Band 
I.
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Grönländische Prozesse. 29

" er, das allgemeine Elend mit einer gekauften-Fröhlichkeit, und mit Freudenfesten des Hofs.-Damals galt politische Tanzkunst, nach der sich-Zunge und Rücken bewegten, Hofthiere wurden-nach der Außenseite, wie uneßbare Raubthiere

- nach dem Pelze, geschätzt und mit adeligem Blut

- unterschrieb man sich dem Teufel. Da mästeten-sich mit Gold bedeckte Wänste vom Hunger der-Menge und geraubte Hütten waren die Qua-

- dersteine der Palläste — da wurden die Aemter-zu Preisen ausgesetzt, die nicht der Flug des

- Musenpferds, sondern das Schleichen seines-langöhrigen Gegenfüßlers gewann; der Man-

- gel der Verdienste prahlte mit den schönen Zei--chen derselben, koch nicht blos fügten sich lchnge-'Hände zu langen Ohren, und stricht blos-gab die Stimme eines Esels jedem, wie, die-Stimme eines Pferdes dem Darius, die ge--jwünschte Würde, .sondern die Dummheit mußte

- ihren Werth, wie Griechen die Hörner der für-den Altar bestimmten Ochsen auch vergolden,-mußte die Geneigtheit mächtiger Hände auch-um das Lecken mächtiger Füße kaufen. — Da

- lähmte Gold die freimüthige Zunge mit bleier--ner Schwere und der Patriot verlernte, wie

- die Vogel, die nur in der freien Luft singen,

- im goldenen Käfige seine Borzüge, und der Lor-

- beerkranz war der Blumenkranz, der dem Opfer-des Neides zum schönen Zeichen seines Unter-

- ganges diente. — Da flüchtete man vor dem-Donner des Gesetzes hinter eine wohlthätige

- Bettgenossin, wie man mit ausgehängten Feder-

- betten Kanonen trotzt, und Gold versöhnte den-Großen mit der Ungerechtigkeit der Unterbe-

- dienten, und der Paktolus that die Dienste des

- Lethe. — Da forderte der billige Obere für die-Beschützung der Güter der Unterthanen .'nichts als

- die Güter der Unterthanen und sogar der Räu-

- der wurde zum Raube der Gerechtigkeit. — Da-endlich warfen die nützlichen Leute, die we-

- niger von eigner als fremder Dummheit leben-und, wie Geier und Raben, die Augen ihrer-Klienten zum Vorschmack der übrigen Mahl--.zeit aushacken, römischen Aktenstaub denen ins

- Gesicht, deren Taschen sie mit den dürren Hän-

- den der Gesetze ausleeren wollten*, und verbrei-

- teten Lurch Verschwendung ihrer Dinte, wie der-Dintenfisch durch Auslassung einer schwarzen

- Feuchtigkeit, eine Dunkelheit um sich, in welcher-sie ihren Raub berückten oder ihren Räubern

- entgingen.- —

Und so geht es noch volle dreißig Seiten fort;aber alle stellen wider ihren Willen das stärksteGemälde von der Allmacht Ihres Hochseligen On-kels über Land und Leute dar. — Auf solche Reli-quien von adeligem Blute kann 'man sschvn jstolzsein, wenn man so glücklich ist, sie wie ein bekann-tes Thier die Reliquien der Heiligen zu tragen.Wie elend muß Ihrer Gnaden dagegen, ich denkemir's lebhaft, ei» neugebackner Edelmann vor-

* Ei» Rcchtgelehrtcr verdient sich sein Brot mit sei n en»nd den geschlichen Händen. Hierbei fällt mir derBcutclschncidcr ein, der während seine wächsernenHände beteten, mit seinen naturlichic n unter den. Man-Icl Bculc! enrcrntcte.

kommen, der Vorzüge, die Sie, wie zuweilenmanche Kinder, z. B. Louis XIV. die Zähne, so-gleich bei der Geburt mitbringen, erst erwerbenmuß, und der, so zu sagen, erst nach dem Saugenzahnet; — kurz Früchte, die an Ihrem Stamm-baum schon reif hängen, muß er erst mühsam ausseinen dürren Aestchen treiben und drücken. DerMann muß vielmehr mit seinem Ruhm erst seineVorfahren und Ahnen.erleuchten und beglänzen,wie etwan die untergehende Sonne den Ort ihresAusgangs mit einem Nachroth.bezeichnet; indeßSie hingegen von einer längst untergegangenenSonne herrlich in der Nacht angestrahlt alsrunder voller Mond blendend am Himmel han-gen; und da haben Sie es gewiß leicht, überjeden wegzusehen, der nur an Tapferkeit IhrenAhnen, aber nicht an Ahnen Ihnen gleicht. —Mögen doch Ew. Hochwohlgeboren — mit die-sem Wunsch schließ' ich — Ihren westphälischenSchinken noch lange sowohl zum Besten IhrerUnterthanen als auch Ihrer Familie schmausen,mit christlichem Trunke noch lange das BeispielIhrer trocknen Nebenchristen sein, und mit derRüstkammer Ihrer Borahnen noch lange denRuhm Ihrer Nachkommen fester gründen, bisIhnen endlich ein ruhiges Alter die unruhige Ju-gend vergütet. Ich würde Ew. Hochwohlgeb. nochmehr wünschen, wenn ich durch Ihre Gnade schonzur Verwaltung des Dorfs beauftragt wäre, vonwelchem Sie am neuen Jahrtage eine bessereWeide für Ihre Ohren zu erwarten berechtigtsind. Bis ich aber dastehe, verharre ich einstwei-len :c.

IV.

Ueber Weiber und Stutzer.

Ärics eines ftlcrlicrseindcs.

Liebster Freund!

Es gibt zweierlei Freunde. Das Herz der einengleicht den wilden verwachsenen Höhlen, in dieman vor zufälligem Regen flüchtet, und das Herzder andern einem lachenden Sommerhaus, welchesschöne Tage zum Tempel der.Freude eiuweihen.Sie verhalten sich zu einander, wie Regen- undSonnenschirm, wie Winter- und Sommerkleid.Zu welcher Klasse ich Sie zähle, werden Sie balderfahren, wenn Sie aus dem Folgenden erfahrenwelchen ich jetzt brauche. — Ich habe mich in denStand der heiligen Ehe begeben, das heißt lako-nisch also: ich habe den Sodomapfel, statt blosmeine Hoffnung an jseiner schönen Oberfläche zu