aus des Teufels Papieren.
mein Johann, weil ich ihn ohne Livree fortgejaget,da der Kerl Loch völlig alt und unbrauchbar war,überall aus, er hätte selbst gesehen, daß sie beistarken Gewittern so gut als eine lebendige zitterte(indessen brauchte doch eine gewisse lebendige esnicht zu thun, da es andere für sie thun, die siekennen —); allein gesetzt auch, so wußt' ich dochnicht, warum man dieses Zittern lieber für eineFolge ihrer erschütterten Jmaginazion als desDvnnerschalles halten wollte, der wohl größereGebäude in Bewegung setzt.
Ich hab' es schon oben erinnert, daß meineGattin schamhaft oder geschminkt genug ist. Ichweiß recht gut, daß ich oft mit Gelehrten spazie-ren ging, die gegen mich behaupteten, Schminkeund Schamröthe wären gänzlich zweierlei. Aberich denke noch bis auf diese Minute, der ganzeUnterschied läuft dahin hinaus, daß die Rothedort auf, hier i n den Wangen sitzt, dort von derHand, hier von den Adern herkömmt, daßdie natürliche Schämhaftigkeit kaum drei Minuten,die aus Zinnober aber einen ganzen Tag, wenner nicht heiß ist, blühen kann. Das Wichtigste ist,daß die Schminke ein erlaubter und richtigerNachdruck der Schamröthe ist, der sie unge-me-n häufig und wohlfeil auf alle und sonst un-keusche Gesichter verbreitet; daher bei uns dieSchamhaftigkeit, wie (nach Herodot) bei denAegyptern der Vogel Phönix, nicht nur in rechtgroßem Werthe sieht, sondern auch überall wirk-lich g e m a l e t zu haben ist. Allein nur ist nichtsan diesen lebendigen Damen zerstörlicher, alsdiese Schamhaftigkeit oder Schminke. Löschet sienicht oft ein einziger Kuß weg ? Reibet sie nichtein heftiger Tanz auf? Thränen führen Liese kost-bare Blume fort, der hernach eins ungemaltenachschwimmt, und eine mäßige Erhitzung (derenzum Unglück die so sehr geschminkten und ver-schämten Aktricen sich nicht überheben können)kann die Wangen entkleiden und ihnen diesengeistlichen Ornat ausziehen. Wie viel fe-ster sitzt an unbelebten Damen die Schamröthe!Ferner bleibt meine schamhaft oder geschminkt beiTag und bei Nacht und an allen Orten. Aber beider gegenwärtigen Unvollkommenheit der Schminkeist das den lebendigen fast unmöglich ; nach Mit-ternacht sind ihre Wangen nackt, und wie kanneiner sich vorstellen, ihre Schamröthe stiege mitihnen inS Bett, da sie sie schon vor dem Schla-fengehen abwischen und auf der Toilette las-sen?
Ich will hoffen, meine Bemerkung ist nichtfalsch, daß Schamhaftigkeit der Zunge nieweit von der Sprachlvsigkeit abliegt; undwenn ich keuschen Sprachwerkzeugen oft lange beiden vornehmen Damen, die reden konnten, ver-geblich nachgespürt: so fand ich sie endlich unver-hofft bei solchen, die siumm waren; von diesenletztem hörte man kein schmutziges Bonmot wederi» der französischen noch deutschen Sprache. Daalle unbelebte Damen taub und alle taube Men-schen stumm sind: so kann meiner Frau jeneStummheit gar nicht fehlen, von der ich ihreSchamhaftigkeit der Zunge hauptsächlich erwarte;sie ist hierin von jener Maschine des H. von Kem-pelcn zu ihrem Vortheil verschieden, die mehr
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Sprachen reden kann als die Apostel vor ihrer Be-gießung.
Und dabei gibt eine glückliche Stummheit auchandern Fehlern nicht Raum, nicht der weiblichenMedisance, nicht der witzelnden Geschwätzigkeit,nicht den abgedroschenen und auswendiggelerntenhundertjährigen Schmeicheleien, nicht den Klei-nigkeiten Erörterungen. Allein werden wohlviele mit dieser ersten Anlage zu so vielen Tugen-den geboren? Leider ist die Stummheit so seltenals die Beredsamkeit. Und doch trifft man unterder Menge derer, denen allen die Natur diesen Vor-zug der Fische benahm, solche, die Lurch die Kunstdie Natur berichtigen, wiederum so wenig an,daß fast erworbene Stummheit noch seltener alsdie angeborne ist. Ich leugne es freilichnicht, daß ich ein gewisses Projekt oder das Ma-nuskript davon schon in der Druckerei gelesen underwogen; allein, was bringt wohl dieses vor?folgendes: »So wie man, sagt es, in unsern Ta-gen Institute für Stumme anlegte, sie reden zulehren: so müsse man für angenehme Damenentgegengesetzte errichten, sie schweigen zu lehren;und man hätte in unsern Tagen das offenbarvergessen. Denn wer etwan die Karthäuser-klöster für Mädchenschulen deS Stillschweigensausschriee, der wüßte kein Wort davon, daß esin Deutschland zwar hundert acht und sechzig Kar-thausen voll Mönche, aber nicht mehr als fünf gäbein die sich einige Nonnen zusammengethan, dienoch überdies im Schlafe so viel reden dürftenals ihnen beifiele. So wie aber "Entstummung-kunst" den Weg zur Wortsprache durch dasGebiet der Mienensp räche nähme: so müßteauch die pythagoräische Kunst den Rückweg davonwieder dadurch nehmen. Z. B. Um die Damenvom Verleumden mit Worten mit wahremGlücke zu entwöhnen: so müßte man soviel Sorgetragen als man könnte, ihnen die Mienen nachund nach geläufig zu machen, worin ein ordent-lich gebildetes Wesen diese feindselige Gesinnungeben so gut, wenn nicht besser, auszulasten ver-möchte; eine alte Dame müßte daher auf ihremGesichte die Verleumdung glücklich vorexerzierenund der Uebung, der Anlage und der Erfahrungmüßte hernach das Weitere gänzlich überlassenwerden. Alsdann schritte man zu den witzigenEinfällen, die ohne wahren Verlust ihres komi-sche» Salzes in gewisse Bewegungen des Kopfes,der sie ersinnt, der Hände und des Fächers könn-ten übersetzet werden. Und wahrhaftig so fort."Ich will kein Wort des Tadels über dieses Pro-jekt aussprechen, zumal da es, so wie meineFrau, ganz von mir selbst gemacht worden.
Die platonische Liebe ist sicher gar ein seltenerVogel und immer besetzt eine schlechtere oder öko-nomische Gewohnheitfreundschast oder Höflichkeitihre schöne Stelle. Es war deswegen von jehermeine Sache, in müßigen Stunden darauf zudenken, Äie ich die Damen von Holz zusammen-setzen müßte, wenn ich mit ihnen der platonischenLiebe wahre Dienste leisten wollte. Ich sagte zumir ohne Mühe: "die platonische Liebe fordertgleich dem paktmachenden Satan, in dem sie nie-mals ist, nicht sowohl den Körper irgend einemMenschen ab, als seine so schöne Seele. Es ist