Grönländische Prozesse.
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die durch ihre Entzündung sein ganzes Jdeengebietoder seinen Wolkenhimmel so sehr erhellen, daß erlauter neue Wahrheiten sieht und dem Drängeendlich weicht, sie durch die Presse mitzutheilen.Daher begünstigt eine Theurung die Erfmdkrast dergelehrten Republik ungemein, und ein Mißwachsdes Getreides verspricht eine reichliche Ernte vonBüchern. Die so gepriesene und begehrte Stimmeder Wahrheit ist eben das verstärkte Knurren desunbefriedigten Unterleibs. Gleich der Hole desAeolus bewegt der Magen die Weit mit vier be-kannten Hauptwinden. In Scandino (im Gebietedes Herzogs von Modena) behängt man mit aller-lei Eßwaren den Gipfel eines Pappelbaums, denman von seiner Rinde und seinen Aesten entblößt;nach den Lockspeisen seines Gipfels klettern dieBauerkerle, die erst nach vielen vergeblichen Ver-suchen ihr Ziel ersteigen und sich ihrer Belohnungbemächtigen. Eben so hängt an dem Lorbeerbäumenicht blos der Reiz des Ruhms, sondern auchder Köder der Nahrung, nach welcher die schreib-lustige Hand des Autors, zwar oft vergeblich,hascht, die sich aber endlich dem Besieger desschlüpfrigen Stamms und dem Ersteiger des Gip-fels überliefert. Jedem, auch philosophischen Ma-gen ist die Leere-Scheu (Iwoono vaeul) einge-pflanzt — den philosophische Köpfe aber dieseScheu nur bis zu einem gewissen Gradewie die Physiker sonst bei Wettergläsern annah-men, —; was Wunder, wenn die verlegne Seelestatt Almosen zu sammeln, Varianten, Lieder,Bemerkungen sammelt, wenn sie von den Büchern,aber nicht von den Menschen bettelt, wenn sie,gleich verarmten Vatern, sich von dem Erwerbeihrer geistlichen Kinder nährt, und wenn der Ma-gen die Finger anreizet, nach der Unsterblichkeit zurVerlängerung des Lebens zu greifen? — WasWunder frag ich: kein Wunder nämlich ist's. Undwie sollte es auch, da der Eigennutz alle Seelenbeseelet? Er kämpfet in dem Heerführer um dieblutige Beute, mit welcher das menschenfreund-liche Kriegrecht den Ueberwinder belohnet, und umden Ruhm, der erst durch ermordete Krieger ath-met ; er rüstet den ungekrönten Räuber mit Ver-achtung gegen die Drohung des Gesetzes aus, undthut in ihm für den Strick, was er in andern fürden Lorbeer thut. Er verlängert in der Feder desAdvocaten Buchstaben, Perioden und Prozesse,und spielet durch die Künste des mit Aktenstaubbedeckten Gewissens die rechtliche Uneinigkeit derKlienten auf ihre Enkel. Er angelt im Verlieb-ten mit poetischen Schwüren nach Lust und Geld,zind krächzet aus dem feisten Abte die Lobrede derhimmlischen Nahrung. Kurz, er fesselt den gan-zen vielfarbigen Haufen von Absichten an EineKette. Und nur dem Schriftsteller wollte man einegrößere Uneigennützigkeit ansinnen, als die, sichmit ihrer Larve zu verschönern; nur er sollte sichan die prahlhaften Versprechungen der Vorredenzu binden haben? O so würde die Welt zu arman Büchern und zu reich an Bettlern sein; an-statt der geistlichen Kinder würden ihre Vatersterben und die Weitschweifigkeit würde nur christ-liche Predigten vergrößern, und dicke Quartantenund dicke Bäuche seltner werden. Die vortreffli-chen heiligen Reden, die nun auf den K in -
zeln, in den Kramläden und in den geheimen Ge-mächern ihre Bestimmung erfüllen, wären danngleich anderem Ungeziefer, unbekannt unter derPerücke ihres Verfassers gestorben; dem leerenRaume der kritischen Zeitungen hätten Muster zuseiner Ausfüllung gefehlet; und die Romane wä-ren »„geboren geblieben, die den Geist der feinernLiebe und den Geist der tiefern bis zu der Köchinund dem Kutscher verbreiten; und die Langeweilevon dem Golde verscheuchen, und die ermatteteWollust mit gedruckter Lockspeise anködern; undwelcher den deutschen Magen mit Eichelnund Konfitüren blähen, ohne ihn zu nähren unddie Dummheit aller lesenden Stände mit blumich-tem Futter mästen. Diesem Hunger verdankenwir die Anstrengung, mit welcher der Dichter seinepoetische Pfeife auf Unkosten seiner Lunge bläst,gleich gewissen Derwischen in Aegypten, die miteinem Stoß in ihr Horn ihr Almosen fordern,oder den stummen Bettlern, die durch ein tönen-des Glöckchen die Freigebigkeit um eine Gabe an-sprechen. Diesem Hunger verdanken wir die Ge>schicklichkeit, mit welcher der Philosoph auf meta-physischen Seilen tanzt. auf den Beutel der mild-thätigen Bewunderung hoffend, und mit welcherseine Ideen, gleich dem Rauche, in die Höhe wir-beln , wo, so viel er weiß, neben dem Korbe so-kratischer Abstrakzivnen auch der sinnlichere Brod-korb hängt. Ja diesem Hunger verdanken wir dieWahrheit - und Menschenliebe des Schriftstellers;denn nichts ist natürlicher , als daß die stechendenSäfte des Magens die Uneigennützigkeit ausihrem Schlafe aufspornen, und daß ein Herz vollsüßer Menschenliebe zu einem Magen voll bit-terer Galle sich schlage. Ich habe selbst einenvortrefflichen Schriftsteller gekannt, dessen un-eigennützige Fruchtbarkeit an rührenden Bruch-stücken das Publikum einem Stocke nagenderWürmer in seinem Unterleibe zu verdanken hatte,welche unaufhörlich Ideen an den Magen abluden,der sie darauf durch die Nerven an das Gehirnund endlich an die Seele verschickte. Auf dieseWeise waren die Feinde der Musen seine Musen;auf diese Weise vertraten verachtete Thiere bei die-sen Meisterstücken des menschlichen Herzens dieStelle der Hebamme; eben so locken in Arabiendie Stiche eines gewissen Insekts aus der Eschedas süße Manna heraus, und eben so verbessernauf der Insel Malta gewisse . Maden den Feigen-baum und zeitigen seine Früchte. — Wie sehr über-bietet das Werk seinen Schöpfer; wie klein ist LasKanker-Loch, woraus man oft Quartanten spinnt!— Allein eben dieses versöhnte jmich mit demscheinbar ungerechten Schicksale der Schriftsteller,die durch gedruckte Lügen dem verdienstvollen Beu-tel eines dummen Gönners ein erzwungenes Al-mosen abzuschmeicheln haben. Denn der weiseApollo wußte zu gut, daß nur hungrige Jagd-hunde am besten jagen, n ü chterne Läufer amgeschwindesten laufen, daß ein zaundürrer Pegasuslänger als ein schweres Reitpferd bei Athembleibe, und daß man aus dem Kieselstein das Feuerherausschlagen müsse. — Darum stattete erseine Lieblinge mit Armuth aus, verbesserte ihreSeele auf Kosten fihres Körpers und gab ihnenwenig zu leben, damit sie ewig lebten.