Band 
I.
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Auswahl

aber ein betrübtes Schicksal für Damm und fürjeden, daß es, wenn man sie ungemein platonischliebt, nicht lange währet, und die größtenDenker saßen deswegen bis nach Mitternacht auf,um die Ursache davon aufzujagen; allein ich hörtenoch nicht, sie hätten etwas herausgebracht.Nennt man freilich die Seelenliebe mit Platodie Flügel der Seele, und die Körperliebe,dieses bekannte Anhängsel derselben, mit mir denSchwanz der Seelenflügel, so wie gewissenSchmetterlingflügeln ein langer Schwanz ansitzt:so würde ich mich allerdings mit »„nöthigen Be-sorgnissen martern, wenn ich dächte, auch lebloserDamen Seelenflügel würden am Ende so fatalgeschwänzt." — Nichts bringt wohl größere Vor-stellungen von der innern Schönheit, in die sichder petrarchische Liebhaber sehr verlieben muß,bei, als die äußere, und mir wächset in Einemfort die Liebe für jene: ja man trifft den Haupt-punkt, wenn man den schönen Körper für dieprächtigen Flügeldecken ansieht, worunterdie schwachen Seelenflügel verborgen liegen.Nun that ich bisher gar nichts anders als weit-läufig beweisen, daß, wenn man von den körper-lichen Reizen reden wollte, den unbelebten Da-men niemand sichtbarer nachstände, als die be-lebten: kann man daher wohl ohne Unvernunftbesorgen, daß, weil bisher die platonische Liebegegen eine belebte Dame nicht/länger haltenwollte, als eine Frisur, die gegen die geistigenReize einer unbelebten auch nicht ewig dauernwerde, deren körperliche doch erwiesenermaßen soviel größer sind?

Sonst soll, wie ich gewiß will, in den bisheri-gen Absichten des Reichthums, die stets jede guteEhe stiften, durch meine unbelebten Damen we-nig geändert werden. Will ein Reicher einemandern Reichen SOOtw Thaler schenken: so lässeter sie noch immer wie sonst durch eine Tochterhintragen, nur daß sie jetzt von Holz ist. Z. B.Will der Baron von Zet dem Freiherr» vonTezet, da ihre Rittergüter offenbar so nahe aneinander liegen, die Baronesse wirklich geben:so ists vernünftig wenn er das auf sich anwendet,was der Maler Le Lvrraine von seinen Land-schaftgemälden sagte: je »u venUs quo mo»vt ckonne I«8 Kguiss xui -llvssus lemurcliü: ein Bonmot, das ich in folgenden all-gemeinen Satz verwandeln will: "blos die Rit-ter sitze werden in den Kauf- und Ehekon-trakten verkauft, die menschlichen ehelustigen Figu-ren, die darin stehen, werden wirklich nur dreingegeben." Zumal da der Maler Le Lorraine dieFiguren seiner Landschaften gewöhnlich an-dern hineinzuinalen überließ. Potentaten lau-fen gewöhnlich nach einer Gemahlin herum, hin-ter der ein langer Brautschatz von Land undLeuten nachzieht. Ich will daher hoffen, daß siehölzerne Prinzessinnen als einen Hvlzzweig betrach-ten, den man nicht wegen seiner Früchte, son-dern wegen des großen Bienenschwarms,der sich daran gelagert, abnimmt und fortträgt.Freilich könnte man aus der Universalhistorie et-was borgen und einwenden, die Fürsten wärenin weibliche Portraits so verliebt, daß siekaum eine lebendige Dame, geschweige eine weil-- l

liche Statue ehelichten. Es ist wahr, das Portraitder Prinzessin wird vor ihr eingepackt vorausge-schickt, nur dies kennt und liebt der Prinz, zu-mal da es wie jedes Original auch viel sthönerist, als die nachkommende lebendige Kopie, undmit diesem Gemälde vollzieht der Regent seinBeilager, so wie kurz darauf mit der lebendigenKopie die Vermählung durch Gesandteohne die lächerliche Zeremonie des dazwischenlie-genden Schwertes ordentlich vor sich geht. Al-lein warum lieben Gekrönte, die Gemälde so in-nig ? Könnten sie nicht bedenken, daß das Kvlos-salische sich in der Bildhauerkunst weit besserals in der Malerei ansnehme und daß ich esnicht wagen würde, — falls es aus meinem eig-nen Kopfe käme — sie zu meinen Absichten durchfolgende irgendwo liegende Weissagung zu ver-suchen: - Und dann wird erst oder bald darauf dergroße Fürst aus Norden mit einer unbelebtenPuppe die bekannte Jungfsr Europa erheira-then, wie die Zeit ausdrücklich saget.» Man kanndie unbelebte Puppe füglich auf meine unbelebtenDamen ziehen und deuten.

Ich bin sonst nicht tugendhafter als es an ei-nem Hofe nöthig ist, und ich kann sagen, daß ichgar keine Moral habe. Z. B. will ich aus vielenBeispielen nur anführen, daß ich, als ich am * *Hofe noch beliebter Prinzenhofmeister war, ganzund gar kein Bedenken trug, meinem Prinzen zuentdecken, daß die nicht geräumige Spitze desThrones eine große Familie nicht wohl fasse, unddaß der Apanagengelder dann mehr würden als esden besten Kameralisten lieb wäre; ich fragteihn, ob er denn nicht, da kein Mensch mehr dasGelübde der Enthaltsamkeit zu halten begebrte,vorher vom Gipfel des Thrones auf dessen breitereund niedrigere Stufen herunterspringen wollte,und daselbst nicht sowohl seine Ebenbilder,als seine Unterthanen mit wahrer Lust zuvermehren und zurückzulassen; und ob er nichtdie edle Lerche sich hierin ganz zum Muster neh-men möchte, deren Flug und Gesang in derHöhe, deren Nest aber in einer schmutzigenFurche ist, oder auch blos das Johanniswürm-chen, das auf seinen Flügeln zum Kothe her-unterflattert, woran sein nngeflügeltes Weib-chen angeleimet sitzt. Durch solche Reden undein wenig mehr französische Philosophie als einNarr kann, muß sich jeder bei Hof in Gunst zuschwingen wissen, er mag nun ein Hofpage sein,oder ein bloßer Prinzenhvfmeister.

Oft wenn ich so den sonderbaren Verstand undKopf und den Ueberschwang an den besten Erfin-dungen betrachte, den ich, wie man glaub«, habe,so stehts nicht in meiner Gewalt, mich nicht alsein seltenes Wesen mit wahrer Ehrerbietung an-zusehen und dabei zu fragen: welche Rolle wür-dest du wohl unter stockdummen Wilden niit soaußerordentlichen Gaben spielen? Ich glaubenoch immer, in vielem Betrachte die ehrwürdigeRolle eines überirdischen Gesandten und Wun-derthäters.

Ich wünschte, meine Gattin würde nicht vonStunde zu Stunde baufälliger und abschätziger,und ihr Leben suchte nicht wie dieser Aufsatz mitweiten Schritten sein Ende. Es ist ein einfältiger