurch zubeweisen; wir haben aber schon oben, bei Betrachtung des Vor-bildes, auseinandergesetzt, daß eigentlich nur die verschiedeneDeutlichkeit der auf verschiedenfarbigen Gründen angebrachtenBilder die Ursache der verschiedenen Erscheinungen hinter derLinse sey. Daß dieses sich also verhalte, haben wir näher zuzeigen.
69.
Wir beschreiben zuerst die Vorrichtung, welche wir gemacht,um bei dem Versuche ganz sicher zu gehen. Auf einem hori-zontal gelegten Gestelle findet sich an Einem Ende Gelegenheit,das Vorbild einzuschieben. Vor demselben in einer Vertiefungkönnen die Lichter angebracht werden. Die Linse ist in einemverticalen Bret befestigt, welches sich auf dem Gestelle hin undwieder bewegen läßt. Innerhalb des Gestelles ist ein beweg-licher Rahmen, an dessen Ende eine Tafel aufgerichtet ist,woraus die Abbildung vor sich geht. Auf diese Weise kannman die Linse gegen das Vorbild oder gegen die Tafel, unddie Tafel entweder gegen beide zu oder von beiden ab rücken,