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unsichtbare Loge.
Erster Theil.
Vorredner
in Form einer Reisebeschreibung.
Ich wollte den Vorredner Anfangs in Sichers-reuth oder Alerandersbad bei Wonsledel verfer-tigen, wo ich mir das Podagra wieder in dieFüße hinunter baden wollte, das ich mir blosdurch gegenwärtiges Buch zu weit in den Leibhinaufgeschrieben. Aber ich habe mir einen Vor-redner, auf den ich mich schon seit einem Jahrefreue, aus einem recht vernünftigen Grunde bisheute aufgespart. Der recht vernünftige Grundist der Fichtelberg, auf welchen ich eben fahre. —Ich muß nun diese Vorrede schreiben, damit ichunter dem Fahren nicht aus der Schreibtafelund Kutsche hinaussehe ich meine, damit ich diegränzenlose Aussicht oben nicht wie einen Früh-ling nach Kubikruthen, die Ströme nach Ellen,die Wälder nach Klaftern, die Berge nach Schiff-pfunden, von meinen Pferden zugebröckelt be-komme, sondern damit ich den großen Zirkus undParadeplatz der Natur mit allen seinen Strömenund Bergen auf einmal in die aufgeschlosseneSeele nehme. — Daher kann dieser Vorrednernirgends aufhören als unweit des Ochsenkopfs,auf dem Schneeberg.
Das nöthigt mich aber, unterweges mich in ihman eine Menge Leute gesprächsweise zu wenden,um nur mit ihm bis auf den Ochsenkopf hinauf zulangen; ich muß wenigstens reden mit Rezensen-ten — Weltleuten — Holländern — Fürsten —Buchbindern — mit dem Einbein und der StadtHof — mit Kunstrichtern und mit schönen See-len, also mit neun Parteien. Es wird meinSchade nicht sein, daß ich hier, wie es scheint,in den Klimax meiner Pferde, den Klimax derPoeten verflechte.
Der Wagen stößet den Verfasser dermaßen,
daß er mit Nrv. 1, den Rezensenten nichts Ver-nünftiges spreche», sondern ihnen blos erzählenwill, was sein guter grauer Schwiegervater be-geht — nämlich alle Tage seinen ordentlichenMord und Todschlag. Ich geb' es zu, vieleSchwiegerväter können hektisch sein, aber wenigesind dabei in dem Grade offizinel und arsenika-lisch als meiner, dem ich in meinem Hause —ich hab's erst aus Hallers Physiologie H. er-fahren, daß Schwindsüchtige mit ihrem AthemFliegen todten können — statt eines giftigen Flie-genschwammes mit Nutzen verbrauche. Der Hek-tiker wird nicht klein geschnitten, sondern er gibtsich blos die kleine Mühe, den ganzen Morgen statteiner Seuche in meinen Stuben zu grasstren undmit dem Sirockowind seines phlogistischen Athemsaus seiner Lunge der Fliegen ihre anzuwehen;aber die Rezensenten können sich leicht denken, obso kleine Wesen und Nasen, die sich keinen anti-mexhitischen Respirator vom Hrn. pilstrv cte»vrid-applizieren können, einen solchen abscheu-lichen Schwaden auszukalben fähig sind. DieFliegen sterben hin wie — Fliegen, und statt derbisherigen Mücken-Einquartierung hab' ich blosden guten giftigen Schwiegervater zu beköstigen,der mit ihnen auf dem Fuß eines Mücken-Freund-Hain umgeht. Nun glaub' ich den or-dentlichen guten Rezensenten einem Schwiegerva-ter von solchem Gift und.Werth gleichsetzen zu dür-fen; ja ich möchte jenen bei der Hand anfassenund auf den grassierenden Phthisiker hindeutend,ihn anfeuern und fragen: »ob er nicht merke,"daß er selber gar nicht zu verachten sei, sondern"daß er — wenn der Hektikus mit seinen Lun-genflügeln das feinste und nöthigste Miasma un-"ter die Fliegen wehend, ein edles seltenes Glied"in der naturhistorischen Welt vorstelle — ein»eben so nützliches in der literarischen ausmache,»wenn er in der Gelehrtenrepublik auf- und ab-"schleichend, das summende Jnsektengeflügel mit sei-"Nsm ätzenden Athem so treffend anhauche, daß eS"krepiere wie eine Heuschreckenwolke — ob er