Band 
I.
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aus des Teufels Papieren.

für allemal zu den zahmen Thieren geschlagenund können es daher allezeit probieren und ei-nen geschickten Epilog machen.

Bei der Rollenaustheilung schnappt der Kör-per — auch auf dem Wiener Nazivnalthsater —der Seele oft die wichtigsten Rollen weg und siemuß sich dann aus einem Loche, das wir den Kopfnennen, als bloßen Souffleur deS geputztenLeibes hören lassen. Man betrachte z. B. nurmich und den Teufel. Mich könnte der Leser zu deneinfältigsten Wendungen in diesem Epiloge zwin-gen, ja er könnte mich, statt desselben ein un-glaublich dummes Ding, das in Klöstern bei Ti-schs vorgelesen zu werden verdiente, zu schreibennöthigen, wenn er blos meinen Körper und meinenMagen nähme und ihn mit der elenden/esien Kostseines Knechts oder auch des Rezensenten, odermit den Magenxleonasmen eines Prälaten voll-schlichtete: denn das würde meinen Neroengeist(zumal wenn es einen gäbe) so verkörpern unsverknöchern, daß er ganz steif würde. Den gei-stigen Einfluß des Körpers beweiset außer derganzen Welt auch der Teufel. Denn es wäre nichtsschweres, den Katheder zu besteigen und da ge-gen die ältesten Opponenten die Thesis durch-zusetzen, daß der Teufel zu dem meisten Bö-sen blos durch den menschlichen Körper, dener bei seinen so unentbehrlichen Erscheinun-gen statt einer Charaktermaske um sich schlagenmuß und den er besonders wilden Jägern abborgt,zu seinem größte» Schaden angehetzet werde.

Besonders ist das durch die Aerzte und unsereKörper erwiesen, daß beide desto weniger aus-dünsten, je größer die geistige Anstrengung ihrerSeelen ist, und Kant muß sich durch seine Kri-tik der reinen Vernunft entsetzliche Husten,Schnupfen und Kopfschmerzen zugezogen haben;was Systematiker anlangt, so husteten sich inmeiner Gegenwart verschiedene an dieser Kritikzu Tode. Und so dünstet inan umgekehrt destobesser aus, je weniger man denkt.

Ich mußte dies vorausstellen, um den Satz völ-lig einzuleiten, daß ich den mathematischen Stuhldes Sanktorius besitze und auf ihm meine E.va-kuazivnen und Rexlezionen so vernünftig abwarteund wäge, daß es mir und meiner Familie Ehremacht. Ich rühre daher nie eine Feder für diePresse und für die ganze Welt (welches wohlnicht zweierlei ist) an, ohne vorher auf dem an-geregten Stuhle seßhaft zu sein, weil ich damitauf der Stelle es vorgewogen sehe, ob meine»»merkliche Absonderung stark ist oder ob meinAusdruck, ob ich viel ausdünste oder viel nach-denke, ob meine Seele oder ob blos meine Hautschlaff ist. Dieser Stuhl ist meine Allgemeinedeutsche Bibliothek und er rezensisrt jede Seitemeines Buchs eben so unparteiisch als jene. aberviel schneller und nicht erst vier Jahre nach derVerfertigung, sondern vier Minuten. Ich weiß,daß ich erhebliche Satiren für dieses Buch heckteund laichte und warf, wo mir der Stuhl für ge-wiß ansagte, Laß ich bei ihrer Abfassung um keinhalbes Loth Ausdünstung leichter wurde; eSblieb alle Feuchtigkeit als Residuum (bloß derNervengeist zog sich ins Buch) in mir und iu mei-nen entschlafften Gefäßen sitzen, und ich wurde in

einem oder in doppeltem Sinne ein Autor vonGewicht und schrieb freilich darnach, nämlichrecht gut. Die Satire auf die Selbstrezensentenhing mir einen Katarrh auf, den ich herumtrage undinokuliere; und viele Messens völlig ohne Grunddem grimmigen Winter bei. Und wer die Ge-burten der Verleumdung (nämlich meinersatirischen Anmahnung dazu) kennen lernen will,komme nur morgens zu mir und besehe die Ge-burten meiner verleumderischen Lunge. Freilichmacht sich im Gegentheil der Mensch oft übersatirische und juristische Arbeiten in Stunden her,wo die »»merkliche Absonderung pfundweise vonihm geht, desgleichen die ausgearbeiteten Bogen;wässerige Meteore rinnen aus allen Poren undFedern, wie mein Stuhl allemal genau anzeigte:dann schreibt man entsetzlich schlecht.

Herr Wekherlin verachtete meinen wägendenStuhl niemals, sondern setzte sich oft darauf, undzeugte durch die Korpuskular Philoso-phie an seiner Drillingsgeburt der drei Wei-sen aus — Frankreich* eines und das andereGlied: aber er wollte nicht schwerer werden, son-dern so leicht wie eine oder seine Feder. --Esist ein Jammer, sagt' er. Laß ich nicht scharfsin-nig bin: aber meine unmerkliche Sekrezion gehthübsch von statten.-- --Auch die merkliche,-- sagt'ich und sprach in einer Metapher. --Und nochdarzu, fuhr ich fort, wenn ein Autor so schreibenkann, daß seine Ausdünstung dabei wächst und or-dentlich aus ihm regnet — wenn ferner diese eine >Art verdünnter Urin ist, wie die Chemie durchausbehauptet — wenn K unkel aus dem Urin ei-nen glänzenden Phosphor (in den- nun sein Namewie in einem Feuerwerk brenn!) auszog — wenndas natürlicherweise auch mit der Ausdünstungangehen muß, aber freilich in geringerm Maße,

— wenn nun aber offenbar der Körper die Seele,wie daS Französische das Deutsche und also dieAusdünstung die Dinte tingiert: so müßte wahr-lich der Teufel sein Spiel dabei haben, wenn nichtIhre schriftstellerischen Produkte phosphoreszierendleuchten wollten und stinken.-- Er räumte esauch ein und sagte mir überhaupt, daß die großeWelt ihn hauptsächlich schätze, und er könne nichtgenug für sie schreiben oder Lenken oderdünsten.

Beiläufig! Halley berechnete, daß die tausendMillionen Menschen, mit denen die Erdkugel be-steckt ist, jährlich 7393 Millionen KubikschuhWasser aus ihren Poren dampften. Allein da er michunmöglich kennen konnte: so würd' ich ohne Be-denken mit meiner jährlichen Ausdampfung garnicht in Rechnung gebracht; diesen kleinen Rech-nungverstoß machen aber geschickte Naturforschervöllig wieder gut, wenn sie jetzt meine Ausdün-stung mit zur gestimmten addieren.

Lautes Reden macht die unmerkliche Absonde-rung fast zur merklichen und verdoppelt sie so sehr,daß Halter in seiner Physiologie von einem Advo-katen erzählt, von dessen Pfeil - und Krauznahtwährend seines rechtlichen Vertrags eine Rauch-säule von Ausdünstung sich aufwärts drehte; ich

* Nämlich die Chronologen, das Ungeheuer und die Hy-pcrb. Briefe.