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Meteorologie.
auf die materielle, gleichfalls für sich bestehende Atmosphäre,und hier liegt nun das Wichtigste, das Schwerste in Bcurthei-lung der Wetterbeobachtung.
Manometer.
Dieses Instrument, schon von Otto von Guerike er-funden, nachher auf mannichfache Weise verändert und ver-bessert, ward erst in seinen Wirkungen dem Barometer gleichgeachtet, nachher von demselben getrennt, und wird bei atmo-sphärischen Beobachtungen nicht mehr zu Rathe gezogen.
Außer dem verticalen sogenannten Druck der Luft, wovondas Barometer uns Kenntnisse giebt, kann dieselbe auch ineinem verdichtetem oder verdünntem Zustande existiren. Aufdas Barometer hat dieses keinen merklichen Einfluß, ob mangleich denken sollte, daß eine verdünnte Luftsäule weniger lastensollte als eine verdichtete; man müßte sich denn die eine sehrviel höher und die andere sehr viel niedriger denken. So scheintmir, daß nach meinen Prämissen die Sache folgender Gestaltangesehen werden könnte.
Das Steigen und Fallen des Barometers, verursacht durchdie vermehrte oder verminderte Anziehungskraft der Erde, hateine allgemeine tellnrische Ursache; dahingegen die Verdünnungund Verdichtung der Luft, durch Erwärmung bewirkt, nur localist und, in Bezug auf's große Ganze, von keiner Bedeutung.
Da jedoch auch bei uns die Verdunstung so wie der Nieder-schlag, Wasserverneinung und Wasserbildung, von der höchstenBedeutung bleibt, so bemhigt sich der Beobachter dabei, daßThermometer und Hygrometer diesen Forschungen völlig genugthun, weil die Wärme als Ursache der Verdunstung, dasFeuchte hingegen als die entgegengesetzte zu betrachten ist, alsodasjenige, was durch das Manometer gesucht wird, hierdurchgenugsam offenbart wird.
Das Barometer giebt uns eine unmittelbare Andeutungvon einer großen Naturerscheinung, von der ab- und zunehmen-den Schwere der atmosphärischen Masse; daher darf dieses,was wir hier vor Augen sehen, ein Grundphänomen genanntwerden; dagegen sind die Erscheinungen des Manometers alscomplicirt und abgeleitet zu betrachten, weßhalb über seineAndeutungen immerfort Zweifel entstehen.
Die möglichst luftfreie Kugel denke man sich in einem ge-wissen Gleichgewicht auf der atmosphärischen Masse ruhend undschwebend; sie hebt sich und senkt sich, je nachdem das Elementschwerer und leichter wird. Ihre Bewegung entspringt ausderselbigcn Ursache wie die des Barometers, aber, als abge-leitet, kann sie mit dem Originalphänomen nicht Schritt halten,und wird also mit dem Barometer gradweise nicht zu ver-gleichen seyn.
Es sinkt mit dem sinkenden Barometer; aber es ist nichtsensibel genug, um gleich wieder mit ihm zu steigen. Es steigtund besinnt sich erst wieder, ehe es jenem nachsinkt.
Merken wir ja darauf, unter den Phänomenen ist ein großerUnterschied; das Urphänomen, das reinste, widerspricht sich niein seiner ewigen Einfalt; das abgeleitete erduldet Stockungen,Frictionen, und überliefert uns nur Undeutlichkeiten.
Die Windfahne.
In diesem Sinne ist die Windfahne gleichfalls ein unsicheresund sehr wenig die augenblicklichste Lustbewegung andeutendesInstrument. Wie man auch die Friction vermindern mag, sobleibt eine mechanische Reibung immer übrig. Das Schlimmsteaber ist, daß sie dem Westwinde immer mehr gehorcht als denübrigen Winden: denn er ist der stärkste, und mit den Jahrenbiegt sich endlich durch die Gewalt die Spindel, wenn die Fahnegroß und schwer ist; sie senkt sich deßwegen nach Osten, undder Wind kann sich schon eine Weile umgelegt haben, ehe siesich entschließt, ihre Stellung zu verändern. Den Wolkenzuganstatt der Windfahne zu beobachten, wird immer das Sicherstebleiben: denn man erfährt nicht allein, welcher Wind in deruntern Region herrscht, sondern man wird zugleich aufmerksamauf das, was in der obern vorgeht, wo man denn oft Ruheund Stille bemerkt, wenn unterwärts Zug und Bewegungsich spüren läßt.
Atmosphäre.
Der aufmerksame Beobachter der Witterungsbegebenheitenwird von vielen Seiten her auf den Gedanken getrieben, dieden Erdball umgebende Atmosphäre nehme nicht nur, wie dasBarometer ausweis't, von der Meeresfläche aufwärts an Dich-tigkeit, Schwere, Elasticität in stetiger Folge nach und nachab, hinunterwärts aber zu, sondern es seyen eben in diesematmosphärischen Raume gewisse geheime, concentrische Kreiseabgeschlossen, die sich, als besonders geeigenschaftet, gelegentlichmanifestiren. Was und wie es auch damit sey, wir bemerkenfolgendes.
Und zwar suchen wir Gelegenheit, zuerst vor die großeWilbrandisch-Ritgensche Karte zu treten, indem diese solchenallgemeinen Betrachtungen besonders günstig ist; wir sehendarauf die Schneelinie bezeichnet, wie sie sich von ihrer Höheunter dem Aequator nach Norden und Süden auf's Meer legt,und so über und neben sich das Eis ungeschmolzen bewahrt.Hier sehen wir also eine entschiedene Zone, in welcher die aufdem höchstmöglichen Punkt am Erdkreis wachsende Wärme dieSolidescenz des Wassers nicht hindern kann, und wir werdendarauf geführt, unter und über derselben noch mehrere der-gleichen Lnftgürtcl aufzusuchen.
Betrachten wir nun zu diesem Zwecke das Verhältniß leben-diger Wesen zu derselben, so finden wir, daß Geschöpfe bis ansie herangehen und deßhalb aber auch Verkünder werden, wenndieselbe nach Anlaß der Jahreszeiten herabstcigt. Ich nehmedas Beispiel von den Finken, und erinnere mich, als wir imSeptember 1797 auf Maria-Einsiedeln verweilten, und ein inder Nacht gefallener Schnee in einer gewissen mittlern Höhedes Gebirges liegen geblieben war, sogleich jene zarten Vögel,um so viel herabwejchend, den Vogelstellern unzählig in dieNetze fielen, und Pilgern so wie Reisenden als eine schmackhafteSpeise zu Gute kamen.
Und so manifestirt sich an allen gebirgigen Orten dem auf-merksamen Beobachter eine mit der Jahreszeit nach und nachniedersinkende Schneelinie, die, nach eintretenden Umständen,eine gewisse Linearhöhe beobachtet. Eine dergleichen zieht sicham großen Ettersbergc über Weimar her, läßt LUtzendorf untersich, die Marke in Obeliskenform über sich, und wird am kleinen