Band 
I.
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266 Die unsichtbare Loge.

inaler verkaufte, schlug er ihm für sechstehulbGulden los.

Er muß schon vor seiner Geburt in der andernWelt in einem großen Hause gehandelt haben;denn er brachte eine Kaufmann-Seele schon fertigmit. ES war nicht klug von mir, daß ichs nichteher erzählet habe. Laß er al» Knabe von neunJahren in seiner Blatternkrankheit einen kleinenKaufladen aufsperrte und mit dem PoSengifte feilhielt, das man auS seiner Apotheke, nämlich vonseinem Körper nahm, zum Einimpfen. Er gabkeine Blatter umsonst her, sondern verlangte seinGeld dafür und sagte, er sei ein Pocken-Säme-reihändler, aber noch ein junger Anfänger.Diesen Handel mit eigner Manufaktur legt' ihmbald der Arzt und die Natur und der Doktorsagte, er sei so theuer wie ein Apotheker. Daherwollt' er sogar selber einer werden.

Er würd' auch einer, aber nach dem Mecklen-burgischen Idiotikon; denn in diesem heißet jederMaterial-Laden eine Apotheke. Nämlich in Unter-scheerau änderte er die Religion und den Nähr-zweig und bauets sich einen Laden, der blos fürKäufer Hechel und MauSfalle war. Hier hielter sich einen Ladenjungen, ein Küchsnmensch, ei-nen Friseur, einen Barbier und eine» Vorleserdos MvrgensegenS — alle diese Personen machtennur Eine Person aus, seine eigne, diese war undthat wie ein Cnsoph alles.

Da bei unserem Schelm als einem unvollkomm-nen Charakter Tugenden in Fehler vererzt seinmüssen — ich würd' ihn sonst keinem Roman-Bauherrn antragen: — so nehme man mirs nichtübel, daß ich auch seine weiße Seite neben seineschwarze bringe, wie man auf Böheimischen Ta-feln immer weiße und schwarze Gerichte neben-einander stellet.

Er ging damals Sonntags aus seinem Ladenbei aller erlaubter Sparsamkeit doch gut gekleidetheraus. Seinen Hut, seine Ringfinger undseine Weste bordierte ächtes Gold; seinen Ma-gen und seine Waden spann der Seidenwnrm einuns seinen Rücken das englische Schaf. ES istganz der menschlichen Bosheit gemäß, das Ver-schwendung zu nennen, was hier seltene verheim-lichte Wohlthätigkeit war; alles was der unvvll-kommne Charakter anhatte waren — Pfänder;denn um die Leute vom Verpfänden abzubringen,drohte er jedem, jedes Pfand, worauf er leihe,würd' er so lange anziehen als es bei ihm stände.Auf diese Art hielt er manchen ab und die Klei-dung dessen, bei welchem menschenfreundlichesWarnen nichts verfing, legte er wirklich Sonn-tags nach dem Essen an. ES war daher wenigerMangel an Geschmack, als an Geiz und Härte,daß er an sich, so wie mehre Dienst-Personen, soauch mehre Kleider vereinigte und so bunt auf-schrakt, wie ein Regenbogen, oder wie eineKleidermotte, die sich von Tuch zu Tuch turch-frißt.

Da ich so gewiß weiß, daß Verschwendungihn nicht verunzierte, so sehr es den Anscheinhat: so will ich allen Anschein durch die Nachrichtwegnehmen, daß er jeden Sonnabend sein PfundFleisch im Zölibate kaufte, aber — denn sonstbewiese es noch nichts — nicht aß. Er aß aller-

dings eines und mit dem Löffel; aber es war vomvorigen Sonnabend. Der unvvllkommne Charak-ter holte nämlich jeden Sonnabend sei» Andacht-fleisch aus der Bank und veredelte uns dekoriertedamit sein Sonntag-Gemüs. Aber er nahmnichts zn sich als den vegetabilischen Theil. AmMontag hatt' er den thierischen noch IMS würztemit ihm ein zweites GemüS — am Dienstags ar-beitete das abgekochte Fleisch mit neuem Feuer ander Kultur eines frischen Krautes — am Mitt-woch mußt' es vor ihm mit matte» Fettaugen aufeiner andern Kräutersuppe liebäugeln — und soging es fort, bis endlich der Sonntag erschien,wo daö ausgelaugteFleischgeäder selber zum Essen,aber in einem andern Sinne kam ,und Röper dasPfund wirklich aß. Eben so kann man mit eine!»Pfund Leibnitzijchcr, Nonsseauischer, Jacobischer*Gedanken ganze Schiffkessel voll schriftstellerischenBlätterwerks kräftig kochen.

Diese Sparsamkeit legierte der unvollkommeneCharakter noch mit einigem Betrug. Er inter-polierte die Güter, die er gut bekam und schriebzurück, er habe sie schlecht bekommen, sie wären sound so und er könnte sie nur um den halbenPreis gebrauchen. Ein Drittel des Preises spielt'er so dem Kaufmann geschickt genug auS der ent-fernten Tasche. Waaren, Fässer, Säcke, die inseinem Hause nur ein Absteig - Quartier hattenund weiter reisen mußten, gaben ihm den Tran-sito - Zoll durch ein kleines Loch heraus, das erin sie hiiieiumachks, um das Wenige daraus sichzu entrichten, was dem Fuhrmann aufgebürdetwerden konnte, wenns fehlte. — Er legte einMünzkabinet oder Hospital für arme invalideamputierte Goldstücke au. Andern verrufenenMünzen gab er den ehrlichen Namen, den sie ver-loren, wieder, und zwang seine Faktors, sie alslegitimiert und rehabilitiert anzunehmen. EinGoldstück mochte noch so schlecht in sein HauSgekommen sein, er dankte es wie einen Offiziernie ohne Avancement ab. So decken solche edlereSeelen sogar die Mangel des Geldes mit deinMantel der Liebe zu.

Auf diese Art breiteten sich seine Kaufmann-und Feldgüter immer mehr aus, und in seinemvon der freundschaftlichen Wärme des Publikums

" Fricderich Jacob! in Düsseldorf. Wer an seinem Wei-den,ar — das Beste was noch über und gegen die Enzyklo-pädie geschrieben worden — oder an seinem Mwill — wo-durch er die Sturme des Gefühls mit dcm Sonnenscheinder Grundsätze ausgleichet — oder an seinem Spinoza undHumc — das Beste über, für und gegen Philosophie — diezu große Gedrungenheit (die Wirkung der ältesten Be-kanntschaft mit allen Systemen) oder den Tiefsinn oder diePhantasie oder einige Zuge, die gewisse seltnere Men-schen heben, bewundert: einem solchen wird dabei das ersteAnbellen unter welchem Jacob, in den Tempel des deutschenRuhmes treten mußte, sehr widrig ins Ohr fallen; aber ermuß sich nur erinnern, das in Deutschland (nicht in andernLändern) neue Kraftgeifter immer an der Tcmpclschwelleanders empfangen werden (z, B, von bellenden Dreikö-pfen) als im Tempel selber, wo die Priester sind; und sogareinem Klopstock, Goethe, Herder ging es nicht anders. Abervollends Du, armer H a m a n n in Königsberg! Wie vieleMardochais haben in der allgemeinen deutschen Bibliothekund in andern Journalen an Deinen, Galgen gezimmertund an Deinem Hiiugstrick gesponnen!—Inzwischen bistDu doch glücklicher Weise nur scheintodt vom Galgen ge-kommen.