Lur Naturwiffeiischast im allgemeinen.
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Das Vertrauen, das seine Einsichten so wie sein Charaktererworben, beweist sich in der Folge abermals dadurch, daß ihndas Gouvernement im Jahre 1810 nach Portugal sendet, umdort, wie man sich ausdrückt, die Studien zu organisiren; erkommt von dieser ephemeren Unternehmung zurück, und be-reichert das Pariser Museum durch manches Bedeutende.
Wie er nun in seinem Fache unermüdet zu arbeiten fort-fährt, so wird er auch von der Station als Biedermann aner-kannt und im Jahre 1815 zum Deputirteu erwählt. Dieß waraber der Schauplatz nicht, auf welchem er glänzen sollte; nie-mals bestieg er die Tribüne.
Die Grundsätze, nach welchen er die Natur betrachtet,spricht er endlich in einem 1818 herausgegebenen Werke deutlichaus und erklärt seinen Hauptgedanken, die Organisation derThiere sep einem allgemeinen, nur hie und da modificirtenPlan, woher die Unterscheidung derselben abzuleiten sey, unter-worfen.
Wenden wir uns nun zu seinem Gegner.
Georg Leopold Cuvier, geboren 1769 in dem damals nochWürtembergischen Mömpelgard; er gewinnt hierbei genauereKenntniß der deutschen Sprache und Literatur; feine entschie-dene Neigung zur Staturgeschichte giebt ihm ein Verhältniß zudem trefflichen Kielmeyer, welches auch nachher aus der Fernefortgesetzt wird. Wir erinnern uns im Jahre 1797 frühereBriefe Cuviers au den genannten Naturforscher gesehen zuhaben, merkwürdig durch die in den Text charakteristisch undmeisterhaft eingezeichneten Anatomien von durchforschten niedernOrganisationen.
Bei seinem Aufenthalt in der Normandie bearbeitet er dieLinnssche Classe der Würmer, bleibt den Pariser Naturfreundennicht unbekannt, und Geoffroy de Saint-Hilaire bestimmt ihn,nach der Hauptstadt zu kommen. Sie verbinden sich zu der Her-ausgabe mehrerer Werke zu didaktischen Zwecken, besonderssuchen sie eine Anordnung der Säugethiere zu gewinnen.
Die Vorzüge eines solchen Mannes bleiben ferner nicht un-beachtet; er wird 1795 bei der Centralschule zu Paris angestelltund als Mitglied des Instituts in dessen erste Classe aufge-nommen. Für den Bedarf jener Schule giebt er im Jahre 1798heraus: Nableaux Äsinontrures cke I'üisioiro naturelle ckesnninmux. 8.
Er erhält die Stelle eines Professors der vergleichendenAnatomie, und gewinnt sich durch seinen Scharfblick die weite,klare Uebersicht, durch einen hellen, glänzenden Vertrag denallgemeinsten und lautesten Beifall. Mch Daubentons Abgangwird ihm dessen Platz beim LoIIe§s äe brnnee, und, vonNapoleon anerkannt, tritt er zum Departement des öffentlichenUnterrichts. Als ein Mitglied derselben reis't er durch Hollandund einen Theil von Deutschland, durch die als Departementsdem Kaiserthum damals einverleibten Provinzen, die Lehr- undSchulanstalten zu untersuchen; sein erstatteter Bericht ist beizu-schaffeu. Vorläufig ward mir bekannt, er habe darin die Vor-züge deutscher Schulen vor den Französischen herauszusetzennicht unterlassen.
Seit 1813 wird er zu höher» Staatsverhältnissen berufen,in welchen er nach der Bourbonen Rückkehr bestätigt wird, undbis aus den heutigen Tag in öffentlicher sowohl als wissen-schaftlicher Wirksamkeit fortfahrt.
Seine Arbeiten sind unübersehbar; sie umfassen da? ganze
Naturreich, und seine Darlegungen dienen auch uns zur Kennt-niß der Gegenstände und zum Muster der Behandlung. Nichtallein das gränzenlose Reich der lebendigen Organisationen hater zu erforschen und zu ordnen getrachtet, auch die längst auS-gestorbenen Geschlechter danken ihm ihre wissenschaftliche Wieder-ausstehung.
Wie genau er denn auch das ganze menschliche Wcltwesenkenne und in die Charaktere der vorzüglich Mitwirkenden ein-zudringen vermöge, gewahrt man in den Ehrendenkmälern, dieer verstorbenen Gliedern des Instituts auszurichten weiß; wodenn zugleich seine so ausgebreiteten Uebersichten aller wissen-schaftlichen Regionen zu erkennen sind.
Verziehen sey das Skizzenhafte dieser biographischen Ver-suche; hier war nicht die Rede, die allenfalls Theilnehmendenzu unterrichten, ihnen etwas Neues vorzulegen, sondern sienur an dasjenige zu erinnern, was ihnen von beiden würdigenMännern längst bekannt seyn mußte.
Nun aber möchte man wohl fragen: Welche Ursache, welcheBefugniß hat der Deutsche, von diesem Streit nähere Kenntnißzu nehmen? ja vielleicht als Partei sich zu irgend einer Seitezu gesellen? Darf man aber wohl behaupten, daß jede wissen-schaftliche Frage, wo sie auch zur Sprache komme, jede gebildeteNation interessire, wie man denn auch wohl die scientifischcWelt als einen einzigen Körper betrachten darf, so ist hier nach-zuweisen, daß wir dießmal besonders aufgerufen sind.
Geoffroy de Saint-Hilaire nennt mehrere deutsche Männerals mit ihm in gleicher Gesinnung begriffen; Baron Cuvierdagegen scheint von unsern deutschen Bemühungen in diesemFelde die ungünstigsten Begriffe sich gebildet zu haben; esäußert sich derselbe in einer Eingabe vom 5. April (Seite 24 inder Note) folgendermaaßen: „Ich weiß wohl, ich weiß, daßfür gewisse Geister hinter dieser Theorie der Analogien, wenig-stens verworrener Weise, eine andere sehr alte Theorie sich ver-bergen mag, die, schon längst widerlegt, von einigen Deutschen' wieder hervorgesucht worden, um das pantheistische System zubegünstigen, welches sie Naturphilosophie nennen." DieseAeußerung Wort für Wort zu commentiren, den Sinn der-selben deutlich zu machen, die fromme Unschuld deutscher Natur-denker klar hinzulegen, bedürfte es wohl auch eines Octavbänd-chens; wir wollen in der Folge suchen, auf die kürzeste Weiseunsern Zweck zu erreichen.
Die Lage eines Naturforschers wie Geoffroy de Saint-Hilaire ist freilich von der Art, daß es ihm Vergnügen machenmuß, von den Bemühungen deutscher Forscher einigermaaßeuunterrichtet zu seyn, sich zu überzeugen, daß sie ähnliche Ge-sinnungen hegen wie er, daß sie auf demselben Wege sich be-mühen, und daß er also von ihrer Seite sich umsichtigen Beifall,und wenn er es verlangt, hinreichenden Beistand zu erwartenhat. Wie denn überhaupt in der neuern Zeit es unsern west-lichen Nachbarn niemals zu Schaden gedieh, wenn sie von deut-schem Forschen und Bestreben einige Kenntniß nahmen.
Die deutschen Naturforscher, welche bei dieser Gelegenheitgenannt werden, sind Kielmeyer, Meckel, Oken, Spix,Tiedemann, und zugleich werden unserer Theilnahme andiesen Studien dreißig Jahre zugestanden. Allein ich darf wohlbehaupten, daß es über fünfzig sind, die uns schon mit wahr-hafter Neigung au solche Untersuchungen gekettet sehen. Kaumerinnert sich noch jemand außer mir jener Anfänge, und mir sey