2!0
Zur Farbenlehre.
Falsche der Newtouschen Vorstellung gleich erkennen, die wir(103—110) genugsam erörtert haben. Gegenwärtig bringenwir folgendes bei. Nach Newton besteht das verlängerte Bildaus lauter in einander greifenden Kreisen, welche in demweißen Sonnenbilde sich gleichsam deckend über einander liegenund nun, wegen ihrer diversen Refrangibilität, durch dieRefraktion aus einander geschoben werden. Nun kommt erauf den Gedanken, wenn man die Diameter der Kreise ver-kleinerte und das prismatische Bild so viel als möglich ver-längerte, so würden sie nicht mehr wie beim großem Bildeüber einander greifen, sondern sich mehr von einander ent-fernen und aus einander treten. Um sich dieses zu versinnlichen,stelle man eine Säule von Speciesthalern und eine andere voneben so viel Groschen neben einander auf den Tisch, lege sieum und schiebe sie in gleicher Richtung sachte auseinander, undzwar daß die Mittelpunkte der Thaler und Groschen jederzeitgegen einander über liegen, und man wird bald sehen, daßdie Groschen schon lange von einander abgesondert sind, wenndie Peripherien der Thaler noch über einander greifen. Aufeine so crude Weise hat sich Newton die diverse Refrangibilitätseiner homogenen Strahlen gedacht, so hat er sie abgebildet;man sehe seine 15. und 23. Figur, und auf unserer siebentenTafel Figur 5. 6. 7. Allein da er bei allen« Zerren des Bildes,weder in dem vorigen Versuche noch beim gegenwärtigen, dieFarben aus einander sondern kann, so faßt er in der Zeichnungdie Kreise immer noch mit punktirten Linien ein, so daß sieals gesondert und nicht gesondert auf dem Papier angedeutetsind. Da flüchtet man sich denn hinter eine andere Supposition;man versichert, daß es nicht etwa fünf oder sieben, sondernunendliche homogene Strahlen gebe. Hat man also diejenigen,die man erst für nachbarlich annahm, von einander abgesondert,so tritt immer ein Zwischenstrahl gleich hervor und macht diemühselige, schon als glücklich gelungen angegebene Operationabermals unmöglich.
246.
Auf dieses eilfte Experiment hin, ohne solches im mindestenzu untersuchen, hat man die Möglichkeit einer vollkommenenAbsonderung jener homogen supponirten Strahlen in Schulenfortgelehrt und die Figuren nach der Hypothese, ohne die ^Natur oder den Versuch zu fragen, kecklich abgebildet. Wir ^können nicht umhin, den 370. Paragraph der Erxlebenschen >Raturlehre hier Wort für Wort abdrucken zu lassen, damitman an diesem Beispiel sehe, wie verwegen ein compilirenderCompendienschreiber seyn muß, um ein unbearbeitetes oderfalsch bearbeitetes Capitel fertig zu machen.
„Das farbige Licht besteht aus so viel Kreisen, als Farben ^darin sind, wovon der eine roth, der andere orangegelb u. s.w.,der letzte violett ist, und die in einander in den farbigenStreifen zusammenfließen. Jeder dieser Kreise ist das Bildder Sonne, das von solchem Lichte, dessen Brechbcwkeit ver- ^schieden ist, auch nicht an Einen Ort fallen kann. Weil aberdiese Kreise so groß sind, daß sie nur deßwegen in einander zu-sammenfließen, so kann man sie dadurch kleiner machen, daßman ein erhobenes Glas zwischen das Prisma und das Lochim Fensterladen hält; dann stellt sich jedes einfache Licht inGestalt kleiner runder Scheiben einzeln vor, in einer Reiheüber einander. 75 Fig. s ist das rothe, d das violette Licht."
In gedachter Figur nun sind die sieben Lichter als sieben
Cirkelchen ganz rein und ruhig über einander gesetzt, eben alswenn sie doch irgend jemand einmal so gesehen hätte; die ver-bindenden Strichelchen sind weggelassen, welche Newton den-selben klüglich doch immer beigegeben. Und so steht diese Figurganz sicher zwischen andern, mathematischen Linearzeichnungenund Abbildungen mancher zuverlässigen Erfahrung, und sohat sie sich durch alle Lichtenbergschen Ausgaben erhalten.
247.
Daß wir über dieses eilfte Experiment schneller als überdie andern weggehen, dazu bewegt uns außer obgemeldeteuUrsachen auch noch folgende. Newton verbindet hier zumerstenmal Prisma und Linse, ohne uns auch nur im mindestenbelehrt zu haben, was denn eigentlich vorgehe, wenn manmit diesen so nahverwandten und so sehr verschiedenen In-strumenten zusammen operire. Dießmal will er durch ihreVerbindung seine mährchenhaften Lichter sondern, in der Folgewird er sie auf eben dem Wege vereinigen und sein weißesLicht daraus wieder herstellen; welches letztere Experiment be-sonders mitunter diejenigen gehört, deren die Newtoniancrimmer im Triumph erwähnen. Wir werden daher, sobaldwir einen schicklichen Ruhepunkt finden, deutlich machen, waseigentlich vorgeht, wenn man zu einem Versuche Prismen undLinsen vereinigt. Ist dieses geschehen, so können wir daseilfte Experiment wieder vorführen und sein wahres Verhältnißan den Tag bringen; wie wir denn auch bei Gelegenheit derControvers des Desaguliers gegen Mariotte diesesVersuchs abermals zu gedenken haben.
Fünfte Propositiou. Viertes Theorem.
Das homogene Licht wird regelmäßig, ohne Erwei-terung , Spaltung oder Zerstreuung der Strahlen,refrangirt, und die verworrene Ansicht der Gegen-stände, die man durch brechende Mittel im hetero-genen Lichte betrachtet, kommt von der verschiedenenRefrangibilität mehrerer Arten von Strahlen.
248.
Der erste Theil dieser Proposition ist schon früherdurch das fünfte Experiment genugsam erwiesenworden; —
249.
Daß das fünfte Experiment nichts bewies, haben wir um-ständlich dargethan.
250.
— und die Sache wird durch nachstehende Versuchenoch deutlicher werden.
251.
Durch unsere Bemerkung wird noch deutlicher werden, daßdie Behauptung grundlos und unerweislich ist.
Zwölfter Versuch.
252.
Ein schwarzes Papier —
253.
Warum ein schwarzes Papier? Zu diesem Zweck ist jede