Band 
I.
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Grönländische Prozesse.

»er rothen Haare der Teufel der Nazion,und der gehörnte Apis wegen seiner wei-ßen und schwarzen Flecken der Gott der-selöon. Ader noch mehr! ic.

VI.

Ueber die Verbote der Bücher.

Ein öricf.

Mein Herr!

Hier habe» Sie Ihr Manuskript wieder, vondessen Güte mich Ihr Ruhm schon zum Vorausüberzeugte. Sie haben in demselben säst zu vielGründe angeworben, und könnten also einigeabdanken. Kurz Ihr Buch stellt die Schädlich-keit der Bücherkonsiskazion in ein solches Licht,daß ich dasselbe nach seiner Herausgabe so schleu-nig als möglich konfiszieren will. Ich bin diesekleine Gefälligkeit unserer Freundschaft schuldig.Damit eS nämlich gelesen werde, will ich verbie-ten , es zu lesen und diesen Gift durch Bekannt-machung seines Daseins in den Mund vielerKäufer spielen; dieses soll den Nutzen eines Pri-vilegiums vertreten. Denn eine Schrift gewinnetdurch die Verbannung in den Buchladen des Ver-legers in kurzer Zeit weit mehr Ruhm als in ei-ner länger» durch den Zulaß eines freien Umlaufs.So soll ein junges Fohlen durch Einsperrung inden Stall in einem Jahre mehr Luder auf denLeib bekommen, als in zweien durch die Weideauf der Wiese. Aber zu diesem Verfahren ver-bindet mich auch das Wohl der Kirche. Das Wa-chen über die reine Lehre, die vor etlichen Jahr-hunderten auf einmal rein wurde, ist die Pflichteines jeden, der mehr für den Himmel als fürseine Vernunft besorgt ist, und das größte Ver-dienst dessen, der dafür besoldet wird. Die Reini-gung der Glaubenlehren von neuem anfangen, istnun unerlaubt, weil sie blos vom Jahre ^485 anbis tl>46 erlaubt war; und völlig unnütz, da mandamals durch Hülfe weniger Männer, durchMangel einer kühnen Exegese und einer scharfenPhilosophie viel gläubiger sehen, mehr ausputzenund festsetzen konnte, als jetzt bei einer wirrenVereinigung vieler Gelehrten, beim Lichte einerblendenden Exegese und bei der Verleitung einerfreiern Philosophie. Darum verehr' ich gleich denAegyptern, welche die alten Katzen anbeteten! und diejungen erschuften, jeden alten Reforma-tor, und schade, daß ich die jungen nicht ver-brennen, wenigstens ersaufen kann. Gold darfnicht zu wenig, ein Buch nicht zu viel wägen.Auf der Rathwage nämlich, wie natürlich. Wiesonst bei den Hexen, so wird jetzt bei den Bücherndas zweifelhafte Dasein des Teufels erforscht. DasSinken im Wasser rettete jenen das Leben, unddas Schwimmen auf demselben, verurtheilte siezum Scheiterhaufen. — Aber umgekehrt wird ein

Buch durch seine Leichtigkeit einer öffentlichenBibliothek und durch seine Schwere des höllischenFeuers werth. So weissagen die Angckoks derGrönländer aus der Schwere des Kopfes einesKranken seinen Tod, und aus der Leichtigkeit des-selben jeine Wiederherstellung. Die Aufseher desParnasses erlauben den Armen, gleich den Auf-,jeher» der Wälder, nur die Fällung kleiner, ver-wachsener, untauglicher Bäumchen; aber großeund schöne zu fällen, wirb billig durch gesetzlicheDrohungen verboten, und durch die Erfüllungderselben bestraft. Zwar gleicht ein böses Buchdem Stinkhvlz; es äußert seinen ketzerischen Ge-ruch am meisten, wenn man es verbrennt; alleinüber diesen kleinen Nachtheil sieht ein heiliger Ei-fer hinweg. — Mein Enkel der Kandidat Z.brachte mir neulich eine Piece, in welcher er einsneue Lesart eines ckietuin piovans, und vornenin der Zuschrift an den Herrn Superintendenteine versteckte Bitte um ein Amt und eine Frau(nämlich um dessen Tochter) wagte. Zu seinemGlücke überredete ich ihn, daß die Erhaltung desAmteS auf der alten Lesart beruhe, und das Ja derbezielten Tochter nur von dem z-» in Röm. lsi.abhänge. Kurz er schrieb eine Widerlegung seinereignen Behauptung, und machte durch Rechtglau- lbigkeit sein Glück. Nun ist blos seine Frau seineMuse, und er füllet blos die Wiege, aber nichtdas Schreibepult. Bei Ihnen istS umgekehrt..Ihre Ketzerei macht Ihr Glück, und sie wird esam meisten machen, wenn Sie diesen Brief IhremVerleger, des Honorariums wegen, zeige.» Ichbin, ungeachtet Ihres zukünftigen Unglücks in derandern Welt, und Ihres Glücks in der jetzigen,Ihr Freund rc.

Beschluß.

Nicht Adieu, sondern Gott grüß Dich,lieber Leser! Ich hätte nämlich Vorrede stattBeschluß schreiben sollen, hätt' e§ nicht zu affeklirtgelassen. Warum aber die Leibwache nicht vordie Thüre? darum. Die meisten Vorrercn sindKüchenzettel, die der Wirth einem hungrigenReisenden von den guten Speisen macht, die ergehabt hat, haben wird und nicht hat; die meistensind lobende und lügende Leichenpredigten aufdas in Vergessenheit begrabene Geistesknäblein,d. h. die heuchlerische Demuth des Schriftstellerswird die Prophetin seines Schicksals, wie Me-liere an dem eingebildeten Krankenstarb, den er trotz seiner eignen Krankheit spiel-te; wenige sind Henkel des Buchs. Dies allessollte die meinige nicht sein; sondern blos einefreundschaftliche Unterredung mit dem Leser mei-ner Satiren. Wir haben uns wie ein paar Ebe-leute den ganzen Tag mit einander gezankt; aberschlafen diese darum nicht in Einem Bette? Eiltdoch auch der Rcspondens mit dem OpponcnS»ich der lateinischen Hetze zum gemeinschaftlichenSchmause, und man gibt dem Barbier, der Adergelassen, gerne eine Schale Kaffe, wenn man in