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Die unsichtbare Loge.
seiner ganzen adeligen Borwest den nämlichenDienst der Veredlung, den der Bescheeler in West-phalen der Roßnachwelt leistete, und über hundertbegrabene Mann, an denen kein Tropfen Blutmehr adelig zu machen war, kamen wenigstens zuadeligen Knochen. Also brauchen weder ich nochirgend eine Stiftdame uns zu schämen, daß wirmit dem künftigen jungen Falkenberg so viel Ver-kehr haben als man künftig finde» wird. — Uebri-genS möcht' ich nicht gern, - daß die Anekdoteweiter auskäme, und einem Lesexublikum vonVerstand braucht man dies gar nicht zu sa-gen. —
Die Hochzeit - Luperkalien hab' ich sammt ihremlängsten Tage und ihrer kürzesten Nacht niemalssetzen wollen: doch den Einzug darauf wollt' ichgut beschreiben. Allein da ich mich gestern zumUnglück mit dem Vorsätze ins Bett legte, heuteMorgen das Schach - und Ehepaar mit drei Fe-Lerzügen aus dem Brautbette ins Ehebette zuschaffen, das neunzehn Stunden davon steht,nämlich im Falkenbergischen Rittersttz Auen-thal — und da ich ganz natürlich nur mit dreikleinen Winken das Wenige schildern wollte, daswenige Pfeifen, Reiten und Pulver, womit dieguten Auenthaler ihre gnädige Neuvermähltenempfingen: so ging die ganze Nacht in meinemKopfe der Traum auf und ab, ich sei selber einheimreisender Reichsgraf und der Reichs - Erb -Kasperl und würde von meinen Unterthanen,weil sie mich in fünfzehn Jahren mit keinem Augegesehen, vor Freuden fast erschossen. In meinerGrafschaft wurde natürlicher Weise tausendmalmehr Bewillkommnunglerm und Honneurs ge-macht, als im Falkenbergischen Fendum; ich willdeswegen die Honneurs für den Rittmeister we-glassen und blos meine bringen.
Erstes Extrablatt.
Ehrenbezeugungen, die mir meine Grafschaft nachmeiner Hcimbchr von der grämt iour anihat.
Wenn gräfliche Unterthanen einem Grafenseine sechs nicht natürlichen Dinge * neh-men : so weiß ich nicht, wie sie ihn besser empfan-gen können. Nun ließen mir die meinigen keineinziges nicht natürliches Ding.
Sie nahmen mir das erste unnatürliche Dingohnehin weg, den Schlaf. Da ich von Chalonsnach Sraßburg, so langsam watend als wär' ichschwanger, gefahren war, um von da aus so don-nernd, daß ich mehr hüpfte als saß, meinen Läuferumzufahren: so wär' ich um Flörzhübel (denersten Marktflecken in meiner Grafschaft) fürmein Leben gern schlafend (und war das nicht imTraume so leicht zu machen?) vorüber geflogen;allein gerade an der Gränze und einer Brücke,da ich die Augen bergunter auf- und bergauf
» Darunter meinen die Aerzte Q Wachen und Schlafen,L) Essen und Trinken, z) Bewegung, a) Athmen, s) Auslee-rungen, ö) Leidenschaften.
zumachte, würd' ich überfallen, nicht mörderisch,sondern musikalisch, von sechzehn Mann besoffnemAusschuß, der schon seit früh sieben Uhr mit demmusikalischen Gerümpel und Ohrenbrechzeug hierausgepuffet hatte, um mich und meine Pferde zurechter Zeit mit Trommeln und Pfeifen in dieOhren zu blessieren. Glücklicher Weise hatten dieSturm - Artisten den ganzen Tag zum Spaßeoder aus Langweile vorher mehr getrommelt alsaus Ernst und Liebe nachher. Unter dem ganzenWeg, während Orchester und Kaserne neben mei-nen Pferden ging, zankt' ich mich aus, daß ichFlörzhübel vor siebzehn Jahren zu einer Stadthabilitiert und graduiert hatte, "ich meine nicht»deswegen, sagt' ich zu mir, weil nachher das»landesherrliche Reskript dem Flörzhübel das"Stadtrecht und seiner Gensd'armerie die»Monturen wieder auszog, oder deswegen, weil»wir die überzähligen Monturen in Kassel ver-»steigern wollten — sondern weil sie mich jetzt nicht»schlafen lassen, welches doch das erste nicht»natürliche Ding bleibt.»
Effen ließen sie mich gar nicht, weils daszweite unnatürliche Ding eines regierendenHerrn ist. Sann mir nicht der FlörzhübelschsRestaurateur, der für mich das ganze gekochteund gesottene Mußtheil meiner Grafschaft ausFeuer gesetzet hatte, geradezu am Kutschenfußtrittan, ich sollte anbeißen, und da ich ihn — wirGroßen setzen nickt ungern den Pöbel durch Ver-schmähen beneideter Kost in ein hungriges Erstau-nen — mit eignem Munde nur um eine Bier-suppe ansprach: machte da nicht der Restaurateureine eitle Miene und sagte: »im ganzen Hotel»hätt' er keine; und hätt' er sie, so sollten ihm--doch die künftigen Traiteurs nicht nachsagen, er»habe unter so vielen zu» und txmillcms seinem»gnädigsten Herrn nichts präsentiert als einen»Napf Biersuppe.»
Um das dritte Ding, um die Bewegung undRuhe zugleich, hätte mich bei einem Haare dieEhrenpforte meines Begräbnißdorfes gebracht,maßen sie mich beinahe erschlug, weil sie und diemusizierende Gallerte auf ihr, hart hinter meinemletzten Bedienten einpurzelte, aber zur Freude derGrafschaft keinem Menschen etwas zerbrachen, alsdem Bader die Glas - Schröpfköpfe, die er derEhrenpforte angesetzt und vorgestreckt hatte, damitdoch etwas daran hinge, worein die nicht schlechteIllumination zu stecken wäre. Ich wollte schonan und für sich etwas toll werden über die satiri-schen Schröpfvasen, die ich für satirische Typenund Nachbilder meines gräflichen Ausschröpfensder vollen Allodial - und Feudaladern nehmenwollte, und ich fragte den Schuldheiß, ob er dächte,es fehle mir ächter Witz; allein sie thaten sämmt-lich Eide, an Witz wäre bei der ganzen Ehren-pforte gar nicht gedacht worden.
Luft, das vierte nicht natürliche Ding einesReichS - Erb - Kasperls, hätt' ich schon habenkönnen; denn blos etwa des kurzen MißbrauchSwegen, den die Instrumente und Lungen meinerVasallen von einem so herrlichen Elemente mach-ten, hätt' ich wahrlich nicht mich und den Luftsek-tvr um mich, so fest in meinen Wagen eingesperrtals ich wirklich that — ich muß das ausdrücklich