Band 
I.
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Die unsichtbare Loge

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Borisens Antlitz zu verdoppeln, wäre bei einemHaare mit der Anmerkung losgebrochen, Beatenihres vermög' er nicht mit seinem nachzudrucken.Zum Glück fiel ihm ein, daß sie sich zur Tafel

ankleiden würde-(Am Sonntag über acht

Tage muß ich meinen Sektor mit "Denn- an-fangen -).

Neun und zwanzigster oder XXII.Trinitatis-Sektor.

Die Ministerin »»d ihre Ohnmachten — und soweiter.

Denn er war in jenem grünen Gewölbe, dasScheeraus größte Schönheiten umfing, in Bou-sens Zimmer nur Vormittags; Nachmittags undspäter rauschten durch dasselbe die Ströme desVergnügens, aus .den Freudenkelchen von Freu-den-Najaden ausgeschüttet. Der halbe Hofstaatfuhr aus Scheeran her. Bekanntlich hat dieser,indeß das Volk nur Sabbat hat, lauter Sab-batjahre, und die nähern Diener des Fürstensuchen sich von den Dienern des Staates dadurchauszuzeichnen, daß sie gar nichts arbeiten; sowurden auch schon in den alten Zeiten den Göt-tern nur Thiere, die noch nichts gearbeitethatten, auf den Altar gelegt. Ich weiß eS rechtgut, daß mehr als einer der paralytischen großenWelt Arbeit zumutheb, die nämlich, sich undandre in Einem fort zu amüsieren; diese ist aberso herkulisch schwer und nützt alle Kräfte so sehrab , daß es genug ist, wenn sie sämmtlich nacheiner rote Morgens bei dem Auseinandersahrenober am Tage darauf sich verstellen und sagen:-.bei alle dem wars heute ein deliziöser Abend,und überhaupt alles so brillant!" Große Quar-tanten-Theologen haben längst bewiesen, daßAdam vor dem Falle kein Vergnügen aus demEssen und andern Vergnügungen geschöpfetHabs — unsre Großen sind vor ihrem Falle eben soschlimm daran und verrichten alles das in ihrerUnschuld, ohne den geringsten Spaß dabei zu ha-lsen. Ich wollt', ich könnte dem Hofstaat hel-fen. —

Ein Mensch, der eine festgesetzte Arbeitstunde(und wäre sie nur dreißig Minuten lang) hat,stehet sich für ämstger an, als einer, der geradeheute seinem zwölfstündigen Pensum dreißig Mi-nuten abgebrochen. Oefel warf sich selber seineübertriebene Anspannung vor und sagte, er wüßtesich nicht zu entschuldigen, daß er jeden Morgeneine volle Stunde schreibe am "Großsultan."Erst darnach waren die ernsthaften Geschäfte desTages zu Ende; er ließ sich nun zum erstenMale frisieren und einstäuben, um als Tag-schmetterling gegen alle Toueltenspiegel anzu-flattern; auf den Blumenkopf der osinillunlo(so hieß noch die Ministerin) ließ er sich nieder.

Alsdann ließ er sich zum zweiten Mal frisierenund beflügeln, um als bestäubter Dämmerung-und Nachtschmet'terling zwischen den Spiel-marken und Schaugerichten und ihren Ebenbildernherum zu sausen. Ich würde auf.dieses Gleichnißnicht gekommen sein, wenn mich nicht sein ge-hörntes und in eine Kapsel zusammenlaufendesAbendhaar auf die Raupen der Nachtschmetterlingegeführet hätte, denen auch hinten ein Horn oderZopf ansitzt — den Tagraupen sitzt nichts an, sowie sein abbreviertes aufgestecktes Morgenhaar esverlangte, damit sie diesem glichen.

Da ich die Ministerin die Üülinilrrnlv genannt,und da man ihr überhaupt die Einfalt zutrauenkonnte, als ob sie dem Legazionrath treuer wäreals er ihr, so will ich alles sagen und für sie re-den. Die Eitelkeit, die ihn wie eine einge-schränkte Monarchin beherrschte, regierte wieeine uneingeschränkte über sie — sie hatte undmachte italiänische Verse, Epigrammen und alleschöne Künste — und es ist stadtkundig, daß sie,weil sie aufgehört hatte, zur schönen Natur zugehöre», sich unter die Werke der schönen Künstewarf und sich aus einen« Modell durch Schminkein ein Gemälde veredelte, durch Pantomimein eine Aktrice, durch Ohnmachten in eineStatue.

Das letzte ist der Kardinalpunkt — sie starbwöchentlich und öfter, wie jede wahre Christin,nicht ihrer Keuschheit wegen, sondern sogar vorihrer Keuschheit, ich meine ein paar Minuten —sie und ihre Tugend fielen hinter einander inOhnmacht. Wenn ich über so etwas nicht weit-läufig bin: so bin ich nicht werth eine Feder zuschneiden und der Kenker soll meine Produktehole». Die Tugend also war bei der Ministerinso verdammt schlimm daran wie bei einem Kinddie junge Lieblingkatze. Zch will von Tagzeitengarnicht reden, sondern nur von Wochentagen;ich will setzen, an jedem Tage hätte ein andrerAntichrist und Erbfeind ihrer Tugend statt derVisitenkarte seinen Leib geschickt: so hätt' esetwa so gehen können: am Montag war ihreTugend im stralenlosen Neumond, für Herrnv. Ä. — am Dienstag in« Vollmond für H. v. B-,der sagte: . zwischen ihr und einer Oüvvie istkein Unterschied als daS Alter" — am Mittwochim letzten Viertel für H. v. C., der sagt: »zu InUuielio c!<M,« nämlich ihre ümg — am Don-nerstag im ersten Viertel für H. v. D., der sagt:»pviit-üti-v <i»v»-und so fort mit den übri-

gen Feinden der Woche: denn jeder Gegner sah,wie seinen eignen Regenbogen, so an ihr seineeigne Tugend. Ehre und Tugend waren bei ihrkeine leeren Wörter, sondern hießen (ganz gegendie Kantische Schule) der Z ei t - Z w i sck> en-rauin zwischen ihrem Nein und ihremI a, oft blos der Ort - Zw i s ch e n r a u m. Zchsagte oben, sie hatte immer eine Ohnmacht, wennder Montag ihrer Tilgend «rar. Es lässet sichaber erklären: ihr Körner und ihre Tugendsind an Einen, Tag und von Einer Mutter geborenund wahre Zwillinge, wie die Gebrüder Kasiorund Pvllnr — nun ist der erste wie Kastormenscblich und sterblich, und die andre wiePolluxgöttlich und unsterblich — wie nun jene mytholo-