Materialien zur Geschichte der Farbenlehre
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Feuer und Wasser die zwei Hauptelemente. Jenem gesellte erdie Säuren, diesem die Alkalien zu. In jenem wollte er zu-gleich die hochrothe, in diesem die blaue Farbe finden, undhiermit war seine Theorie abgeschlossen; das übrige sollte sichhieraus entwickeln und ergeben.
Da die eminentesten und beständigsten Farben aus denMetallen hervorzubringen waren, so schenkte er auch diesenvorzügliche Aufmerksamkeit und eine besondere Ehrfurcht. DemFeuer, den Säuren, dem Hochrothen soll Gold und Eisen,dem Wasser, den Alkalien, dem Blauen soll vorzüglich Kupferantworten und gemäß seyn; und überall, wo man diese Farbenfinde, soll etwas, wo nicht gerade wirklich Metallisches, dochdem Metallischen nahe Verwandtes und Analoges angetroffenwerden.
Man sieht leicht, daß diese Vorstellungsart sehr beschränktist, und bei der Anwendung oft genug unbequem werden muß.Weil jedoch seine Erfahrung sehr sicher und stet, seine Kunst-behandlung meisterhaft ist, so kommen bei dieser seltsamenTerminologie Verhältnisse zur Sprache, an die man sonst nichtgedacht hätte, und er muß die Phänomene selbst recht deutlichmachen, damit sie vielseitig werden, und er ihnen durch seinewunderliche Theorie etwas abgewinnen kann. Uns wenigstenshat es geschienen, daß eine Umarbeitung dieses Buchs, nacheiner freiem theoretischen Ansicht, von mannichfaltigem Nutzenseyn müßte.
Da, wie der Titel seines Buches ausweis't, die erste Sorgedes Färbers, die Farblos,gleit und Reinigkeit der Stoffe, aufwelche er wirken will, ihm niemals aus den Augen gekommen,da er die Mittel sorgfältig «»giebt, wie solchen Stoffen alleFarbe und Unreinigkeit zu entziehen, st> muß ihm freilich derNewtonsche siebenfarbige Schmutz, so wie, bei seiner einfachernAnficht, die siebenfache Gesellschaft der Grundfarben höchst zu-wider seyn; deßwegen er sich auch gegen die Newtonsche Lehresehr verdrießlich und unfreundlich geberdet.
Mit den Chemikern seiner Zeit, Meyer, Justi und andern,verträgt er sich mehr oder weniger. Das aciärnn pinAue desersten ist ihm nicht ganz zuwider; mit dem zweiten steht er inmancherlei Differenz. So ist er auch in dem, was zu seinerZeit über die Färbekunst geschrieben worden, und was mansonst über die Farbenlehre geäußert, nicht unbekannt.
So viel sey genug, das Andenken eines Mannes aufzu-friscken, der ein laboriöses und ernstes Leben geführt, und demes nicht allein darum zu thun war, für sich und die Seinigenzu wirken und zu schaffen, sondern der auch dasjenige, was ererfahren, und wie er sich's zurecht gelegt, andem zu Nutz undBequemlichkeit, emsig mittheilen wollte.
Eduard Hussey Delaval.
Bersuch und Bemerkungen über die Ursache der dauerhaftenFarben undurchsichtiger Körper. Uebersetzt und herausgegebenvon Crell. Berlin und Stettin 1788. 8.
Der eigentliche Gehalt dieser Schrift, ob er gleich in derFarbenlehre von großer Bedeutung ist, läßt sich doch mit we-nigen Worten aussprechen. Des Verfassers Hauptaugenmerkmht auf dem ckx.«oör, auf der dunkeln Eigenschaft der Farbe,wohin wir auch wiederholt gedeutet haben.
Er behandelt vorzüglich färbende Stoffe aus dem Mineral-reiche, sodann auch aus dem vegetabilischen und animalischen;er zeigt, daß diese Stoffe in ihrem feinsten und concentrirtcstenZustande keine Farbe bei auffallendem Lichte sehen lassen, son-dern vielmehr schwarz erscheinen.
Auch in Feuchtigkeiten aufgelös'te reine Farbestoffe, so wiefarbige Gläser zeigen, wenn ein .dunkler Grund hinter ihnenliegt, keine Farbe, sondern nur wenn ein Heller hinter ihnen! befindlich ist. Alsdann aber lassen sie ihre farbige Eigenschafteben so gut als bei durchfallendem Lichte sehen,l Was sich auch vielleicht gegen des Verfassers Verfahrungs-^ art bei seinen Versuchen einwenden läßt, so bleibt doch das^ Resultat derselben für denjenigen, der sie nachzuahmen und zu
> vermannichfaltigen weiß, unverrückt stehen, in welchem sich! das ganze Fundament der Färberei und Malerei ausdrückt.
, Des Verfassers Vertrag hingegen ist keiner von den glück-! lichsten. Seine Ueberzeugung trifft mit der Newtonsche» nicht^ zusammen, und doch kann er sich von dieser nicht losmachen,! so wenig als von der Terminologie, wodurch sie sich ausspricht.§ Man sieht ferner durch seine Deduction wohl den Faden durch,
! an welchem er sich hält, allein er verschlingt ihn selbst und! macht dadurch den Leser verworren.
^ Da er vorzüglich in dem chemischen Felde arbeitet, so steht! ihm freilich die Vorstellungsart seiner Zeit und die damalige! Terminologie entgegen, wo das Phlogiston so wunderbar Wi-! dersprechendes wirken sollte. Die Kenntniß der verschiedenen^ Lustarten ist aus dem Wege; aber der Verfasser entbehrt noch
> die großen Vorzüge der neuern Französischen Chemie und ihresSprachgebrauchs, wodurch wir denn freilich gegenwärtig vielweiter reichen. Es gehört daher eine Ueberzeugung von seinemHauptgrundsatze und ein guter Wille dazu, um das Aechte undVerdienstliche seiner Arbeit auszuziehen und anzuerkennen.
Wir haben ihn seit langen Jahren geschätzt und daher auch^ schon E. 572 ff. seine Ueberzeugung, verbunden mit der unsern,
^ aufgeführt.
Bei den Pflanzen gerälh es ihm am besten. Er entzieht^ ihnen das Färbende, und es bleibt eine weiße Struktur übrig.Dieses ausgezogene Färbende verfinstert sich immer mehr beimVerdichten, mauifestirt seine schattenhafte Natur, näher! sichdem Schwarzen, Ununterscheidbaren, und kann wieder einerandem weißen Fläche mitgetheilt und in seiner vorigen Speci-fication und Herrlichkeit dargestellt werden. Im Thierreich istes schon schwieriger. Im Mineralreiche finden sich noch mehrHindernisse, wenn man den Grundsatz durchführen will. Je«^ doch beharrt er fest bei demselben und wendet ihn, wo er em-^ Pirisch anwendbar ist, glücklich an.
! In der Vorrede sind zwei kurze Aufsätze, die jedoch demVerfasser nicht besonders günstig sind, vom Herausgeber einge-schaltet , der eine von Klügel, der andere von Lichtenberg. Indem ersten finden wir einen gemüthlichen und redlichen, in! dem zweiten einen geistreichen und gewandten Skepticismus., Wir mögen hierbei eine Bemerkung äußern, welche wohl ver«! diente gesperrt gedruckt zu werden, daß nämlich auf eine solche^ Weise, wie von beiden Männern hier geschehen, alle Erfah-^ rungswissenschaft vernichtet werden könne; denn weil nichts,was uns in der Erfahrung erscheint, absolut angesprochen und! ausgesprochen werden kann, sondern immer noch eine limiti-. rende Bedingung mit sich führt, so daß wir Schwarz nicht