Band 
I.
JPEG-Download
 

Die unsichtbare Loge. 279

menkorb abgebrochen sind. Der gute Hr. vonOefel ist unterdessen im alten Schlosse bei derResidentin.

Sobald ich nicht arbeite, druckt jedes Zimmer,jedes Haus, jedes Gesicht auf mich herein — Unddoch, wenn ichs wieder thue — zwar wenn trü-bes Wetter ist, wie in voriger Woche, mach' ichmein mathematisches Reißzeug so gern wie einSchmuckkästchen auf; aber wenn ein Flammen-morgen unter dem Geschrei aller Vogel, sogarder gefangenen, von den Dächern in unsereGassen niedersinkt, wenn der Postillon mich mitseinem Horn erinnert, daß er au-S den eckigen,spitzigen, verwitternden, unorganisch zusammen-geleimten Schutthaufen der getvdteteu Natur,die eine Stadt heißen, nun hinauskomme in daspulsierende, drängende, knospende Gewühl der nichtermordeten Natur, wo eine Wurzel die andreumklammert, wo alles mit und in einander wäch-set und alle kleinere Leben sich zu Einem großenunendlichen Leben ineinanderschlingen: da trittjeder Bluttropfen meines Herzens zurück vor denPechkränze», Trancheekatzen und vor den Wisch-kolben, womit die Artillerie unsere blauen Mor-genstunden ausstopfet. — Dennoch vergesst ich diegrünende Natur und die Kontraminen, womitwir sie in die Luft ausschleudern lernen und seheblos die langen Flore, die an den Stangenaus dem Hause eines Färbers gegenüber in dieHöhe fliegen, schon wie Nächte über den Gesich-tern armer Mütter hängen, damit der Thau desJammers im Dunkeln hinter den Leichen falle,

die wir am Morgen machen lernen.-Ach!

seitdem eS keinen Tod mehr für, sondern nurwider das Vaterland gibt; seitdem ich, wenn ichmein Leben Preis gebe, keines errette, sondern nureines binde; seitdem muß ich wünschen, daß manmir, wenn mich der Krieg einmal ins Todtenhinsintrommelt, vorher die Augen mit Pulverblindbrenne, damit ich in die Brust nicht steche,die ich sehe, und die schone Gestalt nicht bsdaure,die ich zsrschnitze, und nur sterbe, aber nichttodte.... O da ich noch aus Karthausen, nochaus Ihrem Studierzimmer in die Welt hinaussah,da breitete sie vor mir sich schöner und größeraus mit wogenden Wäldern und flammende»Seen und tausendfach gemalten Auen — jetzvsteh' ich auf ihr uns sehe das kahle Nadelholzmit kothigen Wurzeln, den schwarzen Teich vollSumpf und die einmähige Wiese voll gelbes GraSund Abzuggräben. —

Vielleicht könnt' ich aber doch meine Träume,den Menschen zu nützen, mehr verwirklichen, wennich eine andere Laufbahn einschlüge und statt desSchlachtfeldes den Scssiontisch wählen und denZweck der Aufopferung veredeln dürfte * ... .Die rothe Sonne steht vor meiner Feder undbewirft mein Papier mit laufenden Schatten:

* Ich kann nichts dafür, daß nickn Hclb so dumm ist undzu nüpcn hofft. Ich bms nicht, sondern ich zeige unten, daßdas Mediziniercu eines kakochnmitchen Sta.itkörxcrs (z.B.bessere Polizei-, Schul- und andere Anstalten, einzelne De-krete ie.) den, Arzne einnehmen des Nervcn-SckwächlingSgleiche, der gegen die S y m p t o NI e, u n d nicht ge-gen die Krankheitmatcric arbeitet, und dersein Uebel bald wegschwikcn, bald wegbrcchcn oder wegia-xicrcn, oder wegbaden will.

o du wirst stehend, Himmeldiamant, und machstlicht wie der Blitz, aber ohne seinen mörderischenKnall! Die ganze Natur ist stumm, wenn sieerschafft, und laut, wenn sie zerreißet. Große,im Abendsener stehende Natur! der Mensch solltenur Deine Stille nachahmen und blos Deinschwaches Kind sein, das Deine Wohlthaten demDürftigen hinausträgt!

Wen» Sie heute von Auenthal zu den im Svn-nengvlde wogenden Fenstern unsers Schlosses anf-lehen: so schauet jetzt meine Seele auch hinüber,aber mit einem Seufzer mehr.-- rc.

Die Ofssziers sehen ein, daß Gustav keiner wer-den will; aber er hat seinen ganzen Vater widersich, der blos den stürmenden Krieger liebt undruhigere Geschästmänner eben so verschmähet,wie diese den noch ruhigern geschäftlosen Gelehr-ten verachten. —

Zwei und zwanzigster oder XIX.Trinitatis-Sektor.

Dcr ächte Äcimmalist — »icine Gcrichthatterci —ei:, Geburttaz und eine Korn- Dcfraudaflon.

Als ich am Donnerstag darauf meinen Gu-stav besuchen und ein wenig belehren will: hatihn Hr. von Oefel aus einer Ursache, die blos einganzer Sektor vor- und auswickeln kann, miteinigen Husaren an die Gränze verschickt, wo sieeinen Frucht - Kordon bildeten, der kein Kornhinaus und keinen Pfeffer hereinließ. Da die mei-sten Bewegungen des Volks sich von psristal-tischen anfangen: so wollten es manche feineLeute gerochen haben, der Landssvater thäte dieSache, damit seine LandcskinLer etwas zu bro-cken und zu beißen hätten.

Ich bekam aber am Ende die größte Teufeleidamit und mau soll es jetzo hören, aber nur vonvornen an.

Nämlich so: das große Rittergut Maussen-bach hat wie bekannt die Odergerichtbarkeit,obgleich ich und der Nittergutbesttzer, Hr. Kom-merziell - Agent von Nöpcr, darüber aus entgegen-gesetzten Gründen ärgerlich sind. Ich bin ärger-lich, weil ich das Leben, wenigstens die Ehrevon einigen hundert Menschen nicht i» den Hän-den eines ganzen römischen Volks, sondern einesAmtmanns rc. sehe; — der Erb - Lehn - und Ge-richtherr ist ärgerlich, weil der Blutbann nichtseinträgt, da es mehr kostet, daS Nichtschwertschlei-fen zu lassen als alles abwirft, was damit in denBeutel hineinzumähen ist. »Ehebruch ist füreine malefizische Obrigkeit noch das einzige!--lagt der Erbhcrr. Ganz das Gegentheil sagtesein Gerichthalter Ko lb; hohe Frais war seinehohe Oper, peinliche Akten waren ihm Klopsivcks