Band 
I.
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Die unsichtbare Loge. 215

»dieses und noch besseres, möcht' ich den Rezensen-ten fragen, nicht merke und nicht daraus schließe,»daß der Vorredner zu der unsichtbaren"Loge dies zehnmal weitläufiger haben werde?" —

Er hat es, aber natürlicher Weise viel kürzer,weil ich sonst auf den Ochsenkopf hinauf kämemitten in der Vorrede, ohne nur der Welt-leute gedacht zu haben, geschweige der andern.

Diese wollen nun die zweite Nummer undSprosse meines Aufklimmers abgeben —Campe wirft nicht ungeschickt durch dieses Wortden Klimax aus seinen und meinen Büchern;— allein ich werde 'wenig mehr bei ihnenanzubringen haben als eine Rechtfertigung, daßich mich in meinem Werke zu oft anstellte, alsmacht' ich mir aus der Tugend etwas und aus jenerSchwärmerei, die so oft den Namen Enthusias-mus trägt. Ich besorge wahrhaftig nicht, daßvernünftige Leute meine Anstellung gar für Ernstansehen; ich hoffe, wir trauen beide einander zu,daß wir das Lächerliche davon empfinden, stattder Namen der Tugenden diese selber habenzu wollen — und heut zu Tage sind die wenig-sten von uns zu den tollen Philosophen in La-gado (in Gullivers Reisen) zu rechnen, die ausAchtung für ihre Lunge die Di ng'e selber stattihrer Benennungen gebrauchten und allemalin Taschen und Säcken die Gegenstände mit-brachten, worüber sie sich unterhalten wollten.Aber ob man mir nicht eben dies verdenkenwird, daß ich Namen so oft gebrauche, die nichtviel modischer als die Sache selber sind und de-ren man sich in Zirkeln von Ton, so wie derNamen "Gott, Ewigkeit» gern enthält, darüberlässet sich disputiren. Inzwischen seh' ich dochauf der andern Seite auch, daß es mit derSprache der Tugend wie mit der lateinischen ist,die man jetzv zwar nicht mehr gesprochen aberdoch geschrieben duldet und die deswegenlängst aus dem Mund in die Feder zog. Ich be-rufe mich überhaupt auf einsichtige Rezensenten,ob wir dichtenden Schriftsteller ohne tugendhafteGesinnungen, die wir als poetische Maschi-nen gebrauchen so wie die eben so fabelhafteMythologie, nur eine Stunde auszukommen ver-mögen, und ob wir nicht zum Schreiben hinläng-liche Tugend haben müssen als Wagenwinde,Steigeisen, Mongvlfiere und Svringstab unserer(gedruckten) Chraktere — widrigenfalls gefallenwir keiner Katze; und es ergeht den armenSchauspielern auch nicht anders. Freilich Auto-ren , die über Politik, Finanzen, Höfe schreiben,interessieren gerade durch die entgegengesetztenMittel. Eben damit kann sich ein Schreiber .

decken, der in seine Charaktere das, was die Pos-ten und Weiber ihr Herz nennen, eingeheftet;es muß drin hangen (nicht nur in geschilderten,auch in lebenden Menschen), es mag Wärmehaben oder nicht; eben so versieht der Büch-senmacher die Windbüchsen so gut miteinerZündvfan » e wie Feuergeschoß, obgleichnur mit Wind getrieben wird.... Cs kannwahrlich um den ganzen Fichtelberg kein so kalterpfeifen als gerade im Holzweg, wo eben meinWagen mitten im Auguste geht...

Mit Nro. 3 , den Holländern, wollt' ich michin meinem Kasten zanken wegen ihres Mangelsan poetischem Geschmack: das war alles. Ichwollte ihnen vorwerfen, daß ihrem Herzen einBallenbinder näher liege als ein Psalmist, einSeelenverkäufer näher als ein Seelenmaler, unddaß das ostindische Haus keinem einzigen Poeteneine Pension auswerfen würde als blos dem altenOrpheus, weil seine Verse Flüsse ins Stockensangen und man also sein Haberrohr und seineMuse anstatt der belgischen Dämme gebrauchenkönnte. Ich wollte den Niederländern den kauf-männischen Unterschied zwischen Schönheit undNutzen nehmen und ihnen es Hinunterschreiben,daß Armeen, Fabriken, Haus, Hof, Aecker, Viehnur daS Schreib - und Arbeitzeug der Seele wä-ren, womit sie einige Gefühle, worauf alle Men-schenthätigkeit auskauft, errege, erhebe undäußere, daß den indischen Compagnieen Schiffeund Inseln dazu dienten, wozu den poetischenReime und Federn taugten, und daß Philosophieund Dichtkunst die eigentlichen Früchte und Blü-then am Baume der Erkenntniß ausmachten, aberalle Gewerbe und Finanz - und Staat - Wissen-schaften und Kameralkorrespondenten und Reichs-anzeiger blos die einsaugenden Blätter wären,und der Splint, der Wurzeln - Epheu und dasunter dem Baume treibende Aas. — Ich wollt' essagen; ließ es aber bleiben, weil ich besorgte, dieDeutschen merkten es, daß ich unter Holländernblos — sie selber meine; denn wie käm' ich auchsonst unter die mit Thee ausgelaugten belgischenSchlasröcke?— Ich habe ohnehin wenig mehrzu fahren und viel noch abzufertigen.

Ich untersag' es den europäischen Landständen,mein Werk Nro. ü einem Fürsten zu geben, weiler sonst dabei einschläft; welches ich — da einfürstlicher Schlaf nicht halb so spaßet wie einHomerischer — recht gern geschehen lasse, so-bald die europäischen Landstände das Gesetz wieein Loeuecio * so über die LandeskinLer wölben,

* Das ist ein Gehäuse m Florenz — ,'n Krünitz ökon. En-cykl. a B. ifts abgebildet — worin die Mutter bei Strafe