Band 
I.
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Auswahl

und Teufels dreck, welches viele verdrießen mußte:gleichwohl fragten wir ganz und gar nichts dar-nach, sondern dachten allezeit gut und gelassen undbrauchten dich gern, wie die Mexikaner ihr un-sägliches Gold, aus Achtung, blos zur Ausschmü-ckung der schönsten Tempel, aber garnicht imHandel und Wandel. Wir hofften ganz vergeb-lich dich dadurch zu rühren, daß wir dich zurPrima Donna unserer National - Familien-und Marionettentheater und Schuldramen seitvielen Jahren auserlasen; ja wir gingen so weit,als wir bei aller Anstrengung vermochten, undmachten aus deine Reize so viel gute Verse, daßUnkundige hatten schwören sollen, du wärest eineKönigin oder eine Geliebte und wir deine Unter-thanen oder Liebhaber. Zum wenigsten war eseinsichtigen und belesenen Personen niemals mög-lich, sich vorzustellen, du würdest gleichgültigbleiben, wenn die mächtigsten Potentaten sichgern für deine Gönner ausgäben, in ihren Krieg-und Friedenschlüffen und Negoziazionen und osten-siblen Jnstrukzionen der Gesandten deinen Na-men oft anführten und mit mehr Rücksicht ausdeinen als auf ihren Ruhm blos dir die größtenUnternehmungen zuschrieben, die, wie man ganzwohl weiß, nur ihre eigne Politik so glücklichvollführet hatte; diese Politik, die vielleicht —so wie nach Simonikes lediglich Gott die Meta-physik vollkommen versteht — nur der Satan rechtinnehat, gegen den die besten italiänischen Höfenichts weiter vorstellen, als bloße deutliche Echosdesselben. Unmöglich hast du vor deinem Abster-ben ernsthaft genug überdacht, daß wir deinet-wegen ein großes Heer Leute, die wir Geistlichenennen, mit vielen Kosten längst in schwarzesTuch gethan, und ihre Kanzeln in buntes, undeinige Beichtgroschen in ihre Beutel: dieses Tuchund diese Groschen beweisen mehr als schlechtereGründe, daß die Menschen für dich zu allen Zei-ten vielleicht eben so sehr eingenommen waren wiefür das Laster, wenn nicht noch mehr. Wenn ichdich aber von Seiten vieler wohlhabender Christenversichere, daß sie übermorgen das Geld znm Tuchezusammenschießen und damit die gegenwärtigeKanzel nebst dem Altar neu bekleiden wollen, umetwan durch dieses leichte und unschuldige Haus-mittel (das doch deswegen, sagt der gute Vesper-prediger, nicht schlechter wirkt) dich ganz wiederzu beleben: so wünschte ich zu wissen, was dudavon dächtest. Da ich aber gar zu deutlich sehe,daß du dich nicht lebendig machen willst und meineganze Rede verachtest, die Loch ein Mensch ge-macht : so schnapp' ich sie auch augenblicklichab.»

VII.

Beitrag zur Naturgeschichte der Edel-leute; aus einem Syrischen Schreiben,

Ich hatt' es schon ganz satt — es war überhauptmein verdrüßlichster Tag während meines ganzen

Aufenthaltes in Aleppo in Syrien — auf dem Dachemit meiner Windbüchse ohne alle vernünftige Ab-sicht herum zu kreuzen, als gerade neben einerWolke die Mittwvchpost herflog. Ich wartete, bissie gerade über meine» Kopf weg wollte und schoßsie dann unversehens herunter. Ich kann es, sagt'ich nach dem Schusse, eigentlich gar keine Postbe-raubung nennen: denn ich retorquiere blos undich wünsche nur, daß das, was mir die deutschenTauben vom Felde stahlen, durch die Briefschaf-ten, die diese etwan unter dem Schwänze hat,recht ersetzt würde.» Allein als ich sie befühlte,war ihr blos ein Brief am Schwanz gebunden.Ich biß ihn ab und ersah, daß ihn ein Mönchaus einem benachbarten Kloster an eine Nonne ineinem andern abgelassen hatte, um ihr brieflichdie Naturgeschichte beizubringen. Ich sah es nunnicht gern, daß ich die Taube und den Brief her-abgeschossen hatte: »denn es ist jetzt so viel, sagt'ich, als wäre die Nonne ein reicher Student inEuropa und hätte da ein Kollegium wirklich ge-schwänzt, wie man sich in diesem berühmtenWelttheile längst ausdrückte: denn ein dasigerStlldent sucht stets seinen nachgeschriebenen Heftendurch liintus die Form der Manuskripte der Altenund nicht blos den Geist, sondern auch die Ge-stalt des Alterthums einzuprägen.» Es wird michwenig reuen, wenn ich dem Leser den Brief ausdem syrischen übersetze; denn der Leser besitzt wenigächte Kenntniß des Syrischen, und ich glaube, erkann nicht einmal recht syrisch lesen.

»Liebe Tochter

»Der Prior kam gestern zwar von Jerusalemzurück geritten, aber ich mochte ihn nicht darumfragen, weiter so müde war, daß er kaum sitzenkonnte, wie sein Esel auch. Die neulichen Diebefingen wir gestern ein: es war ein gewisser Ka-glivstrv dabei, der die Thürschlösser * in Brandsteckte und nachher einbrach. So giftig sind dieMenschen, wohlriechende Palme meines Lebens!— aber wir' sitzen im Schatten der Ruhe undschauen das Angesicht der Erde an, aus dem ihrSchöpfer wie eins Seele hervorsteht; besonderssind viele Bäume an meinem Zellensenster schön.Wir müssen aber in unserer Naturgeschichte hur-tig fortfahren.

Wir Habens schon das vvrigemal gehabt, daßGott in die Vögel den Trieb der jährlichen Wan-derung gesenket, hernach in die vierfüßigen Thiereund auch in die Heringe; wir kommen jetzt gärauf die Edelleute. Der Trieb der Wanderung of-fenbaret sich ihnen erst >m vier und zwanzigsten Jahreund hält sich an gar keine bestimmte Zeit: wieauch Schmetterlinge und Mäuse zuweilen zu zie-hen anfangen, daß ein Mensch gar nicht weiß,warum gerade jetzt. Ein alter Minister sagte mir,wenn man um diese Zeit einen wahren Edelmanneinsperrte, z. B. in eine ritterschaftliche Biblio-thek, wo es warm genug wäre, oder in einenKäfig, so würd' er traurig werden und seine Zeitwissen und hinauswollen, und ließe man. ihnwirklich nicht nach Frankreich oder Italien: so

«In Aleppo sind die Schlösser, nach Rüssel, von Holz,lind die Thüren von Eisen.