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Materialien zur Geschichte der Farbenlehre,
wir mit bloßen Augen die prismatischen Säume gewahr. Wiesollte es also der Kunst gelingen, die Natur in einem solchenGrade zu meistern, da man ja nicht mit abstracten, sondernmit concreten Kräften und Körpern zu thun hat, und es sichmit dem Höchsten, der Idee, eben so verhält, daß man siekeineswegs in's Enge noch in's Gleiche bringen kaun!
Keineswegs werde jedoch, wie schon gesagt, der Forscherund Techniker abgeschreckt, in's Feinere und Genauere zu gehen;nur thue er es mit Bewußtseyn, um nicht Zeit und Fähigkeitenzu vertändeln und zu verschwenden.
Loiifelsion des Verfassers.
Da uns, wenn wir an irgend einem Geschehenen Theilnehmen, nichts willkommener seyn kann, als daß Personen,welche mitgewirkt, uns die besondern Umstände offenbarenmögen, wie dieses oder jenes Ereigniß seinen Ursprung ge-nommen, und dieß sowohl von der politischen als wissenschaft-lichen Geschichte gilt, auch in beiden nichts so Nein geachtetwerden mag, das nicht irgend einem Nachkommenden einmalbedeutend seyn könnte: so habe ich nicht unterlassen wollen,nachdem ich dem Lebensgange so mancher andern nachgespürt,gleichfalls aufzuzeichnen, wie ich zu diesen physischen und be-sonders chromatischen Untersuchungen gelangt bin; welches umso mehr erwartet werden darf, weil eine solche Beschäftigungschon manchem als meinem übrigen Lebensgange fremd er-schienen ist.
Die Menge mag wohl jemand irgend ein Talent zugestehen,worin er sich thätig bewiesen, und wobei das Glück sich ihmnicht abhold gezeigt; will er aber in ein anderes Fach über-gehen, und seine Künste vervielfältigen, so scheint es, als wenner die Rechte verletze, die er einmal der öffentlichen Meinungüber sich eingeräumt, und es werden daher seine Bemühungenin einer neuen Region selten freundlich und gefällig auf-genommen.
Hierin kann die Menge wohl einigermaaßen Recht haben:denn es hat jedes einzelne Beginnen so viele Schwierigkeiten,daß es einen ganzen Menschen, ja mehrere zusammen braucht,um zu einem erwünschten Ziele zu gelangen. Allein dagegenhat man wieder zu bedenken, daß die Thätigkeiten, in einem' höhern Sinne, nicht vereinzelt anzusehen sind, sondern daß sieeinander Wechselsweise zu Hülfe kommen, und daß der Mensch,wie mit andern, also auch mit sich selbst öfters in ein Bündnißtrete; und daher sich in mehrere Tüchtigkeiten zu theilen und inmehrern Tugenden zu üben hat.
Wie es mir hierin im ganzen ergangen, würde nur durcheine umständliche Erzählung mitgetheilt werden können, undso mag das Gegenwärtige als ein einzelnes Capitel jenes größernBekenntnisses angesehen werden, welches abzulegen mir vielleichtnoch Zeit und Muth übrig bleibt.
Indem sich meine Zeitgenossen gleich bei dem ersten Er-scheinen meiner dichterischen Versuche freundlich genug gegenmich erwiesen, und mir, wenn sie gleich sonst mancherlei aus-zusetzen fanden, wenigstens ein poetisches Talent mit Geneigt-heit zuerkannten, so hatte ich selbst gegen die Dichtkunst eineigenes wundersames Verhältniß, das bloß Praktisch war, indemich einen Gegenstand, der mich ergriff, ein Muster, das mich
aufregte, einen Vorgänger, der mich anzog, so lange in meineminnern Sinn trug und hegte, bis daraus etwas entstanden war,das als mein angesehen werden mochte, und das ich, nachdemich es Jahre laug im Stillen ausgebildet, endlich auf einmal,gleichsam aus dem Stegreife und gewissermaaßen instinctartig,auf das Papier fixirte. Daher denn die Lebhaftigkeit und Wirk-samkeit meiner Productionen sich ableiten mag.
Da mir aber, sowohl in Absicht auf die Conception eineswürdigen Gegenstandes als auf die Composition und Aus-bildung der einzelnen Theile, so wie was die Technik des rhyth-mischen und prosaischen Styls betraf, nichts Brauchbares, wedervon den Lehrstühlsn noch aus den Büchern entgegenkam, indemich manches Falsche zwar zu verabscheuen, das Rechte aber nichtzu erkennen wußte, und deßhalb selbst wieder auf falsche Wegegerieth: so suchte ich mir außerhalb der Dichtkunst eine Stelle,auf welcher ich zu irgend einer Vergleichung gelangen, und das-jenige, was mich in der Nähe verwirrte, aus einer gewissenEntfernung übersehen und beurtheilen könnte.
Diesen Zweck zu erreichen, konnte ich mich nirgends besserhinwenden als zur bildenden Kunst. Ich hatte dazu mehrfachenAnlaß: denn ich hatte so oft von der Verwandtschaft der Künstegehört, welche man auch in einer gewissen Verbindung zu be-handeln anfing. Ich war in einsamen Stunden früherer Zeitauf die Natur aufmerksam geworden, wie sie sich als Landschaftzeigt, und hatte, da ich von Kindheit auf in den Werkstättender Maler aus- und einging, Versuche gemacht, das, was mirin der Wirklichkeit erschien, so gut es sich schicken wollte, inein Bild zu verwandeln; ja ich fühlte hierzu, wozu ich eigentlichkeine Anlage hatte, einen weit größern Trieb als zu demjenigen,was mir von Natur leicht und bequem war. So gewiß ist es,daß die falschen Tendenzen den Menschen öfters mit größererLeidenschaft entzünden, als die wahrhaften, und daß er dem-jenigen weit eifriger nachstrebt, was ihm mißlingen muß, alswas ihm gelingen könnte.
Je weniger also mir eine natürliche Anlage zur bildendenKunst geworden war, desto mehr sah ich mich nach Gesetzenund Regeln um; ja ich achtete weit mehr auf das Technischeder Malerei als aus das Technische der Dichtkunst; wie mandenn durch Verstand und Einsicht dasjenige auszufüllen sucht,was die Natur Lückenhaftes an uns gelassen hat.
Je mehr ich nun durch Anschauung der Kunstwerke, insofern sie mir im nördlichen Deutschland vor die Augen kamen,durch Unterredung mit Kennern und Reisenden, durch Lesensolcher Schriften, welche ein lange pedantisch vergrabenes Alter-thum einem geistigen Anschauen entgegenzuheben versprachen,an Einsicht gewissermaaßen zunahm, desto mehr fühlte ich dasBodenlose meiner Kenntnisse, und sah immer mehr ein, daßnur von einer Reise nach Italien etwas Befriedigendes zuhoffen seyn mochte.
Als ich endlich nach manchem Zaudern über die Alpen ge-langt war, so empfand ich gar bald, bei dem Zudrang so vielerunendlichen Gegenstände, daß ich nicht gekommen sey, um Lückenauszufüllen und mich zu bereichern, sondern daß ich von Grundaus anfangen müsse, alles bisher Gewähnte wegzuwerfen, unddas Wahre in seinen einfachsten Elementen aufzusuchen. ZumGlück konnte ich mich an einigen von der Poesie herübergebrach-ten, mir durch inneres Gefühl und langen Gebrauch bewährtenMaximen festhalten, so daß es mir zwar schwer, aber »licht