Band 
I.
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aus des Teufels Papieren

ein vornehmer Mann vorher damit infizierethatte. Denn ein gutes Vorrecht des Adels istdas bekanntlich, daß ihn kein Henker zwingenkann, die Quarantaine auszustehen. DerDoktor that bei der Tugend sein Bestes undstellte sie wider das allgemeine Vermuthen vonden Franzosen her: aber in der Salvazionkurstand sie ab. Die Musen waren ihre gutenKrankenwärterinnen. Ihr Todten-bett war, wie ich vom Wirthe erfuhr, dasHvchzeitbett der platonischen Liebe gewe-sen, die da in der Brautnacht das Sterblicheausgezogen hatte. Der Teufel sprang wie toll imKrankenzimmer und um das Krankenbett herum,und hatte sich als ihren Todesengel angestel-let: allein, wir kannten ihn alle recht gut undsagtens ihm zuletzt »unsertwegen bedürf' er garkeiner Verkappung; wir wären keine solchenLeute, die ihn hindern würden, der Tugend denGaraus zu spielen, sondern vielleicht bessere." Eswar Zeit, daß sie das Testament aufsetzen ließ.Es gefället mir nicht, jetzt von vielen Leuten zuhören, unter den sieben Todsünden, die dabeiZeugen sein mußten, hätten einige gefehlet: dennman gibt dadurch vielleicht zu verstehen, manhielte den Pariser Polizeihäscher, den WienerDenunzianten und den Spaaer Croupier.fürkeine gültigen Representanten der drei fehlendenTodsünden, von denen sie doch ausdrücklich herge-sendet worden. Ich bin zum Executor des Testa-mentes ernannt: allein ich werde nicht spitzbübischdabei verfahren, sondern jedermann soll das ha-ben , was ihm die Tugend vermachte: der hiesigeSuperintendent ihr Gesicht, die hiesige Herrnhu-terin ihre Augen, und die todten Könige ihrHerz; »weil," ließ sie niederschreiben, »man ih-nen allzeit ihres nach ihrem Tode ausschneidet undes in ein goldenes Gefäß einsargt: denn die Le-bendigen, denen ich sonst meines gern gegönnethätte, könntens nicht brauchen, da sie glücklicher-weise wirklich noch ihr eignes haben." Was nochvon ihrem Körper übrig bleibt, soll, wie bekannt,zu einer Mumie gebaizet werden, damit man ihnwie andere Mumien zerreiben und zur brau-nen (männlichen) Farbe brauchen könne. Ichmerke nicht erst an, daß ihre Kleider garnicht ins Testament kommen konnten, da sie inParis verstarb und folglich, als eine Fremde, ih-ren ganzen Anzug dem Könige in Frankreich nachdem ckroit ll'Lulmine hinterlassen mußte, den ichFrankreich auch nicht vorenthalten will.

Ich wollte, sie hätte niemand weniger imTestamente vergessen als mich oder auch meineFrau.

Als sie entschlafen war und wir alle still und ei-nigen von uns die Erde enger wurde: so sagt' ichzum Satan, neben dem ich stand, und trat ihmauf den Schwanz: »es ist, mein lieber Satan, inEngland gewöhnlich, daß man, um den Anver-wandten, die nahe bei London wohnen, von derHinrichtung des ihrigen Nachricht zu ertheilen,eine Taube vom Richtplatze dahin fliegen lässet:wie machen wirs? die Welt muß doch von dembetrübten Todesfall belehret werden." Freilich,sagte er , und er wollte es den Augenblick selbstthun. Er verwandelte sich in einen großen Ra-

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ben, dessen Schwärze er schon vorher hatte undschoß hinaus und zog langsam zum Zeichen überdie Welt, daß die Tugend nun gestorben und indie bessere geflogen sei, wo die ersten Griechen,wo die ersten Römer und ersten Christen sind,aber keine große Welt.

Die Heuchelei hielt hernach ordentlich die Lei-chenwache und die Gelehrten dieses Jahrhun-derts schössen die Lichter her, die ganz denSarg umgaben und auf ihre blaffe Größeschimmerten. Die Trauerleuke — welches alleMenschen waren, d, i. 100(1 Millionen ohnemich — wollten einige Beg r äbniß m ü nzenund Sterbethaler schlagen lassen: allein ichfragte sie, ob sie denn toll und das bisherige Geldnicht eben so gut wäre, besonders die Ablaß-pfennige und Subsidiengelder. Wie bei denRömern ein Sklave von dem Todten die Fliegenmit einem Fliegenwedel wegschlug: so stand ichmit einer langen satirischen Peitsche hart an dererblaßten Tugend und schwenkte sie von Zeit zuZeit, um das philosophische und höfische Ungezie-fer , das sich und seinen Unrath noch auf sie' setzenwollte, wegzubringen; eS ist wahr, himmlischeTugend, das ist das geringste, was ich oder einanderer Autor für dich thun konnte! Ich hörteerst vor einigen Tagen, sie hätte in der Besorg-niß, die Geistlichen würden sie nicht gratis begra-ben wollen, in die Hildesheimer Sterbegesellschaft,in eine T odtenlotterie und in die GöttingischeSterbebeitraggesellschaft (diese zerschlug sich jaaber, soviel ich weiß, schon längst) einige Gul-den gesetzt: ich ersuche daher Personen, diedarum wissen, mir es gefälligst zu schreiben odersagen zu lassen, vbs wirklich wahr ist oder nicht.Die Jesuiten wollten sie ins heilige Grab bei-setzen und haderten darüber mit mir sehr: alleinich fragte sie, ob denn dieses nicht in Palästinaläge oder noch weiter ab, und vbs nicht für tau-send Christen gemächlicher und näher wäre, wennman sie in die-Hofkirche begrübe. Und da wars,wo ich folgende Rede, die mir, wenn ich Leserwäre (und ich bins auch), unvergeßlich sein sollte,an die Tugend hielt:

»Erblaßte Tugend

Die gemeinen Jrländer (und auch viele andereWilde) schelten den Verstorbenen tapfer aus, daßer sich entschließen können, sich hinzulegen und zusterben; sie bitten ihn um alles in der Welt, ru-hig nachzusinnen, ob sein Tod seine vernünftigsteHandlung sein könne, da er eine Kuh und Frauund Kinder und Kartoffeln genug gehabt. Ichmuß es gestehen, liebe Tugend, dein Ableben istnicht die That, die mir von dir am meisten ge-fället, oder auch der Vernunft. Thaten wirMenschen dir denn etwas anders als die Ehre an,die sich für dich und sie schickte? Oder ließen wirSvielleicht an Weihrauch fehlen? Waren nicht dieHvfleute gegen dich so höflich wie gegen dasLaster? Wahrhaftig, ich vermuthe, wir thatenmehr als nöthig war; du aber unterließest man-ches, du verschmähtest unsere zwei Herzkammern,die wir dir zu einer guten Wohnung ausschlössen,und sagtest, du sähest nichts darin als Goldkothund nldui» gresotiln und Ösen öln vnuMin