Band 
I.
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Grönländische Prozesse.

23

Diese Mode erinnert mich an die Mode einigerarmen Aegypter, die ihren Götzen statt derSchweine die Abbildungen der Schweineopferten. Oder daß er für schönes Papier sorgenmüsse: denn wer iffet gern auf einem schmutzigenTischtuche? Und endlich, daß er sein Kind in dermöglichst kleinen Gestalt erscheinen lassen müsse.Großvktav ist der Positiv des Witzes, Kleinoktavsein Komparativ, und Duodez gar sein Superla-tiv. Das Gehirn verhält sich zum Kopfe umge-kehrt. 'Auch bemerkt Home in seiner Geschichte derMenschheit sehr gut, daß bei der Verfeinerung desGaumens große Stücke Fleisch aus der Mode kom-men. Der rohe Angelsachse briet oft einen ganzenOchsen, und der feine Sineser füllt seine Schüs-seln mit kleingeschnittenem Fleische an. — Ichhabe nichts dawider, wenn man statt der gothi-schen Lettern römische wählet. Denn es beweist,daß die klassische Gelehrsamkeit unter uns nochnicht ausgestorben. —

Nun bin ich fertig; das heißt, ich habe durch dasGemälde eines heutigen Autors das Gemälde einesvortrefflichen gegeben, und durch Schilderung 'derjetzigen Schreiberei, schreiben gelehrt. Denndem Deutschen sei nur deutsches Beispiel, Muster!Wider alles Erwarten hör' ich hier auf undmache sogar dem Ende schnell ein Ende. Je mehrein fallender Körper sich der Erde nähert, destogeschwinder fällt er, und man abbreviert wenig-stens die Endsilben der Wörter. Kurz, Amen! —

n.

Ueber die Theologen.

Ein Brich

Theuerster Herr Ko.nfraterl

Ihr Stillschweigen hat so lange gedauert alsmeines, aber Sie werden das Ihrige nicht so gutentschuldigen können. So viel zu thun, wie ich,haben Sie wenigstens nicht gehabt! Denn lesenSie nur. Sie kennen den berühmte« Freigeist inmeiner Diözes, de„en Schriften die ganze Weltkennt. Er ist todt — aber er starb besser als erlebte. Es wiederfuhr ihm nämlich das Schicksalverschiedener großer Männer, deren Leben ihr Todbeschämte. Diese Lichter der Welt gleichen unserngewöhnlichen Talglichtern, die, wenn blos ihreFlamme verloschen, fortglimmen und stinken *. —Ein hitziges Fieber fraß so alle Kräfte meinesFreigeistes auf, siegte so über seinen Verstand,lähmte so seinen Muth und widerlegte so seineGrundsätze, daß ich ihn nach einem eifrigen Ge-bete vermittelst Heißer Bußpredigten und vermit-

' Blos auf dem Körper beruhet die ganze Standhaf-t gkeit l», Tode. Freilich stinkt ei» ansgli,„inendes Tala-licht; allein ein ausglimmcndcr Wachsftock nicht.

telst des Arguments n tut» von acht bis zehn Ge'heimniffen überzeugte. Und schon hatte zu denübrigen eine tapfere Aderlaß ihn vorbereitet, undich brauchte an sein Heil nur j noch die letzteHand zu legen, als der Tod meiner Bekehrungdas ganze «viel verdarb, und die Scheere derParzen mit seinem Leben zugleich meinen Soriteszerschnitt. Freuen Sie sich des Siegs der Or-thodoxie. Sein Körper war seinem Geiste ge-wachsen, und seine Krankheit allein sorgte für denBeweis meiner Sätze; dabei vereinigte sich seinheißes Blut mit seinen schwachen Nerven nursein Kopf mit seinem Magen, die Seele dem Ra-chen des Teufels zu entreißen, und die Phantasieerwärmte den erstarrten Glauben der Kindheit zurBesserung der Vernunft. — Denn es ist ein gro-ßer Beweis für die Wahrheit der alten Recht-gläubigkeit, wenn der, der Verstand besitzt, sie,an-nimmt, so bald er ihn verliert, und doch wär' esohne übernatürlichcn Einfluß kaum möglich, einekranke Seele in einem kranken Körper zu heilen.Diesen Sieg, der für meine vier Wände zu kost-bar schimmert, will ich in einem besonderen Bucheso wohl zum Besten der.Christenheit ausstellen,als zum Besten meiner armen Familie, weil icheinen ansehnlichen Ehrensold dafür begehren will.Denn dem gewissen Spotte aller Klugen opfere ichdie wahrscheinliche Erbauung etlicher Schwachennicht auf. In diesem Buche nun erzähl' ich kecWelt, wie viel Geheimnisse der Ungläubige kurzvor seinem Tode angenommen und geglaubt; einPaar thu' ich dazu, denen er gewiß bei längeremAthmen beigefallen wäre, und halte dergleichen er-laubt , als M ki-nus. Ich habe mehre Bücher inder Gegend umher geborgt, aus welchen ich.ver-schiedene Beweise für eine positive Offenbarungentlehnt habe, mit denen ich den kranken Profsly-ten bekehrte oder bekehren konnte. Zu kiesenfremden Beweisen füg' ich einen eignen hinzu, dermir neulich im geheimen Gemach beigefallen, unddessen Kraft auf Gedankenstrichen, Ausruf- undFragezeichen beruht — nämlich auf dein Gefühle,das ich eben Lurch jene am besten ausdrückte.Dieses Gefühl, welches alle meine Nerven undSäfte und sogar mein Unterleib unterstützen, jaeigentlich hervorbringen, wird, hoff' ich, stark ge-nug sein, die bloße Vernunft eines Ungläubigenzu entwaffnen , und ein ganzer Rumpf doch wohleinen Kopf überwiegen? Wie denn überhauptmein Blut und meine Nerven dem Satan nochmanchen Abbruch thun werden. Ja selbst meinkünftiges Fett soll für die Erleuchtung der Hetero-doxen schmelzen — diesem Versprechen verdank' ichauch mein fettmachendes Amt. — Ich werde mei-nem Buche noch allerlei Gebete für Neubekehrte,ja für Verstockte einverleiben, und zwar lauter' Gebete, die ich bei guter kühler Muße und ohnebesondere Empfindung und Schwärmerei gemacht.Denn wie die Katholiken Rosenkränze aus Ochsen-hörnern drehen, eben so müssen Protestantendie Gebete blos aus ihrem Kopfe spinnen. End-lich werd' ich allem diesen noch die Widerlegungeines Buchs meines Helden beifügen, das schonneulich von einem Schock Programmen gründlichwiderlegt worden. Um meinen Lesern, die jenesBuch nicht haben, die Kosten des 'Ankaufs und de-