Band 
I.
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292 Die unsichtbare Loge.

wenn der Himmel ausgeheitert, aber nicht bren-nend über allem steht, sich entschlafend auf die

welken Blätter legt.-Lebe wohl, mein

Freund, auf einer Erde, wo man weiter nichtsGutes thun kann als in ihr liegen; im nächstenHerbst find wir an einander!"

Zu diesem Briefe, der meine ganze Seelenimmt und meine Irrthümer sowohl als meineWünsche erneuert, kann ich nichts mehr sagen,als daß heute der erste Mensch in dieser Geschichteauf einem Berg begraben worden ist. Wenn ich nachvier oder fünf Sektoren von seinem abendröthli-chen Tode rede: so werden schon die Züge seinerGestalt bleicher und zerrissen sein, sowohl imSarge als im Herzen der Freunde!

Extrablatt.

klon hohen Menschen — und Beweis, das'z die Lei-denschaften ins zweite Leben und Stoizismus indieses gehören.

Gewisse Menschen nenn' ich hohe oder Festtag-menschen, und in meiner Geschichte gehören Otto-mar, Gustav, der Genius, der Doktor darunter,weiter niemand.

Unter einem hohen Menschen mein' ich nicht dengeraden ehrlichen festen Mann, der wie einWeltkörpsr seine Bahn ohne andere Abirrungengeht als scheinbare—noch mein' ich die seine Seele,die mit weissagendem Gefühl alles glättet, jedenschont, jeden vergnügt und sich aufopfert, abernicht »wegwirft — noch den Mann von Ehre,dessen Wort ein Fels ist und in dessen von derZentralsonns Ehre brennender und bewegterBrust keine anderen Gedanken und Absichten sindals Thaten außer ihr — und endlich weder denkalten von Grundsätzen gelenkten Tugendhaften,noch den Gefühlvollen, dessen Fühlfäden sich umalle Wesen wickeln und zucken in der fremde»Wunde, und der die Tugend und eine Schone mitgleichem Feuer umfasset—auch den bloßen großenMenschen von Genie mein' ich nicht unter demhohen, und schon die Metapher deutet dort wag-pechte und hier steilrechte Ausdehnung an.

Sondern den mein' ich, der zum größer» odergeringern Grade aller dieser Vorzüge noch etwassetzt, was die Erde so selten hat — die Erhebungüber die Erde, das Gefühl der Geringfügigkeitalles irdischen Thuns und der Unförmlichkeit zwi-schen unserm Herzen und unserm Orte, das überdas verwirrende Gebüsch und den ekelhaften Kö-der unsers Fußbodens aufgerichtete Angesicht, denWunsch des Todes und den Blick über die Wol-ken. Wenn ein Engel sich über unsern Luftkreisstellte und durch dieses trübe mit Wolkenschaumund schwimmendem Koth verfinsterte Meer hernie-

der sähe auf den Meergrund, auf den v» fegenund kleben — wenn er die tausend und

Hände sähe, die gerade aus wagrecht nach demInhalte der Luft, nach Gepränge, fangen undstarren; wenn er die schlimmern sähe, die schiefniedergebückt werden gegen den Fraß und Gold-glimmer im morastigen Boden, und endlich dieschlimmsten, die liegend daS edle Menschenge-sicht durch den Koth durchziehen; wenn dieserEngel aber unter den Seethieren einige aufrechtgehende hohe Menschen zu sich aufblicken sähe —und er wahrnähme, wie sie, gedrückt von derWassersäule über ihrem Haupte, umstrickt vomGelüste und Schlamm ihres Fußbodens, sich durchdie Wellen drängten und lechzeten nach einemAthemzuge aus dem weiten Aether über ihnen,wie sie mehr liebten als geliebt würden, das Le-ben mehr ertrügen als genössen, gleich fern vonstehendem Empvrstaunen uns rennendem Geschäft-leben Hände und Füße dem Meerboden ließen undnur das aufwärts steigende Herz und Haupt demAether außer dem Meere geben und auf nichtssähen als auf die Hand, die das Gewicht desKörpers, das den Taucher mit dem Boden ver-bindet, von ihm trennt und ihn aufsteigen lässetin sein Element.... v dieser Engel könnte dieseMenschen für untergesunkne Engel halten und ihreTiefe bedauern und ihre Thränen im Meer....Könnte man die Gräber eines Pythagoras (dieserschönsten Seele unter den Alten) — Platons —Sokrates — Antonins (aber nicht so gut desgroßen Kalo oder Epiktets) — Shakspeares (wennsein Leben wie sein Schreiben war) — I. I.Rouffeaus und ähnlicher in Einen Gottesackerzusammenrücken: so hätte man die wahre Fürsten-bank des hohen Adels der Menschheit, die ge-weihte Erde unserer Kugel, Gottes Blumengar-ten im tiefen Norden. — — Aber warum nehm'ich mein weißes Papier und durchstech' es und be-streu' eS mit Kohlenstaub oder Dintenpulver, umdas Bild eines hohen Menschen hineinzustäuben;indeß vom Himmel herab das große nie erblas-sende Gemälde herunter hängt, Las Platon inseiner Republik vom tugendhaften Manne ausseinem Herzen auf die Leinwand trug.

Die größten Bösewichter sind einander am un-kenntlichsten; hohe Menschen einander in derersten Stunse kenntlich. Schriftsteller, die dar-unter gehören, werden am meisten getadelt undam wenigsten gelesen, z. B. der selige Hamanu.Engländer und Morgenländer haben diesen Son-nen - Stern öfter aus ihrer Brust als andreVölker.

Ottomar führte mich auf die Leidenschaften: ichweiß, daß er, wenigstens sonst, nichts so haßteals Köpfe und Herzen, die von der stoischenStein-Rinde überzogen waren — daß er in seinePulsadern Katarakten hinein wünschte und inseine Lungenflügel Stürme — daß er sagte, einMensch ohne Leidenschaft sei noch ein größererSelbsiling als einer mit heftigen; einen, den dasnahe Feuer der sinnlichen Welt nicht entzünde,flamme das weite Fixsiernlicht der intellektuellennoch viel weniger an; der Stoiker unterscheidesich vom abgenützten Hosmann nur darin, daß dieErkältung des ersten von innen nach außen fort-