Band 
I.
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A u Z w a h l

Wesens in einer Residenzstadt — weil da derTeufel los und der heilige Geist in der Wüsteist — sich entfahren zu lassen, sondern nur in denentfernten Provinzialstätten und vor Frommenprobiert mans ; vor dem Abdruck dieses Werkskann der Name gar auf die Dörfer hinausgela-gert sein. Man kann allerdings das eine Gewis-senhaftigkeit nennen, von der ohne innerlichenAbbruch der wahren Religion schon einiges nach-gelassen werden könnte. Und sollen wir vollendseinem ersten Sprachmeister (er frisierte mich undd'Alembert) glauben, der sechs Schwüre kon-struierte, daß er achtzehn bis neunzehn Sonswetten wollte, es wären setzt in und um Parisgemeine Bürger ansäßig, die nicht einmal so vieleSous hätten und die koch nun ansingen, u» <lia-blö statt öl clieu zu sagen, und vom Hofe woll' ergar nicht reden?

Ich mags natürlich noch viel weniger, es seivon welchem europäischen Hofe es wolle, ob esgleich meiner Ausdampfung gar nicht schädlichwarsz allein von jedem orientalischen werd' ichmit Vergnügen geschickt reden und sogar mit wah-rer Satire. Denn die europäischen Fürsten ma-chen selber dadurch eine gute auf den asiatischen,daß sie Räuber und Störer der alten Re-gierungform (anders kann man einen Aufrührernicht definieren) mit einem glühenden Throne,Szepter und einer war m e n Krone von Eise»begaben und heimsuchen : kenn sie geben damit nunwohl deutlich genug zu verstehen, der ganze Un-terschied sei blos, daß jene größere und uneinge-schränkte — Despoten und Helden in Asien diesedrei Regierunginsignien blos ganz abgekühlt be-kommen; dieser Kälte des Throns schreib' ichsauch mit zu, daß sie lebenslang ohne Versengungihres Sitzkissens darauf sitzen können. So drücktman gegenwärtig in England den Theilhabern desdenelicüum cleoi wirklich kein anderes Eisen indie Hände als ein ziemlich kaltes.

Indessen will ich den unwahrscheinlichen Fallsetzen, ich rührte meine Dinte um und wolltehier hundert kleine Fürsten in Europa wenigeraus Liebe zur Wahrheit als zur unmerklichenTranssxirazion mit guter Art erheben und preisen;was müßt' und würd' ich schreiben oder diktieren?— die Wahrheit zu sagen, einen abscheulichenPerioden (und zwar conrlitioiiaiom), der eineganze Oktavseite herunterliefe, wider den wirkli-chen Willen aller vernünftigen Kunstrichter in denzehn Kreisen, besonders im Obersächsischen. Dennwenn ichs nun versuche und in der That bemerke,daß es falsch ist, mir die Metapher abzubvrgen , unddie Zeiten der Minderjährigkeit und Vormund-schaft eines Regenten die Marterwvchen desStaats zu nennen, da sie vielmehr allemal (z. B.in Frankreich) gerade die häufigsten Kriege undErpressungen anbrüteten und großzogen, welcheman nur sehr unphilvsvxhisch und unministersalischUebel heißen kann, weil ja das alles dem Welt-ganzen und mithin auch seinem Theile, dem gege-benen Staate, unbeschreiblich zu Passe kömmt —wenn ich weiter vorschreite und frage, ob diefigürliche Vormundschaft eines majorennen Für-sten wohl in den Folgen sich von der unsigürlichenunterscheide — wenn ich, um diese Frage verneint

zu hören, die figürliche Vormundschaft glücklichdefiniere und sage, daß gekrönte Tutvren unterder Gestalt von Tänzern, Virtuosen, fetenrei-chen Höflingen, jungen Ministern, Franzosen,Italiänern und sogar von eul» clo i'aris gar oftauf dein Throne gesessen, auf dem sie jene von je-dem Schriftsteller für die beste Regierungform er-klärte Aristokratie vom Hintern formierten-wenn ich, wie gesagt, darauf bleibe, daß nichtnur einerlei sei, wer herrsche, ob ein römischerKönig oder ein römischer Kaiser, sondern daßsolche regierende Nebenhäupter, die durch Wahl-folge und T h ron - S i m ul tau eu m so hochsitzen, sogar noch besser seien, als die regierendenHaupthäupter, die durch Erbfolge auf demFürstenstuhle nisten — wenn ich es aber deswe-gen thue und es zweimal wiederhole, weil beisolchen Umständen jener bald merkliche Mangelaller neuen Auflagen, des Aemter-Handelflvrs,der Kriege, der Gelderpressungen ic. unmöglichhereinbrechen könne, jener Mangel, der einUebel ist, das man gar noch nicht genug kennt unddas sich den geringe» Vorschub, den es etwa» demVortheile des schlechter» und desto größer» Theilesder Nazion zu thun vermag, wahrhaftig theuergenug durch die empfindlichste Kränkung des ediernund daher kleinern Theils, der Finanzministcr,Hofdamen, Generale, Hofbeichtväter ic. befahlenlässet, Personen, die gerade das Meiste und diegrößten Gagen, Pensionen, Besoldungen, Diä-ten rc. bedürfen, und die bei jener Kränkung keinVierteljahr ausmauerten — wenn ich endlich hof-fen kann, daß die musterhafte, spartische Regie-rungform, in der jeder Bürger groß, frei, an-,gesehen, reich und weit über die zahlreichen He-loten erhoben war, die seine Sklaven und Er-nährer waren, vielleicht doch wieder das Modellmanches europäischen Staates werde, so wie siedas des vollkommensten war, nämlich des plato-nischen, wie ich denn selbst in Staaten überNacht geblieben, worin alle eigentliche Gliederdesselben (das sind die Großen, so wie der Fürstselbst) frei, reich, geehrt und völlig über dieHeloten (das sind die sogenannten Unterthanen)emporgehoben waren, die ihre Sklaven sind undfür sie das Feld durchschneiden — wenn nun allesdieses mit gewöhnlicher Aufrichtigkeit zusammengenommen wird: so muß hoffentlich Freund undFeind einsehen. daß ich eher mehr denn wenigervollgeschrieben als eins wahre gute Seite.

Aber das sei die letztet Ich bin des Schreibensund unmerklichen Absonderns so satt als wenige,und will lieber die unbedeutende Zeit, die mir derArzt noch zu leben vergönnen will, lediglich da-mit hinbringen, daß ich die wenigen Satiren undGelegenheitschristen, die ich der Welt und mirgeschenket, fleißig und mit Vernunft durchlese.Denn es wird ohnehin diesem Buche nur gar zusehr anzumerken sein, daß ich es ohne einen ge-wissen wichtigen Vortheil zusammenbauen müssen,den alle nach mir aufstehende Satiriker vor mirhaben und der nämlich der ist, daß ich es etwanselbst vor seiner Schreibung hätte lesen und z»meiner Bildung studieren können. Alle künftigeSatirenmacher hab' ich durch mein Buch in denBesitz eines unverzehrten Musters, eines Opera-