Die unsichtbare Loge
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gische Brüderschaft es pfiffig machte und Sterb-lichkeit und Unsterblichkeit gegen einander hal-bierte, um mit einander in Gesellschaft eineZeitlang todt und eine Zeitlang lebendig zu sein:so macht eS ihr Körper und ihre Tugend eben solistig, beide sterben allezeit mit einander, um nach-her mit einander wieder zu leben. — Das artisti-sche Sterben solcher Damen lässet sich noch voneiner andern Seite anschauen: eine solche Fraukann über die Stärke und die Proben ihrer Tu-gend eine Freude haben, die bis zur Ohnmachtgehen kann: ferner über die Leiden und Nieder-lagen derselben eine Betrübniß, die auch biszur Ohnmacht reichen kann: nun Lenke man sich,ob eine Frau beim vereinigten Anfall von zweiGemüthbewegungen, wovon jede allein schon tod-ten kann, noch aufrecht zu verbleiben vermöge?— Bekanntlich stirbt die Ehre der Damen vonWelt so wenig wie der König von Frankreich, undes ist das ein? bekannte Fikzivn; wenigstens istdieser Ehre der Tod, wie den Frommen, einSchlaf, der über zwölf Stunden nicht dauert.Ich kenne an unserem Hofe eins Art Ehre oderTugend, die gleich einem Polypen an nichts stirbt,sie kann wie die alten Götter verwundet, abernicht umgebracht werden — gleich Hornschröternzappelt sie an der Nadel und ohne alle Nahrungfort — Naturforscher von Stand thun oft einersolchen Tugend wie Font« na den Aufgußthier-chen, tausend Martern an, an denen bürgerlicheweibliche Tugenden sogleich verscheiden: nichts!
kein Gedanke von Sterben.-ES ist eine
wohlthätige Anordnung der Natur, daß geradein den höhern Damen die Duzend eine solcheachilleische Lebens- oder Wiedererzeugkraft hat,damit sie erstlich leichter die einfachen und koppel-ten Brüche, Knochensplitterungen und Glieder-abnebmungen und überhaupt das Schlachtfeldjenes Standes auSdauere — zweitens damit jeneDamen (im Vertrauen auf die Unsterblichkeitund lange Lebcnslinie ihrer Tugend) ihren Freu-den, deren physische Gränzen ohnehin so enge sind,wenigstens keine moralischen zu setzen brau-chen.
Ich komme wieder zu den tugendhaften Ohn-machten oder erotischen Sterben der Ministerinzurück; ich will mich aber nicht dabei aufhalten,daß ich etwa sagte', wie die alte Philosophie dieKunst sterben zu lernen sei, so sei es auch diefranzösische Hof - Philosophie, nur aber angeneh-mer — oder daß ich witziger Weise sagte: «M(<;uav) seid rnori, enzi irsquit — oder daß ichSen-ckas Ausspruch über Kalo auf die Ministerinzöge: iinftori sniino ropotitur mors «zuum ini-tuo; sondern ich erzähle blos, warum sie überallin Oberscheeran die iadt'uiilan-u heißet — blosdarum, weil ein gewisser Herr auf die Frage, wiesie einen wichtigen Prozeß trotz dem versäumtenPräklusiontermin doch gewonnen hätte, doppelsin-nig erwiederte: su ckdiaillauts, .. .
Ich komme zurück. . . . Aber ich wäre einglücklicher Mann, wenn die Zeit sich niedersetzteund mich heran ließe: so aber setz' ich ihr, in ei-ner Entfernung von mehren Monaten, nach; dieAvantüren - Fracht wird täglich schwerer; ichmuß Papier zu einer doppelten Geschichte — zu
der jetzt geschriebenen und zu der jetzt vorfallen-den — haben, ich ängstige mich ab und ani Endewerd' ich mit Mühe gelesen! — Ist mir aber zuhelfen?-
Amandus lag damals auf dem härtesten Bettevon der Welt — die Dornen - und Stein - Ma-tratzen der.alten Mönche fühlen sich dagegen wieEiderdunen an — auf dem Krankenbette: seinödes Auge ruhte oft auf der Stubenthüre, ob siekein Gustav öffne, ob nicht der Tod in der Gestalteiner Freute, einer Aussöhnung eintrete und dieBlume seines Lebens mit einem Liebe - Druckgelinde niederlege; — aber Gustav lag von seinerSeite auf einem Zauberbctte. an das ihn ein bes- sserer Gott als Vulkan mit unsichtbaren Kettchenheftete; kaum regen konnt' er sich unter seinemDrahtgeflecht.
Am Morgen, wo er sich vorbereitete, der Nest-dentin das Porträt und die Visite zu machen,zündete Oefel um ihn eins Menge Raketen desWitzes an und gestand ihm mit d e x Zufrieden-heit, mit welcher ein Belletlrist stets die Armuthan leiblichen Gütern und die schwerere an geisti-gen, an Verstand w. erträgt, so viel gerade zu,er habe an Gustav die Neigung zur — Rssidentinvielleicht eher entdeckt als beide Interessentenselbst. Jede .Gustavische Verneinung war einneues Blatt in seinen Lorberkranz. --Ich willaufrichtiger sein, sagt' er; ich will mein eignerVerräther werden, weil ich keinen fremden habe.
Im Zimmer, wo Sie einen Altar haben, stehteiner für mich; es ist ein Pantheon *; Sie knienmehr vor einem Gott als einer Göttin — ichaber finde da meine Venus (Beata). Ihr mangelszu einer medizeischen nichts als die — Stel-lung; ich weiß aber nicht, welche Hand ichihr dann in dieser Stellung küssen würde.--. . .Vor Gustavs reiner Seele flog zum Glück dieserKlumpe' von Doue cks vorbei, in die anHöfen sogar gute Menschen ohne Bedenken tre-ten; selber Schriftstellern aus dieser Zone hängtdieser Schmutz noch an.
Ihm gefiel an Beaten (und an jedem Mädchen)nichts als dieses, daß er, wie er dachte, ihr ge-falle ; er würde die fünf hundert Millionen Wei-ber auf der Erde alle lieben, wenn er ihnen allengefiele, er wieder keine einzige, wenn er keinereinzigen. Er erzählte jetzt dem Gustav, Lurch ^welches Fenster er im Winterhaus von BeatensHerzen ihre Liebe zu ihm habe blühen sehen.Außer einem gewissen Tropf, den ich in Leipziggekannt, und außer einer Katze, die neun Lebenhat, hatte kein Mensch mehre Leben als.er — erbüßte eines ein: sogleich halt' er wieder ein fri-sches, ich meine er hatte mehr Ohnmachten als einandrer Einfälle. Einen solchen Vexier-Selbst-mord konnt' er begehen wenn er wollte und wenn erihn in seine» Dramen so nöthig hatte als ein rühren-der Theaterdichter: am häufigsten aber thaten erund der Tropf in Leipzig sich diesen Tod in oWgisan, wenn sie unter einem Bündel Frauenzimmerdas heraus zu visitieren halten, das in sie amverliebtesten war. Denn sie unterschieden, sagten
-Zm Römischen Pantheon standen nur xwei Götter,der Mars und die Venus.
Lean PauI'sWerkc. I.
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