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Grönländische Prozesse.
sondern blos ein Markstein soll er sein, der, gleicheinem Absätze, unähnliche Materien von einandersondert, wie eS im gegenwärtigen Beispiel dasGespräch über Gedankenlosigkeit und das überGedankenstriche ist. — Die erste Satire, zu welcherdiese Vorrede dich begleiten wird, ist die schlechtestein diesem Buche. Dieses sag'ich deswegen, damit dunicht Messer und Gabel bei dem Gerichte weglegst,das dem bessern Nachtische nur den Weg bahnensoll. Der Rath, den man in den alten Rednsrschu-len den Rednern gab, die Rede mit einer schwachenStimme anzufangen lind mit einer verstärktenfortzusetzen, verdient Befolgung. Bei mir undbei dem Seidenwurm, dessen Kopf anfänglich nurFlvretseide z» spinnen vermag, scheint die Naturjenen Rath in einen Befehl verwandelt zu haben.Ist der »Erweis von der jetzigen Seltenheit derThorheiten" keinen Dreier werth: so thue ichwohl, wenn ich eine Satire über die Kunstrichterediere, und darauf mich an meiner satirischen Peit-sche aufknüpfe, oder im Fluß Lethe ersäufe, um ineiner bessern Welt, mit Abraham, Jsaak und Ja-kob am großen Festtisch zu essen—Fast blos schrifstel-lerische Schellen werden im gegenwärtigen Bänd-chsn auf die Kapelle gebracht; und ich ärgere mich,daß es nicht auch im vorigen geschehen. Unser ei-ner, der von allen Gemächern Bedlams keine besserkennt als die Studierstuben, weil er darin gebo-ren und erzogen worden, sollte erst an vergoldetenBücherrücken, die ihm jeder Bibliothekar gern zei-gen wird, seine Geißel üben, eh' er sie über diemit holländischem Tuche beikleideten Menschenrü-cken zu legen wagte. Denn belacht er Narren, dieer nicht kennt, so ähnlicht er den Hexen, welche denGegenstand ihres Zorns verwunden wolle», indemsie nur sein Bild aus Wachs verwunden. Ich re-zcnsiere mich hier, aber ich lobe mich nicht, undwas jetzt so arg stinkt, ist n.'ht Eigenlob, sondernSigentadel. Ferner: die satirische Geißel scheint(in Deutschland nämlich aus Mangel einer deut-schen Hauptstadt; denn in der französischen besiegteein Meliere sogar gesellschaftliche Moden) mit derMönchgeißel das gemein zu haben, Laß sie nichtsbessert, nicht einmal den Mönch. Hieraus würde je-doch gegen die Nothwendigkeit der Satire wenig zufolgen, sein. Denn nach der Meinung der Theologen,dieschon längstim Himmelsind, dauern dieHöllen-sirafen, ungeachtet sie die Verdammten nicht bessern,dennoch ewig fort; allein eine Satire, welche be-kehrt, ist mir allzeit lieber. Dieses Lob gebührtnur den Satiren über die Fehler der Autoren;vielleicht darum, weil keine bitterer sind, und weilsie vor andern Satiren das Glück haben, eben von
denen, für die sie geschrieben worden, gelesen zuwerden. Keine Dame wird eine Nessel brechen,um daran zu riechen; aber wohl der Botaniker, umsie zu Melieren. — Der englische Iuvenal, Pope,reitet einen satirischen Pegasus, welcher sowohlbeißt als fliegt, und er ähnlicht dem Kasuar, dessenFlügel mit Stacheln bewaffnet sind. Eine starkeEinbildkraft spornet immer so sein Lachen an, daßer ihm nie den Zügel zu halten vermag; daher inseiner vortrefflichen Dunziade ihm die Ironie im-mer gelingen können. Der englische Lucian, Swift,dessen satirische Dornen unter Weihrauch duften-den Rosen lauern, übertraf Pope in der Ironiezu sehr, um ihn in der Stärke des Ausdrucks zuerreichen, und wenn die Ironie seines Busen-freundes in vordren »ende Schüsse ausartet,so scheint er hingegen die Sicherheit des H. Re-gister zu führen. Neberzeugt, daß der Zufall sieihm nicht losschießen könne, geht der Dechant mitderselben den Winkelzügen des Schwarzwild)'! etsso lange nach, bis sie die Hoffnung zu treffen los-drückt. Nur muß er freilich zu einem einzige» sa-tirischen Hieb oft in ganzen Seiten ausholen.Die Satiren dieser beiden Genies würde nur dieübertreffen, welche ihre ausschließenden Vorzügein einem gewissen Grade zu vereinigen über-nähme. Die Vereinigung ist nicht unmöglich;allein zu ihrer Wirklichkeit müßten vorher vieleerbärmliche Versuche den Weg gebahnt haben.Für einen solchen erbärmlichen Versuch bitt' ichnun den Aufsatz über die Seltenheit der Thorhei-ten anzusehen; übrigens hat einer, welcher Popenund Swiften elend nachahmet, nicht nöthig, umVerzeihung zu bitten, daß er beide noch elendervereinigt. — Die Künstler verkaufen den wohlrie-chenden Staub, den das Holz unter der Bearbei-tung abgeworfen, zum Räuchern. Gerade somögen die Epigrammen, welche diesen Band be-schließen, als Abfälle von den vorhergehendenSatiren, als Staub, der aber freilich nach Weih-rauch nicht riecht, oder wenn ihr wollt als Feil-staub, den die kritische Feile den satirischen Waf-fen zum Besten ihrer Schärfe abgenommen, mitunterlaufen. Ich weiß nicht, ob ihre Klingen spi-tzig sindj; klingend sind sie wenigstens nicht, d. h. siesind prosaisch. Warum es freilich jetzo noch dieMode ist, das Sinngedicht mit Füßen und mitReimen zu belästigen, mag Apollo wissen. DieKürze, zu welcher man ihm dadurch zu verhelfenglaubt, wird nicht selten eben dem Reime unddem Versmaße aufgeopfert: denn nur an Werni-ke'S Versen sind, wie am Meerigel, die Füße zgleich Stacheln; und wenn ihr denn auch endlich