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ich hätte hinlänglich empfunden und gefühlt; ichwürde unter einem Schatten oder Baum meinHerz hervorgenommen und gesagt haben, poener;ja ich schien sogar heute Beaten mir weit näherheranzuziehen als sonst, welches bei allen Mäd-chen gelingt, mit deren Eltern man die Geschäfte
theilt.-Das war nun sämmtlich zum Henker;
ich mußte kalt und zähe davon gehen wie einKammergerichtbote und empfand schlecht. Warder neue Amtmann verdrießlich, den man insein Amt hineingeärgert hatte: so warS sein Prin-zipal noch mehr, der in sein Jahr hinsingezanktgeworden. So hinkte ich davon und sagte unterdem ganzen Weg zu mir: »so und mit dem Ge-»sicht und Aussehen ziehest du also, glücklicher»l'unl, von deiner Mauffenbachischen Gerichthal-»terei heim, von der du schon in keinen Sektoren
»voraus geplaudert.-Du brauchst meinetwe-
»gen nicht aufzugehen, Mond, ich brauche dein»Puder-Gesicht heute nicht — der einzige ver-dammte Korn-Karren! und der Fürst! — und»der Filz dazu! und auch die Jünglingtugend! —»Ich wollt', daß ihr alle.... War' ich aber nur»so gescheit gewesen und hätte gleich Vormittags»gesuhlt und hätte vor dem Essen etwas von mei-»nem Herzen vorgezeigt, nur ein Herzvhr, nur»eine Faser.»
»Ei! Herr Amtmann! (fuhr mir mein Wuzentgegen) wieder da? Hats hübsche Ehebrüchegegeben, Hurenfalle, Raufereien, Injurien?»
»Blos einige Injurien,» sagt'ich.
Drei und zwanzigster oder XX.Trinitatis« Sektor.
Andrer Zank— das stille Land— Leuten« Lricj'—die Aussöhnung — das poririit Guidos.
Noch am heutigen Sonntag hab' ichs nichtheraus, warum Gustav fünf Tage später inScheerau eintraf als er konnte; er wich sogarmeinen Erkundigungen ängstlicher als listig aus.Oesel ließ sich alles rapportieren und machtedaraus ein Paar Sektvres in seinem Roman,den ich und der Leser hoffentlich noch zu sehenbekommen. Ich wollte, seiner käme eher alsmeiner in die Welt, so könnt' ich den Leser dar-auf verweisen oder vielleicht einige Anekdotendaraus nehmen. Gustav schien ein geistigesWundfieber zu haben. Er trug sein vvm bis-herigen Bluten erkaltetes Herz zu Amandus, umes an des Freundes heißer Brust wieder auszu-wärmen und anzubrüten und um die Achtunggegen sich selber, die er nicht aus der ersten Handbekommen konnte, aus der zweiten zu erhalten.Und dort erhielt er sie stets — aus einem besonde-ren Grunde. In seinem Charakter war ein Zug,der ihn, wenn er unter einer Brüdergemeindewäre, längst als Wildenbekehrer aus ihr nachAmerika hinabgervllet hätte: er predigte gern.
bare Loge.
, Ich kann es anders sagen: seine quellende Seelemußte entweder ströme» oder stocken, aber tropfenkonnte sie nicht — und wenn sich ihr denn einfreundschaftliches Ohr aufthat: so regnete sie nie-der in Begeisterung über Tugend, Natur undZukunft. — Dann wehte eine heitere frische Lustdurch seine Ideenwelt — die niedergestürztenErgießungen deckten den schönen lichten tiefblauenHimmel seines Innern auf, und Amandus standunter dem offnen Himmel entzückt. Dieser, reu,die Uebermacht seines herzlich Geliebten ein Po-stament war, das ihn nicht belastete, sondern em-porhob, genoß im fremden Werth seinen eignen;ja in seinem minder ausgelichteten Kopf entstandnoch größere Wärme als im Redenden war, wieetwa dunkles Wasser sich unter der Sonnestärker als Helles erwärmt. Gustav erzählteihm den Vorfall und sprach mit ihm so langeüber sein Recht und Unrecht dabei, bis seinSchmerz darüber weggesprochen war; dies ist dasfreundschaftliche Besprechen des innern Scha-denfeuers. Blos Liebe und ein wenig Schwächewar es, daß Amandus mit größerer Theilnahmeeins heraus gemeinte als eine hervorgelachteThräne aus dem geliebten fremden Auge wischte;er kam deswegen, um sich das Interesse an frem-dem Kummer zu verlängern, noch einmal auf dieS >che und that die zufällige Frage, wo meinHeld die übrigen fünf Tage war. Gustav über-hörte eS ängstlich und roth — jener drang hefti-ger an dieser umfaßte ihn noch heftiger undsägte: »frage mich nicht, Du quälest Dich nur.»
— Amandus, dessen hysterisches Gefühl nicht sofein als konvulsivisch war, feuerte sich erst rechtdamit an — Gustavs Herz war innigst bewegtund daraus kamen die Worte: »o! Lieber, Dukannst es nie erfahren, von mir nie!» — Aman-duS war wie alle Schwache leicht zur Eifersuchtin Freundschaft und Liebe geneigt und stellte sichbeleidigt aus Fenster. — Gustav, heute nachgiebi-ger uns wärmer durch das Bewußtsein seinerneuesten Vergehung in der Korn - Anklage, ginghin zu ihm und sagte mit nassen Augen: »hätt'ich nur keinen Eid gethan, »nichts zu sagen»
— Aber an Amandus Seele waren nicht alleStellen mit jenem feinen Ehrgefühl bekleidet, anwelchem Wort- und Eidbruch fressender Höllen-stein ist. Auch sitzten in ihm wie in allen Schwa-chen die Bewegungen seiner Seele, sogar wenndie Ursache dazu gehoben war, wie die Wellendes MeerS, wenn auf den langen Wind ein ent-gegenblasender folgt, noch die alte Richtung fort.
— Er sah also weiter durchs Fenster und wolltevergeben, mußt' aber die mechanisch aufspringen-den Wellen allmälich zusammenfallen lassen. HätteGustav sich weniger um seine Vergebung bewor-ben: so hätt' er sie früher bekommen; beideschwiegen und blieben. »Amandus!» rief er endlichim zärtlichsten Ton. Keine Antwort und keinUmkehren. Auf einmal zog der einsame Ge-quälte das Porträt des Verlornen und ihm ähn-lichen Guido, das in seinen schonen Kintheittagenüber seine Brust gehangen worden und das erihm heute zu zeigen Willens gewesen, vvmSchmerze übermannt hervor und sagte mit zer-schmelzendem Herzen: »o Du gemalter Freund,