Band 
I.
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G r ön l ä n d i sch o Ppoz c s s e

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Gelbsüchtigen. entgeht die allgeineine Farbe dergelben Natur. DaS Löschpapier ist grauer undschlechter als das Schreibpapier; allein eben ver-möge seiner Schlechtheit saugt cS die Dintenkleckseaus diesem ein. Einsangen paßt hier schon auf denKritiker, der das ist und wird, was er angreift,und der sich, wie der Schlotseger an andern, selberschwarz fegt, und, gleich den Lichlscheeren, denschwarzen Docht, den er Lichtern abnimmt, in sichzusammenhäust.

Endlich ist ein Mangel an gewissen Einsichtenordentlich ein Hülfmiltel, wenn man kritisch ent-weder verläumden oder schmeicheln will. DenNeid, diesen Bastard unsers ersten Triebes, diesesKind des Mangels, diese Kost der Schwindsucht,erwärmet ein fremdes Genie zum geifernden Le-ben. Denn die Sonne schwärzt das Gesicht, undje mehre Lichter in einem Zimmer sind, desto meh-ren Schatten wirft ein dunkler Körper. Daß abergefühlte Schwäche leicht zum Neid reift, istnatürlich. Journale nun sind die SpritzenhäuserdeS NeideS, Rezensenten sind die Leute, die wiegewisse alte Völker zur Geburt eines Kindes, soeines Buchs weinen und zu seinem Tode lache»,die wie die Priester eine Leichenpredigt mehr alseine Taufe lieben, und mit ihren Kugeln um denFall wetteifern. Dazu müssen der Kopf und dasHerz zugleich helfen, und Schein gründe müs-sen die Nerläumdung beschönigen — so ver-blendet die Erde als aufwallender Staubdie Augen und befleckt als nasser Kothdie F ü ß e. Wohl dann dem Rezensenten, wennseine Dinte jede verhaßte Schönheit wegfrißt,wenn das Gold >n seiner nk,nn restis und diePerlein seinem Essig zergeht! Das Opfer seiner Federunterliegt einer doppelten Schande, der eigenenund der fremden, und der besiegte Riese erröthetüber die siegenden Zwerge, statt daß große Män-ner , durch große Männer fallend, wenigstens mitRuhm zusammenbrechen, die Ehre mit ihrem Be-sieg« theilen, und durch einen schönen Untergangdie trüben Wolken des verflossenen Lebens ver-golden. Wohl dem Rezensenten, wenn er mit demStiche seiner Feder Früchte auf dem philosophischenErkenntnißbanm, oder auf dem ästhetischen Le-benbaum so geschickt zu einem Behältniß leererGedanken mit schöner Schale macht, wie der Sticheiner Schlupfwcspe den Svdomsapsel in schwarzenStaub verwandelt, welcher die Näscherei blosdurch eine schöne Oberfläche täuschet. —

Aber freilich ist oft mancher hohe Autor undMusenbcrgmann ein Bergknappe, welcher solcheihn umspukende Kritiker für Kobolde ansieht, dieihn in seiner Arbeit nicht so wohl stören als auf-muntern als Boten der nahen Ausbeute ; und zu-weilen ist ein kräftiger Kopf der Diamant, derdem Hammer, der ihn zerschlagen will, die Narbecingräbt. Indeß nicht 'jedes Verdienst ist gegendie Feinde seines Werths gewaffnet, deren Schwächeder Fleiß und die Anzahl verbessert. TausendWassertropsen höhlen auch den- Scheitel einerBildsäule aus; auch Würmer können die Patenteder Ewigkeit zernichten, und die Exkremente vielerFliegen das schönste Papier beschmutzen; auch ohnedie erschütternden Waffen des Elephanten, durch-nage» verbündete Holzwürmer den Ruhm und

zerlöchern seine Feste. Zwar ersiirbt innererWerth nicht oft a» Kritik, aber doch sein äußererGlanz; so schwärzt nach Drnmmvnd der Bißeiner Otter die Haut des Menschen, aber tödtetihn nicht. Darum spüren einige Rezensenten amGroßen das Kleine auf, um an diesem jenes zuverlachen. Andere, menschenfreundlicher, vcrläum-den blos durch Stillschweigen. Einige: geißelndurch verstelltes Lob die unbemerkte» Fehler, ihreArznei schadet mehr als die Krankheit, und mehrals Gift vergiftet ihr Gegengift. Andere räuchernnur verweste Nasen, überziehen wie die Perser dieTodten mit Honig, und bewerfen wie die Griechensie mit Kränzen; loben als Alte Alte, und salbenwie die Türken einander die langen Bärte. Da-für brechen junge hvffmingvolle Dichter und Re-zensenten über grauen Ruhm den Stab, trennenvon weißen Haaren den alten Lorbeer, wie dieKohlmeisen ihre ältern Mitbrüder todten und ihrGehirnsreffen; düngen mit verwestem Ruhm ihreneignen, mästen sich wie die Hyäne von aufgegrabe-nen Todten, und gleichen den stechenden Wespendie das Mark verstorbener Pferde gebären soll.Und einige endlich versuchen durch Unbilligkeit zurErwiederung derselben zu reizen, und auch oft beißtdie Wuth des Hundes in einen Menschen Wuth.Und vorausgesetzt, Laß ein unbilliger Angriff denAutor nicht zu angenehmen und lehrreichen Ant-worten veranlasset, wie Affen auf Kvkosbäumensich mit Kokosnüssen gegen die Steineder Indianer vertheidigen, vorausgesetzt, daß dievoreilige Ungerechtigkeit des Kritikers den Autornicht aus einer unvorhergesehenen Unbekanntheitreiße, wie der Honigsucher (vivori'u inviiv ova) indie Bäume, deren Hvnigschatz ihm unerreichbar ist,das Merkmal ihres Werths durch seine Zähnegräbt, dies vorausgesetzt, sind der Rache desKunstrichters mehr große als kleine Schriftstellervorzuschlagen. Stechfliegen stechen leichter durcheinen seidenen als einen wollenen Strumpf.Und welcher Beutelschneider wird Diogenes Perabestehlen, welcher Räuber in Diogenes Faß ein-brechen? welcher Kritiker nicht den Maubthierenähnlichen wollen, den Katzen, Adlern, Löwen,Schlangen, welche auf keine liegende Beute los-fahren, sondern nur blos auf eine fliegende, lau-fend ?

Indeß malt der bessere Kritiker nicht nur^wieder Neger, die Götter schwarz, sondern 'auch denTeufel weiß. Denn eS ist schön, schwachen Köpfendurch Lob aufzuhelfen, und ihnen durch den Po-sauncnton des Beifalls neue Produkte abzufor-dern, wie Postknechte durch gefälliges Pfeifen ihrenPferden die Erleichterung der Harnblase abschmei-cheln. Ein ächter Kunstrichter jauchzet da Land!Land! wo die Entfernung dem Dunst und NebelGestalten leihet. Sein Mitleiden versüßet demRuhme die Sterbestunde durch Zuspräche, undberauscht den Schriftsteller, wie sonst die mitleidigeGerechtigkeit den Missethäter, durch Weihrauch zueiner glücklichen Fühllosigkeit für das Ende. Ja,da man sonst die gehörnten Opferthiere der Göt-ter mit Blumenkränzen krönte, warum soll er dieOpfer der Kritik nicht mit Lorbeerkränzen zieren?

— Derjenige ist der vortrefflichste Kunsirichter, der iimmer das Lob durch Tadel versalzet, der nie die >