Grönländische Prozesse.
Nezensieren anknüpfest, in Deinem Urthcl das Ur-thel der Sechziger-Sitzung bestätigen, und meineUnregelmäßigkeit schon von dem Vertheidigen derUnregelmäßigkeit an richtig schätzen; denn in derThat hab' ich meine Ueberzeugung und meinenSieg auf demselben Boden gebauet.
Ich will es übrigens gar nicht bergen, daß ichzu meiner Erfindung, Gleichnisse zu Gründen zusteigern, fast stufenweise durch andere gekommen.Die Lehrgedichte, wo eigentlich die Phantasie dieVernunft spielen sollte, fand ich so fehlgeschlagen,daß nur die Vernunft die Phantasie spielte; eswaren versifizierte Lehrbücher in denen man Be-weisen, statt des quoU enat cksinonsti-nnclum,Reime als Klapperschwänze anleimt. Aber beiden Philosophen ging es schon besser; als zu matteEhegatten der Minerva warteten sie den Musenauf, oder mit andern Worten, sie ließen die Ge-danken so oft sie durften stehen, und suchten undgaben schone Blumen dafür. Schwer ist's, dieGedanken ganz wegzulassen. Blos neulich bracht'es ein Philosoph so weit, daß er eine Widerlegungdes Leibnitz aus lauter Bildern ohne Gegenbilderoder ohne Gedanken zusammenheftete. Nennt dieBilder Mitlaute«- und die Gegenbilder Vokale, sokönnt ihr dieses Buch mit der u n punktierte nhebräischen Bibel vergleiche««, die mir R. Jsascharneulich für komplet verkaufte. So eine Bibel istaber schwer zu lesen; so wie jenes Buch nur demNichtdenker, aber nicht dein Denker verständlichist. Für ein wenig minder vortrefflich und un-verständlich erkläre ich diejenigen philosophischenAbhandlungen, worin das eingehüllte Gegenbildvon Gedanken, wie aus einem schlecht zugeschlosse-nen Kleiderkasten ein Kleid-Ende noch heraus sieht.Aber wie der Maler die Natur dem Bilde dersel-be» auf der Leinwand nachsetzt, oder wie Judennach Pope das edelsteinerne Kruzifix an BelindensHals ohne alle Liebe für den abgebildeten Ge-genstand selber anbeten würden : so sollte manüber glänzende und mehrfache Einkleidung der Ge-danken diese selber vergessen. Man sollte gewissePhilosophen von der reckten Seite, nämlich vonder Sprech- und Denkseite, zu schätzen wissen, undwie von mehren Thieren nur die köstliche Zungefür die Tafel begehren, nicht das Ge-ll i r n.
In jedem Falle zieh' ich hinkende Gleichnisse hin-kenden Schlüssen vor, und, um darzuthun, wiesehr Gleichnisse ihre» Werth durch Gleichnisse sel-ber ohne Weiteres beweisen, spreche man nur wiefolgt: --Man könne zwar sage», Gleichnisse glei---chen den Lichtern der Säle, die weniger leuchten--als verzieren; allein dieses Gleichniß beweist--nichts, und es ist gewiß, daß die rhetorischen--Blumen, gleich den natürlichen in Blumen---scherben, dem Fenster sowohl kein Licht rauben--als eine wohlriechende Atmosphäre zuhauchen,--und daß das Salz, womit man Bücher und--Speisen würzet, sowohl die Verdauung als den--Wohlgeschmack verbessert. An Abhandlungen voll--Zierrathen bewundert man, wie an Wachslich---tern, nicht blos die schönere Farbe, sondern auch--das hellere Licht; an figürlichen und unfigürli---chen Talglichten vermisset man nicht nur das-- erste, sondern auch das andere.-- — Zum Nc-
benbewcis führ' ich »och meinen Beichtvateran, der, nachdem er mich vorher verdammthatte, meinen Unglauben an die Genugthuung,den er seine» philosophischen Beweisgründen fürdieselbe aufzubürden hatte, durch Gleichnisseund Bilder wegnahm, die er meistens dem bür-gerlichen und dem peinlichen Rechte abgeborgt;und mich sollte es wundern, wenn ich nicht da-mit alle gute Juristen zu guten Christen machenkönnte. Ich kann diesen Aufsatz nicht ohne dieAnkündigung einer neuen Logik schließen, in derich die Wörter Axiom, Pvstulatum u. auf eineneue Art definieren und mit dem gleichgeltendenGleichniß, Metapher rc. vertauschen werde. ZurProbe eine Definition des Sorites!
tz. 173.
--Ein Sorites ist eine Reihe von solchen Aehn-lichkeiten, mit deren Anzahl man füglich ihre Ent-fernung wachsen läßt. Eine solche Allegorie — sohätten die Alten den Sorites nennen sollen —gleicht einem sogenannte» trojanischen und nurauf die römischen Tafeln ganz aufgetragenen, wil-den Schwein, in welches man kleinere Thiereverbarg, in die man noch kleinere verbarg, bisendlich eins Nachtigall den Schluß des wohl-schmeckenden Sorites machte.--
II.
Beweis, daß man den Körper nichtblos für den Vater der Kinder, son»dern auch der Bücher anzusehen habe,und daß vorzüglich die größten Gei--ftesgaben die rechte Hand zurvi i. v ViMLLis gewählct.
Ei» Ücitrag zur phvjiolagir.
Obwohl der paradoxe Titel dieser Abhandlungsich dem Leser durch ein Versprechen empfiehlt,dessen Größe mjch fast der Erfüllung desselbenüberheben könnte, da ja die Zierrathen des auSge-hangnen Schildes oder Kranzes so gut ein Genußsind als irgend ein Bier: so will ich doch Worthalten, ja lieber etwas darüber thun, indem ichdem physiologischen Beitrage sogar eine kleine Ab-handlung über die Büchertitel, die gar nicht imgroßen Titel versprochen worden, beigebe und vor-aussende.
Die jetzigen schriftstellerischen Produkte sind, wiebekannt, die Geschöpfe und darum auch die Schö-pfer guter Regeln, inid jeder neue Roman ist einandrer --Versuch über den Roman, von Blanken-§ bürg. Leipzig und Liegnitz, bei David Siegert«Witwe, t77-i..- Was Wunder, wenn man daher