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Die unsichtbare Loge.
gehe, die des andern aber von außen nach in- knen.... Ich weiß nicht obs bei dem innen bren-nenden , außen glatteisenden Hvfmann so ist; aberbeim Glase ists so, daß es, wenn es von außenum, nach dem glühenden Kern zu erkaltet, hohlund zerbrechlich wird; es muß umgekehrtsein....
Alle Leidenschaften täuschen sich nicht über dieArt, oder den Grad, sondern über den Ge-genstand der Empfindung; nämlich so:
Darin irren unsere Leidenschaften nicht, daß sieirgend einen Menschen Haffen oder lieben : — dennsonst verfiele alle moralische Häßlichkeit und Schön-heit; — auch darin nicht, daß sie über etwas jam-mern oder frohlocken — denn sonst wär' auch diekleinste Freuden- oder Kummerthräne über Glückund Unglück unerlaubt, und wir dürsten nichtsmehr wünschen, nicht einmal wollen, nicht ein-mal die Tugend. — Auch irren die Leidenschaftenüber den Grad dieser Ab-und Zuneigung, diesesFreuens und Betrübend nicht; denn sobald ihnendie Sinne und die Phantasie den Gegenstand mittausendmal größeren moralischen oder physischenReizen oder Flecken vorlegen als sie andre sehen.:so muß koch das Lieben und Haffen nach Verhältnißdes äußern Anlasses zunehmen, und sobald irgendein äußerer Reiz den geringsten Grad von Liebeund Haß rechtfertigt: so muß auch der vergrößerteReiz den vergrößerte» Grad der Leidenschaft recht-fertigen. Die meisten Gründe gegen den Zornbeweisen nur, daß die vermeintliche moralischeHäßlichkeit des Feindes mangle, nicht, daß sieda sei und er doch zu lieben — die meistenGründe gegen unsre Liebe beweisen nur, daßunsre Liebe weniger den Grad als den Gegenstandverfehle u. s. w. Nicht blos ein mäßiger, sondernder höchste Grad der Leidenschaften würde zuläßigsein, sobald sich ihr Gegenstand vorfände, z. B.die höchste Liebe gegen das höchste gute Wesen,der höchste Haß gegen das höchste böse. Da aberalle Gegenstände dieser Erde die Beschaffenheitnicht haben, die solche Seelenstürme in uns ver-dienen kann; da also das Größte, was uns zusich reißen, oder von sich stoßen kann, in andernWelten stehen muß: so sieht man, daß die größtenBewegungen unsers Ich nur vielleicht außerhalbdes Körpers ihren vergönnten geräumigern Spiel-raum antreffen.
Ueberhaupt ist Leidenschaft subjektiv und relativ:die nämliche Willenbewegung ist in der stärker»Seele unter größer» Wellen nurein Wollen und inder schwächern auf der glättern Fläche ein innererSturm. Unser ewiges Wollen fließet immerfortdurch uns und in uns, wie ein Strom, und dieLeidenschaften sind nur die Wasserfälle undSpringfluten dieses Stroms; sind wir aber zurVerdammung derselben blos durch ihre Seltenheitbefugt? Ist nicht dem kleinen Bach das Flut,was dem Strom nur Welle ist? — Und wennwir im Feuer unsre Kälte und in der Kälte unserFeuer schelten: wo haben wir Recht? .Und gibtdie Dauer des Scheltens das Recht?
Ich fühle Einwürfe und Schwierigkeiten vor-aus, ja ich weiß es und fühle, daß auf dieserumwölkten Regen-Kugel uns nichts gegen dieäußern Stürme einbauen und bedecken kann, als
das Besänftigen der innern — gleichwohl fühl' ichauch, daß alles vorige wahr ist.
Sechs und zwanzigster oder XX.Trinitatis-Sektor.
Vinei- beim Schulmeister.
Wenn ein Autor wie ich so viele Wochen hinterseiner Geschichte zurückgeblieben: so denkt er,mag der Henker den heutigen Post-Trinitatisauch gar holen — ich will also darin von nichtsreden als vom heutigen Post-Trinitatis, von >meiner Schwester, meiner Stube und von mir.Wenige Geschichtschreiber werden heute hinterihren Dintenfäffern einen solchen guten Tag ha-hen wie ihr Zunftgenoß.
Ich sitze hier in des Schulmeister WuzensEmpor-Stube und halte seit einem Vierteljahrmeinen Arm als Armleuchter zum Fenster hinausmit einem langen Licht, um in die zehn teutschenKreise hinein zu leuchten. Ich werde in jedemHerbst und Winter alle meine Sektores wie denheutigen am Morgen um k, 1/2 Uhr bei Licht zumachen anfangen;^dc.«- wie die erhabne Finster-niß vor Mitternacht den Menschen über die Erdeund ihre Wolken hinaus hebt: ss legt uns dienach Mitternacht wieder in unser Erd-Nest herein— schon nach 12 Uhr Nachts fühl' ich neue Le-benslust, die so zunimmt wie das herüber gegos-sene Morgenlicht die Finsterniß verdünnt unddurchsichtig macht. Gerade die feinsten und un-sichtbarsten Fühlfäden unserer Seele laufen wieWurzeln, unter der groben Sinnenwelt fortund werden von der entferntesten Erschütterunggestoßen. Z. B. wenn der Himmel gegen Ostenlicht- und wolkenlos, gegen Westen mit Wolken-schläuchen verhangen ist: so kehr' ich mich scherz-hafter Weise mehr als zehnmal um — steh' ichgegen Osten, so fliegen alle innern Wolken ausmeinem Geiste weg — fahr' ich gegen Westen um,so hängen sie sich wieder um ihn her — und aufdiese Art zwing' ich durch schnelles Umdrehen dieentgegengesetztesten Empfindungen, vor mir ab-und zuzulaufen.
An logische Ordnung ist in diesem Lust-Sektorgar nicht zu gedenken: einige geschichtliche soll zufinden sein. Nur wird mancher Gedanke mit tau-send Schimmerecken von meiner Lichtscheere. er-drückt werden, wenn ich das Licht schnäuze, oderin meiner Tasse ersaufen, wenn ich gestrigenKaffee daraus trinke. Dem Publikum ist letztermehr anzurathen: unter allen warmen Getränkenist kalter Kaffee zwar vom abscheulichsten Geschmack,aber doch von der geringsten Wirkung. Der schla-fende Tag wird schon wie eine schlafende Schöne,in der die Morgenträume glühen, roth und mußbald das Aug' aufschlagen. Sein erstes wird —poetisch zu reden — sein, daß er meine Scbwesterweckt und mit ihr als Schlafgenoß in meine Stube