Band 
I.
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Auswahl

verkem Alabaster auf Spiegelxlatten aufgetragen,standen häufig auf den langen, roth angefärbtenTafeln hin, woran die Bauer» mit ihren genie-ßenden Augen hinauf und heruntersaßen; es ge-fiel ihnen aber fast kein Gericht mehr, als einewächserne Vorstellung ihrer durch Hegen undJagen des Wildes zertretenen Felder, die siebeständig mit den vor ihnen liegenden abgeern-teten Originalen, geschickt zusammenhielten. Wasdie allgemeine Freude an die äußersten Gränzentrieb, war, daß jeder, nachdem er sich an diesengesunden Speisen völlig satt gesehen hatte, vomTische aufstehen und zum Ueberfluß allerlei Vik-tualien, die Leute aus der Stadt in Menge her-geschvben hatten, für Geld und gute Worteleichtlich haben konnte. Sogar vom erlegtenWilLpret ließ ihnen der Fürst so viel zukommenals sie nur kaufen wollten, als welches (Und vielerühmten eö auch) in einem Ueberfluß vorhan-den war, daß es größtentheils anbrüchig undstinkend wurde: denn die Jagdhunde konntennicht alles, was die Bauern ungekauft gelassen,zusammenfressen. Unser gnädigster Fürst, der(und desgleichen auch unsere Landesmutter) dar-auf dringt, daß seine Leute mehr als gewöhnlichlustig sind, hat daher den Landleuten zu mehrensolchen Parforcejagden und kalten Küchenhinlängliche Hoffnung gemacht....

Sonst ist nicht unbekannt, daß er jetzt dieSchaugerichte, bei denen allein der Magen ambesten ein kontemplatives Leben führen l'ann,wunderbar in Gebrauch setzen will; daher wurdedie Mundporzion des Soldaten recht ansehnlichvergrößert, 'und es wird jetzt ein ganz großesKommisbrod an jedem Löhnungtage (wie dieHostie der Katholiken) ordentlich herumgetragenund einem Regimente nach dem andern vorge-wiesen, aber nicht gegeben, maßen es schlecht zuessen wäre, da es der Fürst, um lieber die Groß-mut!) als die Sparsamkeit zu übertreiben, durch-aus nicht mehr aus verdorbenem alten Mehlebacken lässet, sondern (wie die Probesemmeln derBäcker) aus reinem frischen Töpferthon. Gleich-wohl verfängt dieser Thon gegen den Hungerdes Heeres so wenig, daß es Kompagnieweissauf die Dörfer betteln gehen und doch dabei gele-gentlich eine mäßige Reiterzehrung mit stehlenwill.»

Ich merke zweierlei über dieses Zeitungblätt-chen an. Erstlich muß jeder Bauer bekennen, daßein Fürst allemal zwischen ihm und dem großen(sonst so geschätzten ) Wildprete einen großen Un»terschied zu machen wisse, indem er ihn wederschießet wie dieses, noch in harten Wintern mitHütten und Fraß versorgt, wie dieses. Zweitens:da ein Soldat außer den, Muth nichts so drin-gend bedarf als Essen, das ihn vermehrt, und daer noch dazu das letztere in Krieg und Frieden,den erstern aber blos in Kriegläuften haben muß:so sollte im Kriegdepartement mit Ernst daraufgedacht werden, wie weit es durch geschickte Maß-regeln zu treiben wäre, wenn man, da jedergeile Auswuchs an Montur und Gewehr jetztdurch die Hand der überlegenden Sparsamkeitüber- und weggeschoren wird, auch den Magen derRegimenter ins Engere zöge. Man sollt' es pro-

bieren, wie lang ein Gemeiner von gewöhnlicherLeibeskonstituzion das Fasten aushielte, eh' erverschiebe; dieser Gemeine könnte dann zum Hun-ger-Regulativ oder zum Fasten-Flügelmannaufgerichtet werden, und sein Magen würde ganzzum Prvplasma für die übrigen Mägen derKompagnie angenommen. Ständ' einer oder derandere diese Mund-und Fruchtsperre gar nicht aus:so könntcns doch seine Kameraden, und das Hand-geld für den Rekruten, mit den: man ihn er-gänzte, käme gegen die ersparte Ausgabe der gro-ßen Mundporzivnen (wie denn jetzt ein gesunderSoldat wirklich, so viel zu essen krieget, Laß fastein Kranker damit zu ersättigen wäre) in garkeine Vergleichung. Die Soldaten noch auf halb-jährlichen Urlaub nach Haus zu den Eltern zurFastendispensazion und zur Eichelmastnng abzusen-den — hätte man dann auch nicht mehr nöthig,sondern jeder könnte seinen Hunger in der Ka-serne abwarten. Ich sehe leicht ein, daß die Kerlssich schwer auf den Beinen erhalten würden, al-lein l —ich bemerke nicht einmal, daß die im er-sten Gliede ohnehin auf das Knie sich steuern kön-nen — ) wenn die Fürsten in eine unentbehrlicheHnngerallianz zusammentreten, und, sowie nach einer europäischen Konvenzion das Bleiweder zerhackt noch vergiftet in die feindlicheWunde fahren darf, gleicherweise verabredenwollten, daß jeder sein Heer zu einer Söötägi-gen Fasten beordern und keiner einen Mann un-ter die Fahne lassen sollte, der satt wäre: sowürde — eben weil das kriegerische Verhältniß be-stände, und matte Truppen, die Hunger hätten,nur auf Truppen schössen, die auch nichts andershätten — schon etwas dabei herauskommen.

VI.

Rede, womit ich die Tugend zum Lebenüberreden wollte, da sie gestorbenwar.

Das Ableben der Tilgend ist so wenig eins Neu-igkeit mehr, als das des Königs in Preußen, undjedermann bedauerte ihren Tod aufrichtig genug.Auch weiß man jetzt längst, daß ihr nicht dasHerz aus dem Leibe gerissen worden, wie mananfangs in einigen deutschen Provinzen glaubenwollte, denn sie entschlief sanft an einer Krank-heit und auf ihrem Bette. Die Krankheit,woran sie verschied, ist keine schimpfliche, sonderndie sogenannten Franzosen, deren sich nie-mand schämen kann, und die jedermann vomGrößten bis zum Geringste» jetzt hat; sie istnichts anders als die Seekrankheit, der sichjeder Mensch auf seiner Schiffahrt durchs Lebendurchaus unterziehen muß. Die Tugend fing siein einem Domino auf der Maskerade auf, den