Band 
I.
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Grönländische Prozesse

Kralle darreicht, ohne ei» wenig zu kratzen, dergleich dem Schvoßhunde mit spitzigen Zäh-n e n seine gelindeZunge verpallisadiert. Bit-tere Magentropfen, auf Zucker gegeben, lassen sichwohl einnehmen. Auch macht man die Neunaugenin Essig und Lorbeern zugleich ein; und dieLappen gehen aus dem heißen Bade ins kalte. —Noch einige vermischte Anmerkungen über die Re-zensenten! Die Menge derselben beweist, wie dieMenge der Mäuse, eine gesegnete Ernte, — DerFaust unserer tiefsinnigen Kunstrichter verdankenwir die Entwickelung mancher Schönheiten; denntreten nicht auch die Klauen der Ochsen bei denOrientalern das Getraide aus den Garben? Undauf der andern Seite mausen die Katzen so gutwie die Eulen, und verrichten nicht oft die Mur-melthiere des Savoyarden, die Dienste eines Schlot-fegers? Ja die Rezensenten verrichten mehr:denn ihr Zorn hat manches Genie zur Safire be-geistert, und Dunstn find wir die Dunziade schul-dig; so veranlaßte das Zischen der Schlangen derGorgone die Minerva zur Erfindung der Flöte, —Kein Japaner darf einen Baum umhauen, ohneeinen neuen zu pflanzen, — zweideutiger Ge-brauch! Und wenn wir ihn annehmen, wer würderezensieren? Ich lobte oben die Unwissenheitder kritischen Köpfe, aber ich hätte auch dieKlugheit ihrer Handlungen und ihrer Ränke lo-ben solle», denn der Teufel prangt nicht blos mitOchsenhörnern, sondern auch mit Pferdefüßen,Auf den Kritikern beruht das gute oder schlechteSchicksal des Parnasses; dies sieht man auch dar-aus , weil die Kritik sich erst auf den Ruinen desGenies erhebt, und der Sieg der Rezensenten erstauf die Niederlage der Dicht-Geister folgt. DieKnochen im Gesichte ragen erst dann hervor, wenndie schönen Wangen eingefallen.

Endlich einige Kleinigkeiten! Das Titelblattist das wichtigste Blatt des ganzen Buchs, dennnach dem Gesichte würdigt man die unbekannter,,Theile eines Menschen. Daher muß ein Schrift-steller zur Erfindung eines glänzenden Titels seinganzes Gehirn aufbieten und der scheinbaren Ge-ringfügigkeit desselben ist er jede Ausschmückungschuldig. So trägt man in Japan nur Geflügelmit vergoldeten Schnäbeln auf die Tafel.Darum aber braucht er nicht das zu leisten, waser auf dem Titel verspricht. — Jeuer Malerschrieb unter seine Figuren nicht, was sie waren(denn das sah man ja), sondern was sie sein soll-ten. Und welcher vornehme Mann ist nicht weni-ger als sein Titel? Da ferner die Schriftstellerihre Verewigung nur von den Journalen durchdie Aufbewahrung ihrer sinnreichen Titel zu ge-warten haben, wie die Bauern in einigen Ortendie Köpfe aufgegessener Heringe an einem Fadenzusammenreihen und an die Stubendecke hängen:st ist es schon darum gut, allen Witz in den Titel,gleichsam in eine Urne für die Nachwelt zusam-menzudrängen. — Auch das Motto werde nichtganz vergessen. Der Name des berühmten Motto-Herlcihers glänzt auf dem ersten Blatte einesWerks doch immer so gut wie das Bild derSonne stuf der Sti r n e des göttlichen O ch -sen der Franken. Je weniger das Motto sichzum Buche schickt, desto mehr macht es dem Witze

des Verfassers Ehre, dem auch die kleinste Aehn-lichkeit nicht entgangen. Dem Titelblatte ernst-hafter Streitschriften läßt ein spaßhaftes Motto,aus Registern gestohlen, ganz wohl; denn eben soschimmern auf den Helmen der Helden Fe-dern aus dem S chwanze der Pfauen. EinTitelblatt würde sich sehr verschönern mit einemPorträt-Blatt des Verfassers gegenüber, wenn derkopierte Geist in seinen Gesichtzügen manchen Le-ser von dem Versuche nicht abschreckte, das Origi-nal desselben im Buche näher kennen zu lernen;so entzieht oft das ausgehangene Bild einer Miß-geburt die Neugier der Zuschauer der Betrachtungdes Urbildes.

Alle Schriften strotzen jetzt statt der Gedankenvon Gedankenstrichen, die man auch Gedanken-pausen nennen könnte. Mal, durchstreicht nichtmehr jWörter, aber dafür desto mehr das leerePapier. Die Guayruer lassen neben dem begrabe-nen Körper einen leeren Platz für den Geist,und unsere guten Köpfe neben den Worten einenfür die Gedanken, und deuten den Sinn, wie He-raldiker das Silber, durch leeren.Raum an. Manvertheuert durch esne solche Verschwendung derDinte seine Waare, wie die Kaufleute durch Be-netzung die ihrige, Gedankenstriche sind Furchenohne Samen — sind Linien, die der Chiromantistzu lesen gedenkt, und für deren Bedeutung derZufall nicht gesorgt — sind das algebraische Zei-chen der Subtrakziou sind die Gebeine verstor-bener Gedanken — sind die Schleppen oderSchwänze der Perioden, welche Schwänze auchoft den Kopf der Perioden , wie die Schwänze derStrauße den Kopf der Damen, zieren — sindBrücken, über die Klüfte unähnlicher Materiengeschlagen — sind Mittel, unsere Bewunderungvon, Genuß ihres Gegenstandes,zu trennen, wiebei gewissen Scheinbeilagern ein dazwischen geleg-tes Schwert von der Schlafgenvssin absondert. —Aus diesem wird jeder den verschiedenen Gebrauchund die Nothwendigkeit der Gedankenstriche erse-hen können, und meine Gedankenstriche werden sichauch selber loben. —

Schade, daß wir jetzt nicht mehr so unsere Wör-ter wie unsere Kleiber verstümmeln. Doch läßtes noch in Gedichten, wo jeder VerS gleich einemGleichniß übel zu Fuß ist, sehr schön, wenn dashölzerne Bein des Apostrophs das weggeschossenenatürliche ersetzt, wenn man die Füße der Wörterin enges Silbenmaß, wie die Sineser die weib-lichen Füße-in enge Schuhe, einzwängt. — Manverstümmelt die Wörter nicht blos, wie die Wil-den ihre Kinder, der Zierde, sondern auch der Er-habenheit wegen. Ein Wort mit den krummenNarben eines Federhiebs sieht sehr marzialischaus. —

Da man oft zwei Uhren und auf Einer Seitezwei Lockcn trägt, da man Monsieni- oder Herr imBriefe aus Höflichkeit verdoppelt; so wird manleicht sehen, daß die Verdoppelung der Frag - undAusrufzeichen nicht blos modisch, sondern auchvernünftig ist. Manche Autoren können dadurchmehr ausdrücken, als sie im Sinne haben!

Kaum brauch' ich zu erinnern, daß der Verfas-ser sein Buch mit schönen Kupferstichen ziere»inüsse, auf welchen seine Zeichnungen sich heben.