Band 
I.
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Die unsichtbare Loge.

Du geliebtes Farben» Nichts, Du trägst unterDeiner gemalten Brust kein Herz, Du kennst michnicht, Du vergiltst mir nichts, unv doch lieb' ichDich so sehr. — Und meinem Amandus wär' ichnicht treu?"-Er sah plötzlich im Glase die-

ses Porträts sein eignes mit seinen Trauerzügennachgespiegelt: "v blicke her (sagte er in einemandern Tone); ich soll diesem gemalten Fremdenso ähnlich sehen, sein Gesicht lächelt in Einemfort, schau' aber in meines!-- — und er richtetees auf, und weit offne, aber in Thränen schwim-mende Augen und zuckende Lippen waren darauf.

--die Flut der Liebe nahm beide in fester

Umfassung hinweg und hob sie — und als Aman-dus erst darnach seine halbeisersüchtige Frage:»er habe geglaubt, das Porträt sei Gustavs-- mitNein und mit der ganzen Geschichte beantworteterhielt: so that es keinen Schaden; denn dieBewegungen seines Herzens zogen schon wiederim Bette der Freundschaft hin.

Nach solche» Erweiterungen der Seele bieteteine Stube keine angemessenen Gegenstände an;sie suchten sie also unter dem Deckengemälde, vondem nicht ein, gemalter sondern ein lebendigerHimmel, nicht Farbenkörner, sondern brennendeund verkohlte Welten niederhängen und gingenhinaus ins sti ll e Lan d, das keine halbe Stundevon Scheerau liegt. Ach, sie hättenS nicht thun sol-len , wenn sie ausgesöhnet bleiben wollten!

Willst du hier beschrieben sein, du stilles Land,über das meine Phantasie so hoch vvm Boden undmit solchem Sehnen hinüber fliegt —oder du stilleSeele, die Du es noch in der Deinigen bewachstund nur ein irdisches Bild davon auf die Erdegeworfen hast?— Keines von beiden kann ich;aber den Weg will ich nachzeichnen, den unsereFreunde dadurch »ahmen und vorher theil' ichnoch etwas mit, das den sonderbaren AuSgangihres Spazierganges gebar.

Ich wußte ohnehin nicht recht, wohin ich denBrief thun sollte, welchen Beata sogleich nachmeiner uns ihrer Rückkehr von Mauffenbach anmeine Schwester schrieb. Sie war in den weni-gen Tagen, die sie mit meiner Philippine bei derResikentin zugebracht, ihre Freundin gewordenDie Freundschaft der Mädchen besteht oft darin,daß sie einander die Hände halten oder einerleiKleiderfarben tragen; aber diese hatten liebereinerlei freundschaftliche Gesinnungen. Es warein Glück für meine Schwester, daß Beata keineGelegenheit hatte, ihrem sie halb bestreifendenWieLerschein von Gefallsucht zu begegnen; dennMädchen errathen nichts leichter als Gefallsuchtund Eitelkeit, zumal an ihrem Geschlecht.

--Liebe Philippine,

Ich habe bisher immer gezögert, um Ihnen ei-nen recht muntern Brief zu schreiben — AberPhilippine, hier mach' ich keinen. Mein Herzliegt in meiner Brust wie in einer Eisgrube undzittert den ganzen Tag; und doch waren Sie hierso freudig und niemal betrübt als bei unsermAbschiede, der fast. so lange währte wie unserBeisammensein: ich bin wohl selber Schuld? Ichglaub' es manchmal, wenn ich die lachenden Ge-sichter um die Residentin sehe oder wenn sie selber

spricht und ich mir in ihrer Stelle denke, was ichihr mit meinem Schweigen und Reden scheinenmuß. Ick darf nicht mehr an die Hoffnungenmeiner Einsamkeit denken, so sehr werd' ich vonden Vorzügen fremder Gesellschaft beschämt —Und wenn mich eine Rolle, die für mich zu großist, freilich niederdrückt: so weiß ich mit nichtsmich aufzurichten als daß ich ins stille Land weg-schleiche: — da hab' ich süßere Minuten, und mirgehen oft die Augen plötzlich über, weil mich daalles zu lieben scheint und weil da die sanfteBlume und der schuldlose Vogel mich nicht demü-thigen , sondern meine Liebe achten: — dann seh'ich den Geist der trauernden Fürstin einsam durchseine Werke wandeln und ich gehe mit ihm undfühle, was er fühlet und ich weine noch eher alser. Wenn ich unter dem schönsten blauestenTage stehe: so schau' ich sehnend auf zur Sonneund nachher rings um den Horizont herum unddenke: --ach wenn du deinen Bogen hinabgezogenbist, so hast du doch auf keine Stelle der Erdegeschienen, auf der ich ganz glücklich sein könntebis zu deinem Abendrot!); —und wenn du hinun-ter und der Mond herauf ist: so findet er, daßdu mir nicht viel gegeben.-- ... Theure Freun-din! verübeln sie mir diesen Ton nicht; schreibenSie ihn einer Krankheit zu, die mich allemalhinter diesem Vorboten anwandelt. O könnt' ichSie mit meinem Arme an mich ketten: so wär'ich vielleicht auch nicht so. Glückliche Philippine!aus deren Munde schon wieder der Witz lächelndflattert, wenn noch über ihm das Aug' voll Was-ser steht, wie die einzige Balsampappel in unsermPark Gewürzdüfte auSathmet, indeß noch diewarmen Regentropfen von ihr fallen. — Allesziehet von mir weg, Bilder sogar; ein todtesstummes Farbenbild hinter einer Glasthür warder ganze Bruder, den ich zu lieben hatte. Siekönnen nicht fühlen was Sie haben oder ich ent-behre — jetzo scheidet sogar sein Wiederschein vonmir und ich habe nichts mehr vom geliebten Bru-der, keine Hoffnung, keinen Brief, kein Bild. —Ich vermisse dieses Porträt zwar seit meinerRückkehr von Mausscnbach; aber vielleicht iflsschon länger weg; denn ich hatte mich bisher bloseinzurichten; vielleicht hab' ichs selber mit unterdie Bücher, die ich Ihnen gab, verpackt — Siewerden mich benachrichtigen. Ich weiß gewiß, inunserm Hause war noch ein zweites unähnlicheresPorträt meines Bruders; aber seit langem istsnicht mehr da.-- :c.

Natürlich! denn der alteRöper hatt' es puliliovversteigert, weil es das von Gustav war. — Aberwir wollen wieder ins stille Land unsern beidenFreunden nach.

Sie mußten vor dem alten Schlosse vorbei, daswie eine Adams-Rippe das neue ausgeheckt, dasseinerseits wieder neue Wasseräste, ein sinesischesHäuschen, ein BadhauS, einen Gartensaal, einBillard u. s. w. hervorgetrieben hatte. Im neuenSchlosse wohnte die Residentin von Bouse, diediesen architektonischen Fötus das ganze Jahrnicht zweimal bewunderte. Hinter dem zweiten