Meteorologie.
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Ettersberge unscheinbar. Hier bleibt der erste Schnee eine Zeitlang liegen, obgleich die Lage des Berghanges gegen Mittaggesenkt ist.
Dieses Phänomen wiederholte sich mehrere Jahre, und mirwurden aus Thüringen andere Beispiele bekannt, wobei freilichzur Sprache kam, daß außer der barometrischen Höhe noch dieLage gegen diese oder jene Himmelsgegend, die Nachbarschaftzu andern Bergen, sonstige Expositionen, vielleicht die Gebirgs-art, in Betracht zu ziehen sey.
Ohne diese Bemerkungen abzulehnen, fand ich doch Ursache,aus jene erste Lehre von den concentrischen Kreisen der Atmo-sphäre gar manches Phänomen zu beziehen.
So sey noch eins bemerkt. Die gewaltsamen Stürme, dieim letzten December nah an der Erde wütheten, wurden demBeobachter zu Frankenhain auf der Rhön, welcher über zwei-tausend Fuß über der Meeresflüche gestellt ist, keineswegs indem in der Tiefe herrschenden Grade fühlbar; wie seine ein-gereichten genauen Tabellen beweisen. Und gerade mag derSturm deßhalb so fürchterlich wüthen, weil er sich an dieOberfläche des Meeres und der Erde schmiegt und in geringerHöhe allerwärts erzeugt, während er von weitem herzukommenund in undenkbarer Eile heranzutoben scheint.
Dergleichen atmosphärische Kreise lasten sich auch aus derWolkengestaltung vermuthen; sehr selten wird ein Cumulus beiuns an seinem untern Rande geballt oder in einiger Auszahlunggebildet erscheinen, vielmehr legt er sich gewöhnlich flach undruht mit einer stratusähnlichen Basis gleichsam auf einemfremdartigen schweren Elemente, das ihn zu einer horizontalenGestaltung nöthigt; so wie umgekehrt in einer gewissen Höhe,etwa 2060 Fuß über der Meeresfläche, der Cumulus untenwie oben ausgezackt ist, auch bei steigendem Barometer sogleichan allen Enden in Cirrus aufgelockert wird.
Wie dem auch sey, so geht daraus hervor, daß die ver-schiedenen atmosphärischen Etagen auf Wasserbildung und Ver-neinung, auf Wolkengestaltung, auf das Niedergehen derselbenals Regen oder ihre Auflösung zu Schäfchen einen verschiedenenBezug haben.
So wenig man sich nun anmaßen darf, die jedesmaligeHöhe des Kreises über diesem oder jenem Ort zu bestimmen,so tragen wir doch kein Bedenken, solche relative Atmo-sphären anzunehmen, wenn wir uns in dem Labyrinthe derWitterungsbeobachtung mit einigem vernünftigen Behagenergehen wollen.
Als einwirkend auf diese Atmosphäre und deren vermuth-liche Kreise werden nun die beiden großen Mächte gegen ein-ander über gestellt, die sich uns durch das Barometer undThermometer offenbaren; sie werden, nach jener oben ausge-sprochenen Maxime, als von einander vollkommen unabhängigerklärt, um desto reiner zu fassen, wie durch sie die atmo-sphärischen Zustände bestimmt werden.
Man verzeihe Wiederholungen: diese sind in solchem Falleunerläßlich, wo man am einfachen Grunde festhalten und dieMannichfaltigkeit der Erscheinung darauf zurückfuhren will.
Indessen stehe hier eine allgemeine Warnung, welche füralle Capitel der Naturforschung gilt, hier aber besonders be-herzigt zu werden verdient. Man hüte sich, Ursache und Wir-kung zu verwechseln, besonders aber das Barometer von atmo-sphärischen Ereignissen abhängig zu machen. Worauf man
aber höchst aufmerksam zu seyn Ursache hat, das sind die Cor«relate, die Bezüge, die sich als Resultate neben- und zusammen-wirkender Thätigkeiten hervorthun.
Wasterbil-ung.
In der Atmosphäre schwebt immerfort, durch Verdunstungund sonst, erzeugtes Wasser; es wird selbst bei den heiterstenTagen als Dunst gleichmäßig ausgetheilt, in dem ätherischenRäume getragen, in den untern Regionen dichter, in denobern klarer; wie uns in den tiefern Localitäten das weißlicheHimmelblau überzeugt, welche Farbe denn immer dunkler undgesättigter wird, je höher wir bergan steigen.
Diese fortdauernde Tendenz der Wasterbildung verschafftuns einen respirabeln Luftraum; der niedere Barometerstandbegünstigt sie, der höhere verneint sie; hier ist die erste, ammeisten in die Sinne fallende Erscheinung, auf die wir beiWetterbeobachtungen zu merken Pflegen.
Wolkenbildung.
Durch Howards glücklichen Gedanken, die Wolkenbildungenzu sondern, zu charakterisiren, zu benennen, sind wir mehr alsman glauben könnte, gefördert: Cirrus deutet auf hohenBarometerstand, Cumulus auf mittlern, Stratus aufniedern, Nimbusauf den niedrigsten Zustand; wobei zugleichzu bemerken ist, daß die atmosphärische Höhe zugleich mitwirksam ist, wie denn wohl der Fall vorkommen kann, daßder Cumulus oben sich in Cirrus auflöst, unten zum Stratussich verslächt, und dieser näher an der Erde zum Nimbusübergeht.
Elektricität.
Diese darf man wohl, und im höchsten Sinne, proble-matisch ansprechen. Wir betrachten sie daher vorerst unab-hängig von allen übrigen Erscheinungen: sie ist das durch-gehende allgegenwärtige Element, das alles materielle Daseynbegleitet, und eben so das atmosphärische; man kann sie sichunbefangen als Weltseele denken. In wiefern sie sich nunruhig verbirgt, sodann aber durch den geringsten Anlaß ge-stimmt wird, sich bald von dieser, bald von jener Seite zuzeigen, einen oder den andern Pol herauszukehren, sich anzu-häufen und von da sich unbemerkt wieder zu zerstreuen, oderaber wohl mit den gewaltsamsten und wunderbarsten Explo-sionen sich zu manifestiren, darüber möchte wohl schwer seyndurch Erfahrung nachzukommen, ob sich schon nicht leugnenläßt, daß Barometer- und Thermometerstände darauf be-deutend einstießen mögen.
Win-erzeugung.
Ist gleichfalls vorerst als von dem Barometerstand ab-hängig zu achten: Ost und Nord haben Bezug auf hohen, Westund Süd auf niedern Quecksilberstand.
Eben diese Hauptverhältniffe erscheinen oft in einem uner-klärlichen Schwanken, aber auch hier muß uns das früher