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Auswahl
würde, wär' ich sein gegnerischer Anwald gewe-sen , zwar eben so viel Rauch gemacht haben, aberblos figürlichen. Da ich gern die Dünste, die lau-tes Reden aus dem Menschen jagt, mit meinemmathematischen Stuhle messen und überhaupt denmeinigen, die bisher der Winter und mein Buchin mich eingesperrt, freien Ausschuß eröffnen will: ^so will ich jetzt am Ende des Winters und desBuchs — es wird alles gut von einem geschicktenjungen Menschen nachgeschrieben — auf meinerWage sehr reden (und allerhand), um auffallendwegzudünsten. Der ganze Epilog soll nichts alsdieses Geredete enthalten. Ich sehe mich glückli-cherweise dabei fast an gar keine Ordnung und ankeinen Sinn meiner Reden gebunden, weil blosdie unmerkliche Transspirazivn jetzt mein und desguten Lesers Entzweck sein soll.
Vor allen Dingen find eine oder ein paar Zei-len blos darauf zu verwenden, daß ich dem Leser(in der Vorrede vergaß ichs gänzlich) auf meinWort versichere, daß an dem hiesigen im Grundemir nachtheiligen Gerüchte, ich sei ganz närrisch,d. i. nicht bei mir und meinen Sinnen, eigentlichwenig oder- nichts sei, und es in der That nur soscheine: ich war vielmehr gerade von jeher ver-nünftig genug, und ich häufe nur die Bogenzahldieses Werkes zu sehr an, wenn ichs ordentlicherweise. Bin ich nicht z. B. , da ich mich vonTag zu Tag immer magrer ausfallen sehe , schonauf den Gedanken gerathen, nach einem Amtpo-sten zu trachten um daselbst zur Wohlfahrt desganzen Staatkörpers und meines eignen so vielbeizutragen als in der That recht ist? Und sagt'ich nicht, da sonst Leute in Aemtern und Leuteaußer denselben einander wechselseitig verachten,an wichtigen Orten gerade heraus, ich dächte nichtso, sondern ich wollte außerordentlich gern alsRegierungaffessor mit meinen «in und vierzig Jah-re» unten an der scharfe» Fußzehe solcher Regie-rungräthe sitzen, die viele Ahnen hätten, aberwenige Barthaare und Jahre? Wenn dies nichtReden und Gedanken sind, welche erweislich ma-chen , daß ich (obwohl ohne Amt) vernünftig bin,so können es die folgenden »och viel weniger.Wenn nämlich ein Autor und ein Amtwerber sei-nen Magen mit seinem Kopfe, seine körperlichenEvakuazivnen mit seinen geistigen Reple-zionen bei müßigen Stunden zusammenstäkt: solernt er den alten und den neuen Bund schon ge-nugsam unterscheiden und sieht schon so viel ein daßim alten Testament dieRaben den Pr ophe-ten das Brod zutrugen, im neuen aber weg.
Das betrübt mich wochenlang: aber ich überlegeauf der andern Seite, daß mittelmäßige Men-schen doch am Ende besser als die schlechtesten oderals die besten fortkommen und an ihren Maschi-nen die meisten Zähne einkerben, in die Fortu-nens Rad eingreifen kann, damit es die Ma-schine und den Meister bewege — und daß über-haupt Verstand nicht halb so viel schade alsTugend, und keines allein so viel als beide zusam-men , und daß der Weise zwar nicht dem Dum-men (dieser müßte denn zu keiner einzigen Nie-derträchtigkeit zu brauchen sein), aber doch demNarren (er müßte denn zu jeder Niederträchtig-keit zu brauchen sein), den Rang gewiß abjage,
und daß endlich das Laster, wie alles Gute, nurmäßig gebraucht zuträglich sei und für uns amheilsamsten als helfender Alliierter unsers Näch-sten wirke. Ueberhaupt gibt es doch noch glück-liche Menschen: wie außerordentlich glücklich sindnicht die, die keine Kriegsteuern zahlen, ichmeine nicht fünfzig Prozent dem Landesherr»,sondern hundert dem Feinde — wie glücklich sindnicht die magnetischen Schläferinnen die Lurch zweiDaumen und einige Finger, wie durch Poussier-griffel, zu solchen Lizenziaten und Doktoren inder Arzneikunst und zu solchen klrinpropheteumodelliert werden, daß der Teufel selbst nicht ausihnen klug werden könnte, wenn sie nicht aufwach-ten und wieder einfältig würden wie die Kinder—wie glücklich ist nicht der geheime Rath und Pri-vilegien - und Polizeikvmiffair Fvntanesi in Fran-kenthal , der jetzt alle Abend mit dem Bewußtseinzu Bette gehen kann, daß er dem räuberischenNachdruck der Werke Friedrichs ü kräftiger alsder Reichsfiskal dadurch wehret, daß er selber ei-nen hübschen besorgt — wie glücklich ist nicht derhalbe hiesige Bürgermeister und Rath, eben weiler halb und defekt ist und weil also die Sporteln,die den noch »»gewählten Gliedern gehören, diegewählten wässern und düngen — wie glücklich istnicht der Teufel, der bei allem diesen hinten undvorn ist und sich nicht mehr geleugnet, sondernvervielfacht steht — wie glücklich sind nicht die,die gesund sind, blos weil sie ihre Transspirazivndadurch ungemein beflügeln, daß sie aus diesemallen mit dem ungesunden Leser verständig sprechen.
Eben so wenig wird es mich oder meine Aus-dampfung unterbrechen, wenn ich hier ein paarTropfen Dinte zum Lobe meines Rechtskonsulen-ten Seffeffar verschreibe, weil ich es gern säheund in Wahrheit gern dahin brächte, daß ihmeiner und der andere meiner Leser seine Prozesseanvertrauete. Denn ich muß ihm nicht blos un-ter vier Augen, sondern unter vielen Millionen,die alle auf mein Buch geheftet sind, nachsagen,daß er allein, (hier schaue sich aber Mensch undVieh nach Vermögen vor einem Perioden vor,der gar nicht länger sein kann) durch drei Appel-lazionen und Eine Läuterazion und sechzig Frist-gesuche (weil er oder doch seine Deszendenten oderAszendenten und vollbürtige Geschwister und Halb-geschwister während des Prozesses sechzigmal er-krankten, so daß er bald vor physischen bald vormoralischen Schmerzen nichts konzipieren konnteals höchstens das Fristgesüch) — durch philosophi-sche Hinwegsetzung und Apathie über viele Fata-lien— durch angenehme Variazionen mit denAkzivnen — durch wahre Versöhnlichkeit mitmeinem Gegenpart, dem er gern in der Rechts-Roth aushalf, — durch eingesäete lachende Sati-ren auf den Großvater des gegnerischen Auwalds*,
' Hommel und andere (den Richter nicht zu erwähnen)lassen das Schimpfen der Advokaten auf Advokaten in Ak-ten zu. Gerade so ist jedem Christen den Teufel ehrenrühriganzufallen unverwehrt, und große Gelehrte schreibe» or-dentlich die Schimpfworte dazu vor; der H. Assist mahnetz, B. einen Mönch zu dieser Schmähung gegen den Teufelan: »mach' dein Maul auf, so will ich gewissermaßen hie-
nein." Aber der Teufel, der uns zum Sündenfall
und mithin zum Zorn vcrlenktc, verdient gar wohl, dessenAusbrüchc selber zu erfahren.