Band 
I.
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aus des Teuf

Satz, aber es ist wahr, daß man in Kurzem vonihr sagen wird, was jeder Indianer von einerstillstehenden Uhr behauptet: "sie ist gestor-ben," oder auch wir von vielen Fürsten, dievorher lebten. Es war also dumm von mir, daßich keinen langen Sarg, sondern einen gewöhn-lichen Hausschrank bestellte, den ich ihr zumWittwensitz eingeben wollte, weil ich dachte,ich ginge eher mit Tode ab. Ungemein glücklichist der bekannte Doge von Venedig, der Stief-vater der Venus*, dessen alte Frau, wie ichdenke, niemals stirbt. Ich hoffte zwar zeither im-mer, wenigstens noch das Jahr mit ihr zu Hau-sen, das uns zu einer fünfzigjährigen Ehe leiderfehlet, um doch darauf unser halb lächerliches Ehe-jubiläum mit einander in der hiesigen Pfarr-kirche oder draußen auf dem Filial ganz feierlich be-gehen zu können; und ich gestehe daß ich schoneine lustige und rührende Beschreibung des Ju-biläums bei dem hiesigen Zeitungkomptoir zumvoraus bestellet. Es ist auch ferner wahr, es isteinfältig, daß, da dieRota aus einem hundert-jährigen Jubiläum vier fünf und zwanzigjährigelängst herausgeschnitten, wir Eheleute doch nochimmer auf das lange von fünfzig Jahren passen.ES verschlüge auch weiter sogar das so außeror-dentlich viel nicht, daß ein paar Millionen Holz-würmer nicht nur das große Gehirn meinerGattin aufgefressen haben, sondern auch daskleine, denn ich wollte selber ohne ein Gehirnleben; dabei saßen diese Würmer auch längstschon vor ihrer Geburt oder meiner Verferti-gung in ihr, und können nichts beweisen als böch-stens den Satz des H. Göze, daß die Einge-weidewürmer den Thieren angeboren werden;daher ich ihm das ganze Faktum schrieb, das eraber in nichts benutzen wollte. — Sondern auffolgenden Vorfall lass' ich alle Hoffnung ihreslängern Besitzes gänzlich fahren. An einem war-men Abende hört' ich in ihrem rechten Armeetwas stark schlagen und lärmen. Ich stellte miranfangs mit Freuden vor, es sei blos ihr Pulsund fing nach ihm. Aber meine Freude warweg, als ich hörte, daß das, was in ihm sohämmerte eine wirkliche Todtenuhr war: einigenennen dieses Insekt, das das Holzwerk zernaget,auch eine Bücherlaus. Nun ist so -viel gewiß, daßdieses schlechte Geschöpf, gleich den besten Aerzten,den Tod meiner Gattin sowohl prophezeien alsverursachen und einen betrübten Ehemann hin-terlassen wird, der darüber ohne Vernunft, fürcht'ich, herumschleichen und mit Schmerzen darandenken wird, daß er und sie zwei lange Leiber und— welches nach Aristoteles die Freundschaft ist —doch nur Eine Seele in beiden besessen. DasBeste, was ich nachher »och thun kann, ist gott-lob, daß ich jeden in der Stille und mit Weh-muth durchprügle, der sagen will, der Pöbelhätte wenig Recht, die Todtenuhr für ein Zei-chen zu nehmen, --daß nun im Hause bald einssterbe.--

* Denn diese entstand aus dem Meer, das der Doge bei-rathet.

els Papieren. 195

V.

Wre ein Fürst seine Unterthanen nachder Parforcejagd bewirthen lassen.

Obgleich auf den meisten Thronen Menschen -und Unterthanenliebe und überhaupt jede edlereEmpfindung wirklich horsten* und daher dieAeußerungen derselben gar nichts wunderbaressind: so sollte doch jedesmal (und noch öfter),wenn ein Fürst eine große Handlung thäte —und meiner Einsicht nach ist wohl seine kleinsteeine—ein allgemeiner Auflanf deswegen entstehen,und jedermann sollte ihn mit besondern: Geschreiloben, besonders die Zeitungschreiber, für dieein Blatt aus der Universalhisivrie eine Weltist. Eine große Handlung würd' ich es z. B.nennen können, wenn mir einer einen Louisb'oroder, wär ich ein singender Kastrat, 200 schenkte.Man höre aber folgende edle Handlung aus derSonnabendzeitung in einer besondern GemüthVerfassung und verschone sie mit dem gewöhn-lichen Loose edler Handlungen, daß man sie be-wundert, aber nicht nachahmet.

--den 29sten August.

--Unser gnädigster Fürst und Herr geruhetenHeuer den ganzen Herbst mit dem * * * Gesand-ten zu Höchst Lervselben Plaisir brillante Par-forcejagden anzustellen, woran sowohl die Land-leute als das Wild einigen Antheil nehmen durf-ten. Das Vergnügen des Landvolks, sich nun«nach langem Ansuchen) durch die Güte seinesFürsten auf einmal aller beschwerlichen nächtli-chen Wachen zur Abtreibung des Wildes entlassenzu sehen, war so groß, daß verschiedene es gar nichtmerkten, daß ihnen die feurigen Jäger wegenihres elenden Treibens mit Leichtigkeit theilsArme theils Beine von einander schlugen; alssie nach Hanse kamen, sahen sie erst, daß sie nichtstehen konnten. Gleichwohl wollte unser Landes-vater nicht, daß diese Parforcejagd die einzigeEntschädigung für die abgegrasete und niederge-stampfte Ernte seiner Unterthanen sein sollte:sondern Höchstderoselben verfügten gnädigst, daßvon der Kammer Summen hergeschoffen und auflandesherrliche Kosten jedem Dorfe eine reichlicheMahlzeit gegeben werden sollte, jedoch dergestalt,daß man ihnen nicht gewöhnliche rohe Bauern-speisen, sondern — um fast das Vergnügen aufsHöchste zu treiben und den armen Landleuten zuzeigen, daß ein rechtschaffner Bauer von seinemLanbesherrn nicht schlechter als der tägliche Ge-sellschafter seiner Tafel behandelt werde — lau-ter Schaugerichte vorsetzte. Und hierinwurde auch, wie ich hätte voraussagen wollen, fastnichts gesparet, sondern Schaugerichte aller Art,sowohl aus erhabener Arbeit von Porzelan, Glasund Wachs, als aus Pastelgemälden, von gepül-

° Horst heißet der erhabene Ort, wo die Raubvogel woh-nen, und gehört mit unter die Zägertcrmen, die sich nachund nach so gut wie die theologischen verlieren werden