Grönländische Prozesse.
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weiden, aus Hunger angebissen und zur Beloh-nung Staub in demselben, das Werk eines frühenWespenstiches, angetroffen; das beißt, ich habe diehungrige Voreiligkeit meines Magens die ange-nehme Täuschung meines Auges vernichten lassen,und wie ein Kind mit dem glänzenden Kleistereiner Puppe, die mir blos zum Spiele gegebenwar, meinen neugierigen Gaumen beleidigt, dasheißt, ich habe mir die Flügel des Amor mit demBande des Hymen zusammenbinden lassen, undbin nun schläfrig nach der Mahlzeit; Las heißt,ich bin aus einem Dichter ein Mensch geworden,oder figürlich, eine umgekehrte Verwandlung ver-urtheilt den Schmetterling, den flüchtigen Gast derBlumen, zum Schicksal der trägen Raupe, dielebenlang an einem Kraute nagt, das heißt end-lich , das hitzige Fieber ist von dem Wasser aus-gelöscht, nach welchem es so lechzte! Und wenn esnur dies hieße; aber bei mir heißt es mehr!Mein neuer Stand lehrte mich Dinge kennen, de-ren Ungereimtheit selber im Traume sich verrie-the ; und die angenehme Bezauberung meiner Un-wissenheit löste ein Unterricht auf, dessen Mitthei-lung meinen Brief füllen soll. —
Sie kennen meinen alten Vetter, der die jetzigeWelt, ungeachtet sie nun meistens für ihn abge-storben, doch durch seine Brille in keinem falschenLichte sieht, und die menschlichen Thorheiten zusehr verachtet, um die alten den neuen vorzuzie-hen. - Nichts ist einfältiger,-- sagt er immer, - als-- mit der alten Welt eitel sein, um es nicht mit-- der neuen zu sein, so wie nichts unerträglicher,
- als mit der Demuth prahlen. Die Leute, die-- durch unmodische Narrheiten über modische sie--- gen, gleichen denen, die durch alte Schäden
- gegen den Anfall epidemischer Krank--- heiten sicher gestellt sind. -- Diesen alten Vet-ter fragt' ich, wie vornehm und wie alt meinzweites Selbst sein müsse. -- Wie alt? nicht sehr-. alt! Denn nur ein unreifes Weib ist zur Ehe,-- wie unreife Gurken zum Einmachen, reif. Durch
- Pfeffer oder Salz bereitet man sich dann sein-- Fäßchen Salat für den Leben - Winter. — -- DieParzen spinnen neben unserm Lebenfaden auchdas Band der Freundschaft, das unsj so allmähligsogar mit den Gegenständen unsers Hasses verbin-det, und wir würden mit dem Teufel selbst Brü-derschaft trinken, wenn er sich auf dieser Erde öf-ters und nicht blos im Finstern sehen ließe. WasWunder, wenn daher ein Mädchen sich in jdenProteus der Mode verliebt, es mag nun dieserMenschenaffe verschieden als Löwenaffe, als Hund-affe, als Waldteufel, als Winselaffe, als Meerkatzeerscheinen. Was Wunder, wenn es mit seinemPutze, anfangs der Nahrung einer kleinen Eitel-keit und darauf einer unschuldigen Liebe, seinemStolze und seiner Gefallsucht fröhnet; ffwenn esdurch den täglichen Genuß der Schmeichelei zumEkel gegen kältere Achtung verwöhnet, die.wohl-feile Befriedigung einer stolzen Schwachheit! indem angenehmern Siege derer findet, deren Kom-pagnie Amor täglich mit neuen Rekruten ver-mehrt? Aus tugendhaften Widerstand rechne ichwenig, weil ihn die Zeit besiegt. Die Geburtensiutzerischer Zungen machen endlich das beste Herz,wie der Kvth gewisser Vögel kahle Felsen, für
Unkraut urbar, und irgend ein Fleck im Stunden-glas der Zeit nimmt koch endlich die Farbe desaufrollenden Sandes an. Wählen Sie daher, wieich schon gerathen; denn obgleich freilich jungeHerzen, vermöge ihrer Weichheit, gleich dem wei-chen Bernstein, am leichtesten modische Insektenaufnehmen, so hindert doch noch keine Verhärtungden winzigen Gast los zu werden. — Da übrigensdas erste Jahr der Ehe, wie mich dünkt, das letzteJahr der Erziehung eines WeibeS ist; da fernerdie Schöne, Leren Mund wegen ihrer Jugend denZügel des vierten Gebots noch kennt, einen ange-nehmern , sseidnen Zügel weniger unleidlich findenwird, so erhellt die Richtigkeit meines Raths auchohne den Zusatz, daß vor einer recht jungen nochselber thör chten Frau der Mann sich weniger zuschämen braucht, wenn er die eheliche Schlafmütze,die Schellenkappe des Weisen, aufsetzt. Daß ichIhnen das entgegengesetzte Extrem nicht anpreisenwerde, werden Sie schon aus dem Mißklange ver-muthen , den weibliches Alter und männliche Ju-gend mit einander bilden. Das heiß' ich, wieKaufleute und Fuhrmänner, die alteSchlaf -m'ütz> mit einem neuen schönen Hute be-decken , oder wie buhlerische Matronen, den durchdie Kunst verjüngten Kopf auf einem welkenTorso herumtragen — --Wie vornehm!? fragenSie; gar nicht vornehm, antwort' ich, voraus-gesetzt, daß Sie außer den genannten Uebeln dasvermeiden wollen, der Sklave einer vormaligenMannrippe zu werden. Denn in den geringerenStänden sind mehr die Männer Männer, aber inden höher» sind es mehr die Weiber und in Rück-sicht der Raubvögel ist es ohnedies ausgemacht,daß die Weibchen größer als die Männchen sind.Auch bellet ein Schooßhund jeden an, den einJagdhund in Frieden läßt; nicht zu gedenken, daßder eine seinen Müßiggang mit Konfekt bezahlethaben will, und der andere die bloßen Knochenseiner fetten Beute nicht verschmähet.-- — Siewerden selbst einsehen, daß mein kluger Vetterweniger weltklug als altklug gerathen, unddaß zufolge seines ersten Raths, ein j weiblichesKind mein zweites Selbst geworden wäre. Seinzweiter veranlaßte die Thorheit, daß ich in Mäd-chen geringern Standes die Erziehung übersah,mit' welcher stolze Mütter sie zu der künftigenVerbindung mit einem reichen Opfer ihrer Eitel-keit ausrüsten, und zu einem Hunger nach Thor-heiten reizen, den der Auswand des Reichen kaumsättigt. Denn kurz, auf eine solche Tochter wirktemein Geld und mein Rock so sehr, daß siemir ewige Liebe schwur, nachdem ich sie einigeMale auf den Knieen mit den Händen voll Ga-lanteriewaaren darum gebeten hatte, und daß siemich sogar in einigen lyrischen Gedichten besang,die sie in einer schönen Crgießung des Herzens,aus sehr wenigen Blumenlesen zusammen stop-pelte. Aber näher zur Schilderung meines zwei-ten Selbsts, welches, ich unter dem Namen seinesGeschlechts schildern werde.
Das Kind meines Pinsels mag mit dem Kopfezuerst auf die Welt kommen. Man fängt vomunbedeutendsten gerne an, und wenn dem vomApelles gemalten Kopfe der Venus »och kein Ma-ler einen eben so schönen Rumpf geben konnte, so