Band 
I.
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Die un ficht

sie so viel zu schreiben vermag, wie für ganzeKollegien, Fakultäten und höchste Reichsgerichte.Kennt die Literatur-Zeitung meine entsetzlichenArbeiten? Man muß meinen Speiseschrank vollManualakten gesehen haben, in denen noch dazustein Wort steht, weil ich sie erst aus der Papier-mühle holen ließ, oder man muß in meiner Ge-richthalterei in Schwenz, worin die zwölf Unter-thanen und der Lehn- und Gerichtherr selberBauern sind, gewesen sein, um von mir nichtmehr zu fordern als jährlich ein Buch. Wer istum ganz Scheerau derjenige Sachwalter, der ineinem Prozesse dient, welcher mit Nächstem —derTeufel müßte sein Spiel haben — zum WetzlarerThor unter die Sesstvntische des Reichskammerge-richts , das von gutem Stil weiß, dürfte Hinge-trieben werden? Und doch diente der Prozeß, wiePeter der Große, von unten auf und bestieg, wiedie Styliten-Sekte, immer höhere Stühle.

Zweitens — oder das ist noch erstlich: ich kannfolglich gleich den Juden, nur am Sabbat oderSonntag auf die Plastik meines Seelen-Fötusdenken; an Wochentagen wird nichts geschrieben—als zwar auch Biographien, aber nur vonSchelmen, man meint Protokolle und Klagli-belle.

Zweitens oder drittens bin ich der Jnsaß einesSchulmeisterthums. — Der gute Rittmeisterwollte mich, da sein Sohn zur Thür hinaus war,mit Personalarrest belegen, der bei mir zugleichRealarrest ist, weil mein Mobiliar-Vermögen inmeinem Körper und mein Jmmobiliar-Vermögenin meiner Seele besteht; ich . sollte auf seinemSchlosse so lange advozieren und satirisieren alsich wollte. Es wäre zu wünschen, sein alter Ge-richthalter verbliche: so würde ich der neue; dennabdanken kann sein gutes Herz — dem doch meinspitzbübisches an Hoffeinheiten verwöhntes denMangel der letzten nicht allemal vergeben mag —keinen Menschen. Behalte Deinen gesundenNord-Ost-Athem, behalte Deine Hände mit demprügelnden Stab Wehe und Deine Zunge mit ih-rem Paar Donnerwettern und tausend Teufeln,mein Falkenberg!

Ich blieb auch bei ihm im Winter; aber Heuerim Frühjahr zog ich an den Ort herab wo ichdieses schreibe — in die obere Stube des Auen-thater Schulmeister Sebastian W u z. * Ich hattevielleicht die drei vernünftigsten Gründe von derWelt dazu; ich schwind' erstlich nirgends mehr einals in einem Vatikan voll öder Klüfte, in Sara-Wüsien von leeren Zimmern; ein Eßsaal mit sei-ner Möbeln-Armuth ist für mich ein Patmos undblos in kleinen Stübchen wird man größer. DerMensch sollte von Jahr zu Jahr in immer klei-nere Zellen kriechen bis er in die kleinste schlüpfte,d.-h. inS engste Loch dieses gequetschten Silber-drahts. — Der zweite Grund war H. Fvrtins(in lUorliok. kolMist. L. Il, o. 8) welcher Ge-

° Den ganzen Lebenslauf seines Vaters, Maria Wuz, hab'ich dem Ende des zweiten Bandes bc gegeben. Allein ob ergleich eine Episode ist, die mit dem ganzen Werke durchnichts zusammen zu hängen ist als durch die Heftnadcl undden Kleister des Buchbinders, so sollte mir doch die Weltden Gefallen erweisen und ihn sogleich lesen, nach dieserNote.

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lehrten anräth, alle halbe Jahre die Städte znwechseln, damit sie besser schrieben — und in derThat schreibt man besser nach jeder Veränderungund wäre es eine des Schreibepults. Ohne solcheauffrischende Luft schreibt sich die Seele so tief inihren Hohlweg hinein, daß sie darin steckt ohneHimmel und Erde zn sehen. Aus gegenwärtigemWerke könnte vielleicht etwas werden; aber jedenMonat und jeden Sektor muß ich in einer andernKajüte schreiben. —

Der dritte und vernünftigste Grund ist meineSchwester: sie ist wieder von der Resikentin vonBvuse zurück, erstlich, weil sie ihre Stelle einerschönen Bücherpazientin leer zumachen hatte, derguten Beats nämlich, welche der Vater, der Dok-tor, der Liebhaber — der dumme Oefel, (er wirdaber gar nicht begünstigt) — endlich mitten indiese Zusammenströmung aller Freuden und Visi-ten hinberedeten; — zweitens ist meine Schwesterda, weil ichs so haben wollte; aber Schwester,Schwester, warum hab' ich Dich nicht eher ausdiesem überstnternden Mineral-Strudel gerissen?Warum hast Du Dich so verändert? Wer kannDich zurück verändern? Wer will Dir aus demHerzen scheuern Deine Gedanken an fremdeBlicke, Deine Gier, bewundert, aber nicht ge-liebt zn werden, Deine Gefallsucht welche Liebenur erregen, nicht erwiedern will, und alles daswas Dein Herz unterscheidet von Deinem vori-gen Herzen und von Beatens ewigem?-

Mit meiner Schwester wollt' ich also nicht gerndas Schloß verengern, auf dem sie übrigens alleTage ein Paar Stunden versitzet.

Jetzt hab' ich dem Leser beigebracht, woran erist: wir wenden uns wieder zu Gustavs Wagenund sind alle zufrieden, Leser Setzer und Schrei-ber.

Gustav fuhr in einer Trunkenheit des Schmer-zes, die der schöne Himmel in Thränen auflösete,nach Scheerau uns hielt jede Schwalbe undBiene, die unserm Schlosse zuflogen, für glück-lich, die nächsten zehn Jahre hingen als zehnVorhänge vor ihm düster nieder, --und liegen,fragt' er sich, Todtengerippe, Raubthiere oderParadiese hinter den Vorhängen?" — WaS ohneVorhang vor ihm saß und dozierte, sah er auchnicht, den Professor. Zwei Stunden vor Scheerauschrieb er mir mit jener flammenden Dankbarkeit,die aus dem Menschen nur in seinem zweitenJahrzehend so strahlend bricht. Wie bei allenSeelen die sich mehr von innen heraus als vonaußen hinein verändern, stand in ihm der Baro-meter seines Herzens oft unbeweglich auf demsel-ben Grade. Die Regenwolken und den Regenbo-gen in seinem innern Himmel brachte er nachScheerau mit; er trug sein überhülltes Herz inLaS weite wiederhallende Kakettenhaus, und indessen Jahrmarktlärm auf den Treppe», und indas Kadetten-Feldgeschrei wie unter die Schlägeeiner Kupferschmiede und Walkmühle hinein— er wurde noch trauriger, aber mit mehrSchmerzen-

Das Merkwürdige im Zimmer, das er betrat undbewohnte, waren nicht drei Kadetten — denn siewaren Kurrent - Menschen, Scheidemünze und pro-saische Seelen, d. h. lustig, witzig, ohne Gefühl, ohne