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Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
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Materialien zur Geschichte der Farbenlehre.

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der blauen Strahlen durchließe, die Kraft haben, alle übrigenzu verschlingen, da man doch, wenn man den gelben Rahmenhinter den blauen stellt, nichts steht als grüne Strahlen,welche vielmehr der blaue Rahmen verschlingen sollte. Ja mandürfte gar keine Farbe sehen; denn die einzigen blauen Strah-len, welche durch den blauen Rahmen durchzugehen im Standesind, müßten ja durch den zweiten Rahmen verschluckt werden,der nur die gelben durchläßt. Dieselbe Betrachtung kann manbei allen übrigen Farben machen, welche durch die verschie-denen Stellungen dieser farbigen Rahmen hervorgebrachtwerden."

Und so hat auch dieser verständige, im Kleinen thätige Mann,nach seiner Weise und auf seinem Wege, die Absurdität desNewtonschen Systems eingesehen und ausgesprochen: abermalsein Franzose, der gleichfalls die umsichtige Klugheit und Ge-wandtheit seiner Nation beurkundet.

M a »c l e r k.

Vraits 688 ooulsura st vsrnis, knris 1773.

Die Farbenkörper haben gegen einander nicht gleichen Ge-halt, und das Gelbe sey ausgiebiger als das Blaue, so daß,wenn man ihre Wirkung mit einander in's Gleichgewicht zueinem Grün setzen wolle, man drei Theile Blau gegen zweiTheile Gelb nehmen müsse. So sey auch das hohe Roth stärkerals das Blaue, und man müsse fünf Theile Blau gegen vierTheile Roth nehmen, wenn das Gemisch gerade in die Mittevon beiden fallen solle.

Jean Paul Marat.

Oöeoiivertss sur le leu, I'steetricitä st Ig lulruere.1>aris 1779. 8.

vecouvertSZ sur In luimers. I,on<tres st ksris1780. 8.

diotimis blsmevtsärss ü'Optigus. karis 1784. 8.

Ohne uns auf die große Anzahl Versuche einzulassen, wor-auf Marat seine Ueberzeugungen gründet, kann es hier bloßunsere Absicht seyn, den Gang, den er genommen, anzu-deuten.

Die erste Schrift liefert umständliche Untersuchungen überdas, was er feuriges Fluidum, lluicke ixnä, nennt.Er bringt nämlich brennende, glühende, erhitzte Körper in dasSonnenlicht, und beobachtet den Schatten ihrer Ausflüsse, undwas sonst bei dieser Gelegenheit sichtbar wird.

Da er sich nun das Vorhergehende noch deutlicher machenwill, so bedient er sich in einer dunkeln Kammer des Objectivesvon einem Sonnenmikroskop, und bemerkt dadurch genauerdie Schatten der Körper, der Dünste, die verschiedenen Be-wegungen und Abstufungen.

Den Uebergang zu dem, was uns eigentlich interessirt,werden wir hier gleich gewahr, und da er auch erkaltende, jakalte Körper auf diese Weise beobachtet, so findet er, daß auchetwas Eigenes um sie vorgeht. Er bemerkt Schatten und Licht-streifen , hellere und dunklere Linien, welche das Schattenbilddes Körpers begleiten.

War die feurige Flüssigkeit bei jenen ersten Versuchen aus

dem Körper herausdringend sichtbar geworden, so wird ihmnunmehr eine Eigenschaft des Lichtes anschaulich, welche darinbestehen soll, daß es sich von den Körpern anziehen läßt, indemes an ihnen vorübergeht. Er beobachtet die Phänomene genauund will finden, daß diese Anziehung, woraus jene von Gri-maldi früher schon so genannte Beugung entsteht, nach derverschiedenen Natur der Körper, verschieden sey. Er beob-achtet und mißt die Stärke dieser Anziehungskräfte, und wieweit sich die Atmosphäre dieser Anziehung erstrecken möchte.

Bei dieser Gelegenheit bemerkt er jene uns auch schon be-kannten Farbensäume. Er findet nur zwei Farben, die blaueund die gelbe, an welchen beiden sich die dritte, die rothe, nuranschließend sehen läßt.

Das Licht ist nun einmal angezogen, es ist von seinemWege abgelenkt; dieß deutet ihm gleichfalls auf die Eigenschafteines Fluidums. Er verharrt auf dem alten Begriff der De-composition des Lichtes in farbige Lichttheile: aber diese sindihm weder fünf, noch sieben, noch unzählige, sondern nurzwei, höchstens drei.

Da er nun bei diesen Versuchen, welche wir die parasiti-schen nannten, auch wie bei jenen, die feurige Flüssigkeit be-treffenden, das Objectivglas eines Sonnenmikroflops an-wendet, so verbinden sich ihm die dioptrischen Erfahrungen derzweiten Classe, die Reactionsfälle, sogleich mit den paropti-schen, deren Verwandtschaft freilich nicht abzuleugnen ist, under widerspricht also von dieser Seite der Newtonschen Lehre,indem er ungefähr diejenigen Versuche aufführt, die auch wirund andere vorgelegt haben. Er spricht entschieden aus, -daßdie Farbenerscheinung nur an den Rändern entspringe, daß sienur in einem einfachen Gegensatz entstehe, daß man dasLicht hin und wieder brechen könne, so viel man wolle, ohnedaß eine Farbenerscheinung stattfinde. Und wenn er auch zu-gesteht, daß das Licht deccmponirt werde, so behauptet er steifund fest, es werde nur auf dem paroptischcn Wege durch diesogenannte Beugung decomponirt, und die Resraction wirkeweiter nichts dabei, als daß sie die Erscheinung eminent mache.

Er operirt nunmehr mit Versuchen und Argumenten gegendie diverse Refrangibilität, um seiner diversen Inflexibilitätdas erwünschte Ansehen zu verschaffen; dann fügt er nocheiniges über die gefärbten Schatten hinzu, welche gleichfallsseine Aufmerksamkeit und Sagacität verräth, und versprichtdiese und verwandte Materien weiter durchzuarbeiten.

Wer unserm Entwurf der Farbenlehre und dem histori-schen Faden unserer Bemühung gefolgt ist, wird selbst über-sehen, in welchem Verhältniß gegen diesen Forscher wir unsbefinden. Powoptische Farben sind, nach unserer eigenen Ueber-zeugung, ganz nahe mit den bei der Resraction erscheinendenverwandt (E. 415). Ob man jedoch, wie wir glaubten, diesePhänomene allein aus dem Doppelschatteu herleiten könne oderob man zu geheimnißvollern Wirkungen des Lichts und derKörper seine Zuflucht nehmen müsse, um diese Phänomene zuerklären, lassen wir gern unentschieden, da für uns und anderein diesem Fache noch manches zu thun übrig bleibt.

Wir bemerken nur noch, daß wir die paroptischcn Fällemit den Refractionssällen zwar verwandt, aber nicht identischhalten. Marat hingegen, der sie völlig identificiren will, findetzwar bei den objectiven Versuchen, wenn das Sonnenbilddurch's Prisma geht, ziemlich seine Rechnung, allein bei