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Meteorologie.
Festgesetzte als Regel zu Hülfe kommen, um uns durch dieIrrwege der Erfahrung zu begleiten.
Der Wolkenzug läßt uns alle Windfahnen entbehren, undbei demselben kommt vorerst wieder der Zustand verschiedeneratmosphärischer Regionen in Betracht.
Der Westwind ist der untern Region besonders ungehörig;bezeichnen wir Einen Fall statt vieler.
Bei niederm Barometerstand sey der Himmel zum großenTheil überzogen, graue Regenwolken ziehen mit gelindemWestwind langsam einher; dieses kann bei gleich tiefem Baro-meterstände mehrere Tage anhalten; das Barometer steigt,der Wolkenzug von Westen nach Osten dauert langsam fort,doch bleibt von den obern Wolkensäumen nach und nach etwaszurück, löst sich auf, und begiebt sich in höhere Regionen;endlich stocken ganze Massen, verharren als Cumulus, lehnensich als Wand an die Gebirge. Ueberdeckt auch manchmal eineWolkenmasse den Himmel, so bleibt sie getrennt; die Nacht istmondenklar; die Wolken stehen beinahe still, sie bewegen sichnur ganz gelind unter einander.
Jahreszeiten.
Diese muß man von seinem Standpunkte aus besondersbeobachtet haben, um genügsame Prämissen zu künftiger Di-judicatur vorkommender Fälle sich zu erwerben.
So sehr auch zu jeder Jahreszeit Verdunstung des Meeresund der Erdoberfläche, in sofern sie beeist oder frei ist, vorsich geht, so ist sie doch im Sommer bei uns stärker als imWinter; daher denn an langen Tagen das Phänomen nichtselten ist, daß beim höchsten Barometerstände sich allmählignach Aufgang der Sonne die Atmosphäre mit Dünsten füllt,die sich zu Wolkengestalten zusammen geben, welche man alsleichte, schwebende, ringsum ausgezackte Tumulus ansprechenmöchte. Ich habe sie um Mittag den ganzen Himmel einnehmensehen, allein sie schweben jede für sich und, obgleich mit nurgeringen Zwischenräumen, verschmelzen sie nicht in einander,bald nach Sonnenuntergang aber ist alles verschwunden; essey nun, daß sie als Thau niedergegangen oder sich Physisch,vielleicht chemisch, in der Atmosphäre aufgelöst haben, umnach kurzer Nacht bei frühem Morgen das vorige Spiel wiederanzusaugen, welches die herrlichsten Ansichten kurz vor undgleich nach Sonnenaufgang gewährt. Man steht leichte Nebel-streifen emporsteigen, sich bald in Cirrus auflösen, oder auchwohl einen Gebirgsrücken als Cumulus überthürmen, wozudas geringste Niedergehen des Barometers sogleich Anlaßgeben kann.
Noch ein Beispiel ist nöthig, um zu zeigen, wie verschiedeneJahreszeiten verschiedene Phänomene, bei immer fortdauerndemGrundgesetz zum Vorschein bringen.
Wir Pflegen bei feuchten und unfreundlichen Sommer-monaten uns gewöhnlich mit dem Herbst zu trösten; auch giebtdie Erfahrung, daß wir im September und October diemeisten, wo nicht schönen, doch regenlosen, für den Reisenden,Ackerbemllhten, Spaziergänger und andere im Offenen be-schäftigten Personen leidlichen Tage haben. Schreiben wir nundem Barometerstand auf die Witterung einen immer gleichenEinfluß zu, so scheint es wunderbar, daß, obschon in gedachten
Monaten das Quecksilber, wie in den übrigen, sich über undunter der Mittellinie bewegt, doch die Witterung immer schön,gut und wenigstens leidlich bleibt.
Hier müssen wir nun mit unsern Betrachtungen geradewieder zur untern Atmosphäre unsere Aufmerksamkeit wendenund aussprcchen: Sie selbst steht in verschiedenem Verhältnißzu den verschiedenen Jahreszeiten.
Oben ist dargestellt worden, wie im Sommer bei langenTagen eine große, überschwengliche Ausdünstung vor sich gehe,worüber selbst die höchst elastische Luft kaum Herr werden kann.Werden hingegen die Tage kürzer, wird die Ausdünstung,durch Sonnenwärme verursacht, immer geringer, so kämpfteine mehr oder weniger elastische Luft mit besserm Geschickgegen die in der Atmosphäre schwebenden Dünste. Steht dasBarometer über der Mittellinie, so ist die Luft alsobald rein;steigt es höher , so haben wir die schönsten Tage; steigt eswieder herab unter die Mittellinie, so gehen die Wolken nichtgleich in Regen über; sie ziehen vorbei, es zeigen sich ab-wechselnd freundliche Sonnenblicke, eine belebende Wärme,die mit dem niedern Barometerstand sich wohl verträgt, kannsich verbreiten, und man ist in freier Luft noch immer behaglich;steigt aber das Barometer glücklicherweise, so ist mit dem Ost-wind ein heiterer Himmel unverzüglich da, und wer im Freienlebt, genießt der schönsten Tage, die sich an vergangene, mäßigheitere und immer genießbare Stunden wohlthätig anschließen.
Mittellinie.
Aus vorgemeldeten gar verschiedenen auf die Witterungentfließenden Umständen, welche noch mit vielen andern Be-denklichkeiten vermehrt werden könnten, ist ersichtlich, daß allediejenigen, welche zu stillem Hausgebrauch sich das Barometerbeschauen, und dadurch von der nächsten Witterung einigeKenntniß zu erlangen wünschen, gar oft in Verworrenheit undUnsicherheit gerathen möchten. Bemerken wir daher folgendes.
Aus Barometern früherer Zeit, wie solche die sogenanntenJtaliäner herumtrugen und wie sie noch an manchen Ortengefunden werden, sehen wir auf dem Zolltäfelchen eine gewisseLinie gezogen, woneben geschrieben steht unbeständig; überderselben finden wir stufenweise schön und sodann beständigWetter angezeigt; unterhalb ist trüb, Regen und Sturmangemerkt. DieseBestimmungen sämmtlich hat man auf neuernBarometern als empirisch, unzuverlässig und unwürdig weg-gelassen, und zwar mit Recht, indem eine allgemeine, aufallen Barometern gleichmäßig bestimmte Linie für die verschie-densten Ortslagen nicht hinreichte und selten zutreffen konnte.
Gleichwohl ist es für den Tagesgebrauch solcher Personen,die einige allgemeine Kunde des nächst bevorstehenden Wetterszu erlangen wünschen, oder welche sich von der schon einge-tretenen Witterung Rechenschaft zu geben gedenken, zweck-mäßig, daß wenigstens die Mittellinie auf ihren Baro-metern bemerkt werde.
Es bezeichnet aber diese Linie den aus mehrjährigen, ge-hörig beobachteten Barometerständen eines Ortes berechnetenDurchschnitt, mithin die für diese Stände gezogene Mitte;deßwegen sie denn auch den Jndifferenzpunkt gewiffermaaßendarstellt, von wo alle Veränderungen ausgehen.