Band 
I.
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Die unsichtbare Loge

werden, Dein Herz nie schwer! Du zarte Pflanzesollst nicht mit einschneidendem Bindfaden um michwie um eine richtende Hopfenstange geschnüretsein, sondern mit lebendigen Epheuwurzeln sollstDu selber mich als etwas Lebendiges umfassen!

Ueberhaupk hatte man im HvppedizelischenHause ein verdammtes Hundeleben, wie ich selberoft sah, wenn ich und der Hausherr einanderüber die ersten Prinzipien der Moral blos mora-lisch bei den Haaren hatten: denn alles hatte daeinander dabei, aber physisch, ein Hund den an-dern — die Knaben die Mädchen — die Diener-schaft einander — tieLerrschaft die Dienerschaft— der Profestor die Professorin, wovon einmerkwürdiges Faktum abgedruckt werden soll — undalle diese einander wechselseitig nach der Vermisch-rechnung. — Zum Unglück hatte Hoppedizel nieAchtung für irgend einen Menschen (mithin Ver-achtung auch nicht); er borgte alles, besudeltealles, kompromittierte jeden, verzieh jedem undzuerst sich. Im Winterquartier des Rittmeisterswaren die ölfarbigen Tapeten (Elle zu 2t, Gr.)eine spanische Wand zwischen des Rittmeistersleerem Raum und zwischen der Wanzen Wand-spalten; der Ofen war gut, aber wie der babylo-nische Thurm ohne Kuppel; die Zimmerdeckedrohte (wiewohl gleich manchen Thronhimmelnschon lange ohne Schaden) einzubrechen und dengrößten Philosophen die Köpfe einzuschlagen, dievon Stein auf dem Spiegeltische standen. Erhatte oft darum wenig Zartheit für die Leute,weil er sich darauf verließ, Laß sie deren zu vielehätten, um die Unsichtbarksit der seinigen zurügen — in Unterscheerau machen wirs nichtanders. Aber nun kommt der Zufall, der unsalle eher daraus wegtrieb.

Der Professor hatte nämlich, wie die meistenLeute, keinen Geschmack in Möbeln; am liebstenstellte er die besten unter die elendesten, die feinstePißvase unter ein Großvaterbett und gegenübereinem sandigen Waschgefäß, eine geputzte Livreeseines Bedienten hinter versäumten Anzug seinerKinder u. s. w. Nun beging er allemal einenFriedenbruch an seiner Frau dadurch, daß er nieleer heim kam; er hatte immer etwas erhandelt,das nichts taugte; er hatte die Schwachheit un-zähliger Männer sich weiß zu machen, er ver-stände die Haushaltkunst so gut wie die Frau,wenn er nur anfangen wollte — Sachen, die manlange treiben sieht, glaubt man zuletzt selber treibenzu können —Sie hatte die Schwachheit unzähligerWeiber sich vorzuschmeicheln, der Eheherr sei einwahrer Ignorant im Haushalten und könn'es nichteinmal erlernen, wenn er auch wollte. "Red' ichin Deine Büchersachen auch?" fragte die sehrgrob verkörperte Professorin. Man könnt' esalso bei jeder Möbelversteigerung oder auf jedemJahrmarkt in einer Kalcnderpraktika neben denKriegen der großen Herren prophezeien, daß hierein kleiner zwischen dem Ehepotentaien und derandern feindlichen Macht ausbrechen werde; weildiese seinen Kommerziell - Traktat nicht leidenkonnte; das Ehepaar feierte dann seine olympi-schen Spiele der Zunge und Hände und konntedie Zeitrechnung der Ehe nach diesen Olympiadenabtheilen.

Weiter! Unser neuer Regent ließ — da dasVolk in Italien den Pallafl des verstorbnenPapstes und Doge gratis erhält — die Möbelnseines Herrn Vaters um Weniges versteigern; erthats wie alle Kronprinzen aus Achtung gegenihn, damit das Volk ein Andenken vom Seligen,wie das Römische die Gärten von Cäsar, erbenkönnte. Der Professor wollte auch erben und er-stehen. Er bot also zum Besten des Rittmeisters,in dessen Zimmer die Kommode, der Spiegel unddie Sessel jämmerlich waren, nicht auf diese dreiDinge, sondern auf drei benachbarte — auf zweischöne Bronze - Vasen mit Ziegcnköpfen undMyrtenblättern für die elende Kommode, aufeinen gerad - und spitzbeinigen Spiegeltisch unterden elenden Spiegel, auf eine prächtige Beigerezwischen die elenden Sessel. Es wurde ihm zuge-schlagen. Sein erstes Wort, als er aus demAukzionzimmer in seines trat, war an seineFrau: »Ist der Rittmeister droben? — Ich hab'schöne Dinge für ihn erstanden." Jetzo fang sieschon den ersten Vers ihres Kriegliedes, ohne einKaufstück noch zu kennen. Er nannte ihr keines;denn er hatte das größte Unglück eines Eheman-nes, nämlich Verachtung gegen seine Frau, so wiesie hingegen ihm gegen alle Menschen, sogar gegendie besten beitrat, außer gegen sich nicht. Unterdem Abholen der Kaufstücke antwortete er aufden ersten Vers des Krieggesanges und nanntedoch keines; und so antiphonierten sie blos. End-lich wurden die Ziegenköpfe und Spitzbeine insHauS gesetzt. Da ging das Krieggeschrei los:"Das ist dumm, dumm, dumm! Ei Du dummerMann Du! das Zeug! den Bettel! wo warenheute Deine fünf Sinne? Ich bezahle keinenDeut; (sie war ohnehin nie Kassierer). Und sotheuer! Aber wenn man Kinder und Narren zuMarkt rc.-- Er sagte ganz kalt: --Lasse nurnichts dran kommen und schaff' es hinauf zumRittmeister, mein Schatz!-- Sie gehorchte denAugenblick; ging aber in seine Stube und öffnetealle Schleusen ihres rauschenden Zorns. Spätunter diesem Rauschen sagt' er endlich drohend:--Du weißt, Frau!....-- Nun wurde in ihremMunde aus dem Wind ein Sturm. Er war keinMann, den Zorn oder irgend eine Leidenschaftfortrissen, sondern ein ächter Stoiker war er undimmer bei sich; daraus lässet sichs erklären,warum er, da Epiktet und Seneka Stoikern denverbotenen innnern Zorn durch den äußernSchein desselben zu ersetzen rathen, um die Leutezu bändigen, sich sogar dieses zornigen Scheinsbefliß und gelassen seine Faust petrifizierts unddiesen Knauf als eine Leuchtkugel auf diejeni-gen Gliedmaßen seiner Gattin warf, die ohneLicht in der Sache waren. Dieser stumpfe Wil-svn'sche Knvpsableiker ihres Zorns zog erst diegrößten beredten Funken aus ihr hervor; und inder That ists in der Ehe wie in den alten Repu-bliken, die (nach Home'L Bemerkung) nie größereRedner trugen als in stürmenden kriegerischenZeiten. Er machte das Sinnliche blos zum Fahr-zeug des Geistigen und begleitete seine Hand mitausgewählten Bruchstücken aus Epiktets Handbuch:--ich bin wahrlich ganz bei mir (sagt' er): aberDu schreiest gar zu sehr, wenn ich mich nicht