Band 
I.
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Auswahl

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verdorben und hatte sich eben deswegen zu seiner Le-benswallfahrt statt zweier Stelzfüße auf die vierRoßstelzfüße gebracht und geladen — einen lusti-gern Anblick gibts in der Welt nicht, und so istsauch mit der Beschreibung, die man vom Anblickemacht — aber auch auf der andern Seite kenn' ichkein jammervolleres Geschöpf, ich meine unter denPferden.

Diese Welt ist so sonderbar, daß einer, der beiden ernsthaftesten und traurigsten Sachen humo-ristisch, und bei den niedrigsten und lächerlichstensinnend und feierlich ist, eben dadurch philosophiert,und der Mittel- und der schnellste Weg, den De-mvkrit und den Heraklit recht weit zu überho-len ic. ist, beide Männer in einem Athem zu ma-chen.

X.

Der Maschinen»Mann nebst seinenEigenschaften.

Wenn ich besonders darauf zu sehen habe, daßich bei meinem Leben keinen Aufsatz unvollendetstehen lasse, wie etwa» Lessing seinen --Schlaf-trunk," weil ich das warnende Beispiel Lessingsvor mir habe, daß die Mannheimer Bühne zwareinen Preis für den, der eine solche Antike er-gänzt, aber nicht den Ergänzer selbst, der ihn ver-dient, bewilligen könne: so brauch' ich doch das blosbei diesem Aufsätze nicht — ich könnt' ihn garnicht machen; denn eben nach dem Tode brauch'ich ihn erst auszuarbeiten.

Der ganze Aufsatz läuft nämlich auf eine Erzäh-lung vom Maschinenmanne hinaus, die für nie-mand im Grunde Hörenswerth ist als für Leuteauf dem Monde, auf dem Saturn, auf dessen Tra-banten, auf dessen Ringe. Denn bei uns auf derErde muß dieser Mann so bekannt sein wie einPudelhund; aber auf dem Saturn gar nicht, undes ist ein rechtes Glück für diesen Planeten, daßich — wenn er anders nach dem Tode mein neuesJerusalem wird, wie mir wegen der neuern Aus-sicht in andere Planetensysteme und wegen dergrößern Entfernung von meiner Schwiegermutterauf Erden von Herzen zu wünschen ist — die da-sigen Saturnianer in einige Bekanntschaft mitdem Maschinenmanne bringen will.

Ich biete dem Maschinenmann — so erzähl' ichsden Saturnianer» — einen guten Morgen undguten Abend, aber damit gut: denn ich kann ihnnicht ausstehen, wegen seiner verfluchten Narrhei-ten. Er thut alles durch Maschinen. Er hat keinFedermesser im ganzen Hause, sondern ein gewis-ses Instrument, von dem er sich seine Federndurch einen Druck vorschneiden lässet — er schreibtaber doch kein Jota damit. Denn in Wien, woihm alles gezeigt wurde, ließ man ihn auch dieSchreibmaschine des Kaisers besehen, durch die

man, indem man mit eigner Hand etwas schreibtdas nämliche dann doppelt und vielfach hingeschrie-ben hat. Er machte sich eine nach, und führte nunmit seiner uneingetunkten Feder, die er in derLuft herumzog, der Maschine die repetirende Handund Feder. Er meldete einmal, auf der Marter-bank des Jammers sitzend, den Tod seiner Fraueinem Freunde: aber der Brief war doch von derMaschine geschrieben, die. er seinen Amanuensisund Sekretair nennt. Das bereuete er oft undvor jedermann: --denn ich hätte blos, sagte er, ei-nen leeren Bogen Trauerpapier schicken sollen, dasam Rande schwarz gewesen wäre, aber weiter nir-gends.-- Seitdem schickte er, um seine zweite Ehezu melden, einen leeren Bogen mit einem gelbenRande — um seine zweite irdische Scheidung zumelden, sendete er einen mit einem grünen, unddie Beerbung seiner leiblichen Mutter that erdurch einen Rand von ventrv üs vielrs kund.Daher vermutheten einige oder mehrere Deutsche,er wäre ein Narr; aber vernünftige Pariser wuß-ten recht gut, daß er ein Pariser sei und ihnendiese Diffusionräume gänzlich abgeborgthabe.

Er verstand — werd' ich gegen die Saturnianerfortfahren, aber vorher die dioptrische Metapherverdeutschen — zwar nicht das Einmaleins, aberdafür das Rechnen ungemein gut, das er nicht wieeine Maschine, sondern durch eine Maschine be-trieb ; er drehte blos die Rechenmaschine desHerrn Pastor Hahn ein paarmal um: so hatte ersein Fazit, und Vergnügen obendrein. Ich habemich daher oft ein wenig gewundert, woher eskommen mag, daß man ihn oder auch die HahnischeMaschine noch nicht als Rechnungrevisor ange-stellt: es kann aber gar wohl doch nach meinemTode auf der Erde geschehen sein.

Dies wird den Saturnianern genug gefallen:aber ich werde weiter erzählen.

Der Maschinenmann legte allemal Proben sei-ner Beredsamkeit ab, wenn er auf das achtzehnteJahrhundert deswegen loszog, weil es noch keineMaschine erfunden hätte, die einem ehrlichen haa-rigen Mann'einen Zopf machen könnte — und erließ sogar einmal inS Jntelligenzblatt setzen: mansucht allhier einen saubern Friseur, der von lauterHolz ist, und im Zeitungkvmtoir gibt man nähereNachricht.

Er und sein Magen war niemals an andereTische zu bringen, als an sogenannte Maschinen-tafeln, die stumme Knechte heißen, und er.sagte, erhätte Gründe dazu, die sein und gut wären. Ichund noch einige gute Freunde wollten einmal beiihm essen und zwar mit den Zähnen: aber dar-über erhob er die größten Händel, und ich werdedaran denken. Er versicherte uns heftig, er könneunmöglich von uns glauben, daß wir sämmtlichlebendige Nußknacker wären, sondern erwolle hoffen, daß wir niemals käueten, und mitunsern Zähnen außer den Dentalbuchstabenniemals etwas gröberes zerschnitten. Unter diesenVersicherungen ließ er durch einen stummenKnecht ein Ding wie eine große Hanfmühle her-ausheben. --Gott hat mir, sagte er, so vielVerstand gegeben, daß ich eine Käumaschineausgesonnen habe, mit der ich für mich und