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Auswahl
schon etwas sagen, daß ich keinen lebendigen Dre-scher oder Säemann bezahle, sondern die dafürordinierten Maschinen, — daß ich, wenn ich michduellieren will, statt meiner blos die in Italiengewöhnliche köpfende Maschine schicken kann —es ist auch das gar nicht ganz ohne Werth, daßich richtige Wetterbeobachtungen nach Mannheimabliefern kann, die Niemand gemacht als meinneuer Barometrograph — und es ist ebenso viel als hätt' ich noch eine Magd, aber nochviel bequemer, daß ich am Morgen mich weckkn,Licht und Feuer machen, die Bett - und die Fen-siervorhänge aufzerren lassen kann, blos von ei-nem todten Wecker von der neuen Art, wie derFranziskaner Morgues sie zu Tausenden ver-arbeitet —und ich muß inne werden, daß es ebenso bequem und um die nämliche Tageszeit, obwohlnicht eben so angenehm ist, daß die größten Großen,die alles durch Repräsentanten thun, und die daherso viele physische Ebenbilder von sich stets zukreieren streben, im Kreieren aufhören und imRepräsentieren fortfahren und mit einem WorteGemahlinnen haben, die gut wissen, was unserJahrhundert ist und dessen unzählige Maschinen,und wo der Jtaliäner und der Fran^os zu habenist, bei dem seiner Seits wieder zu haben sindleblose Vikarien oder cUini giro cl'sttaii-es oderAgenten, oder eu> ntores ubbe-aUs des lebendigenEhemanns, welches alles (sagen die Gemahlinnenund die Jtaliäner) lauter herrliche, den Ehe-herrn ohne Schaden repräscntirende Figurenwären, und zwar nur rhetorische, und zwarblos die Figur Mi-s xi-o wto— Ich hab' esschon gesagt, man kann es nicht leugnen, daß daSalles etwas ist. Aber ich will mir einmal dasVergnügen verstatten, mir einzubilden, derMensch wäre schon auf eine viel höhere Stufeder Maschinenhastigkeit gerückt, und ich will nur,da ichs einmal darf, mir gar vorstellen, er stündeauf der höchsten und hätte statt der fünf Sinnen,fünf Maschinen — er ginge vermittelst des Geh-werks einer Maschine oder eines Laufwagens —er verfertigte, da er seht blos seine Arme, Beine,Augen, Nase und Zähne von der Drechselbankabholet, auch alle übrige Glieder und den ganzenTorso auf ihr und brächte eine Sackpfeifs stattdes MagenS nicht auf (wie bisher), sondern indem Bauche in gesunde peristaltische Bewegung,und schnitte von einer Feuerspritze sich eine le-derne Schlange zum Sack- oder Blinddarm los,—ich will mir vorstellen, er trieb' es noch weiterund er verrichtete durch ein hydraulisches Werksogar seine NvthLurft, nämlich dieexzepti vische— er behielte nicht einmal sein Ich, sondernließe sich eines von den Materialisten schnitzen,welches aber besonders unmöglich wäre — nichteinmal die Thiere wären mehr lebendig, sondern,da wir ohnehin von Archytas, Regiomontan,Vaucanson, künstliche Tauben, Adler, Fliegen,Enten haben, auch der übrige Inhalt der Zoo-logie würde petrifiziert und verknöchert und ganzeMenagerieen ohne Leben und ohne Futter würdenaufgesperrt, und Kluge, die den Spener gelesenhätten, dächten deswegen, der jüngste Tag sei daoder schon vorüber — die Sache wäre verfluchtarg und die nntui-n natuvrurs verflöge endlich
nnd nichts bliebe da, als die lurtura »sturutnund blos die Maschinen ohne Maschinenmeister:
-- mit welchen Vollkommenheiten, frag'
ich, würde dann die Erde ausgeschmückt sein, diejetzt so in Lumpen und Löchern dasteht? Ichmeine nämlich, wenn ein guter Kopf die Erdeübersähe und ihre Vollkommenheiten überzählteund überhaupt schon wüßte, daß ein Wesendesto vollkommener ist, je mehr es mit Maschinenwirkt, und je mehr es Arme, Beine, Kunst, Ge-dächtniß, Verstand außer seinem Ich liegen siehtund alles das nicht mit sich zu schleppen braucht,und daß eben deswegen das Thier, das ohne Ma-schinen tbätig ist, auf der untersten schmutzigstenVollkommenheitstufe liege, der Wilde, der einigebewegt, auf einer höhern, unser Bauer, dermehre dreht, auf einer noch höhern, und derGroße und Reiche, dem die meisten Maschinenansitzen, auf der höchsten stehe: mit welchen Voll-kommenheiten würde der überzählende Kopf dieErde dann wohl übersäet finden? namentlichmit F-ohismus, vollständiger Apathie, Ouietismus,Nsntierer- und Hofdamenleben, Nichts sein undAlles können, woran aber wirklich vor Deutsch-lands neunzehntem Jahrhundert gar nicht zu den-ken ist_"
Ganz natürlich fragen mich die Saturnianer:--welches war denn das wahre Lebens - Jahrhun-dert deines Maschinenmannes?"
,-Das 4 8te-- sag' ich.
--Aber wie heißet er denn eigentlich?" sagensie.
--Eben so, nämlich das achzehnts Jahrhundert,oder der Genius des I8ten Jahrhunderts" sag'ich.
„Und dies, wollt' ich wohl wetten, ist auch dieeinzige Ursache, (setz' ich noch hinzu) warum ichmeinen so zahlreichen und guten Büchern undAuszügen aus fremde» Büchern diese Erzählungvom Maschinenmann blos euch seligen Saturnia-nern, und niemals (ich müßte denn mit dem Lebenzugleich mein Gedächtniß eingebüßet haben, wiePhilosophen von Verstände längst erhärtet) meinemgeneigten Leser vorerzählt habe: denn ihr Sa-turnianer allzumal merkt doch wohl beim Hen-ker, der Leser ist ja eben der-Maschinen-
mann selbst."
XI.
Epilog, oder was ich auf dem Stuhledes Sanktorius * etwan sagte
Die Griechen glaubten, der Genuß des Wildeserrege Gähnen; allein Schriftsteller werden ein
- Auf diesem Mittelding zwischen Stuhl und Wage hieltsich bekanntlich Sanktorius lebenslang auf, um alles wasin oder aus seinem Körper ging sogleich abzuwägen und ein-zuregisiriercn: ich besitze aber selber diesen Stuhl noch nichtüber ein Vierteljahr.