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Die unsichtbare Loge.
Aber lange werken ron dieser Stunde her, wienvon der Gegend eines Gewitters die Winde, dieBewegungen seiner Seele wehen.
-- Der alte Staarmatz thats vermuthlich, der,
so viel ich weiß, aus dem Bauer entkommen war.Gustav erfuhr es nicht. Ob eine Seele Wellengleich einem Schleich. so hoch wie Hemd - Ja-bots, oder gleich dem Ozean solche wie Alpenschlage, das ist zweierlei; ob diese hohen Bewe-gungen ein Staar erregt oder ein Seliger, das isteinerlei.
Der Professor lehrte ihm unter meinen Ohrengüldne Brokardika der Menschenkenntniß, die erdurch Las Lehren selber übertrat — z. B. Nicht blosdie Liebe, sondern auch der Haß der Meirichen istveränderlich und beide sterben, wenn sie nichtwachsen — Die meisten reden blos gegen die La-sier, die sie selber haben. — Je größer das Genie,se schöner der Körper ist, desto mehr verzeiht ih-nen die Welt; je größer die Tugend ist, destoweniger verzeiht sie ihr. — Jeder Jüngling denkt,keiner gleiche ihm in Gefühlen rc. aber alle Jüng-linge gleichen sich. — Man muß sich nie entschul-digen; denn nicht die Vernunft, sondern dieLeidenschaft des andern zürnt auf uns, und gegendiese gibt es keinen Grund als die Zeit. — DieMenschen lieben ihre Freuden mehr als ihrGlück, einen guten Gesellschafter mehr als denWohlthäter; Papagaien, Schooßhunde und Affenmehr als nützliche Lastthiere. — Man erräth dieMenschen, wenn man ihnen keine Grundsätzezutraut; und der Argwöhnische hat allemal Recht,er erräth wenn nicht die Handlungen desandern, doch seine Gedanken, die Niederla-gen des Schlimmen und die Versuchungendes Guten. — Die Sünde gegen den heiligenGeist, die dir keiner vergibt, ist die gegen seinenGeist, d. h. gegen seine Eitelkeit; und derSchmeichler gefallet, wenn nicht durch seineUeberzeugung, Loch durch seine Erniedri-gung ;c.
Es gibt gewisse Regeln und Mittel der Men-ichenkcnntniß, die der bessere höhere Menschverschmäht uns verdammt, und die gerade diesennicht errathen helfen und die ihn weder belehrennoch erforschen. — Der Professor rieth noch mei-nem Gustav, sein Gesicht zu formen, Tugend aufdemselben zu silhvuettieren, es vor dem Spiegelauszuplätten und es mit keinen heftigen Regun-gen zu zerknüllen. Ich weiß es selber, für Welt-leute ist der Spiegel noch das einzige Gewis-sen, das ihnen ihre Fehler vorhält und das man-wie LaS Gehirn, ins große und kleine eintheilenmuß; das große Gewissen sind Wand - und Pfeiler-spiegel, daS kleine steckt in Etuis und wird alsTaschenspiegel herausgezogen; für die Weltleute;aber für dich, Gustav? — Du, der Du den obi-gen Dekalogus für Spitzbuben nicht annehmen,nicht einmal verstehen oder nützen kannst — denn,man nützt und versteht nur solche LebenSregeln,von denen man die Erfahrungen, worauf sie ruhen,so durchgemacht, daß man die Regeln hätte selbergeben können — Du, den ich gelehrt, daß Tugendnichts sei als Achtung für das fremde und fürunser Ich, daß es besser sei, an keine Laster als ankeine Tugend zu glauben, daß die Schlimmsten
ur ihre eigne Kaste und die Besten noch einemehr kennen? . .. Wenn Gustav nicht gegenjene Lehren, die meistens Wahrheiten sind, undgegen den Lehrer aufgefahren wäre; wenn ernicht geschworen hätte, daß diese ekelhafte Kanker-Philosophie nie über eins ELft seines Herzenssich spinnen und kleben sollte: so hätt' ich von ihmnicht einmal so gut gedacht als von der Resitcntinvon Bvuse, der daS Svstem des Helvetius soschön wie sein Gesicht vorkommt; denn in ihremStande hat oft das beste Herz die schlimmste Phi-losophie.
Es wird kaum die Mühe verlohnen, daß ichshersetze, daß der Spitzbube Noblsch zum Henkergejagt wurde, weil er einen entwischten Rekrutenfür einen neuen ausgab und verrechnete. Wennich sagte, zum Henker gejagt: so satirisierte ich;denn zum H. von Röper wars, der keine Be-diente annimmt als die, welche Livree - Polyhi-stors wie Nvbisch sind, d. h. zugleich Jäger, Gärt-ner, Schreiber, Bauern uns Bediente. —
Ein und zwanzigster oder Michaelis»Sektor.
Neuer Vertrag zwischen dein Leser und Liographe»— Gustavs Äries.
--Ziehe hin, Geliebter, (sagt' ich), den dasWeltmeer mitnimmt; das Sonnenbild Deinesverborgen fühlenden Herzens lächle aus demMeergrund und schwimme mit Dir! Dein jungesHerz bringest Du nicht mehr nach Auenthal! —O daß doch die Früchte am Menschen ein andresWetter haben müssen als seine Blüten — stattdes Hauches des Lenzes den Stich des Augustsund den Sturm des Herbstes!" Ich dachte dies,so lange sein Wagen in meinen Augen blieb; nach-her ging ich in die Gartenhöhle hinunter zu denzwei Mönchen; und als ich dachte: in euerer kal-ten Steinbrust wohnt kein Wunsch, kein Sehnen,kein Schmerz, kein — Herz: --eben darum,-- sagt'ich in anderem Sinn.
Heute ist Michaelis und heute — ich kannmich nicht länger verstellen — bejährt sichseine Abreise. Heute fängt zwischen mir und demLeser ein ganz neues Leben an und wir wollenruhig alles mit einander vorher ausmachen.
Erstlich bin ich zwar Ein Jahr hinter GustavsLeben zurück; aber in acht Wochen gedenk' ichsolches erschrieben zu haben. Ich »erhoffte freilichschon vor einem halben Jahre, nun käm' ich ihmnach; aber ein Leben ist leichter zu führen als zuschildern, zumal gut stilisiert. Überhaupt kann einAutor — ein guter — leichter die Sterne desHimmels zählen als seine zukünftigen Bogen, dieauch Sterne sind. Schlüßlich erwartet man, daßdie Literatur-Zeitung wenigstens soviel bedenke,daß ich ein Rechtsfreund bin und unmöglich für