Band 
I.
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Die unsichtbare Loge.

der Salpetersäure, uns H. cke Moors»» sagt ausEinfalt, es fall' auf. --—

Da Beata sich so sehr sehnte, ihren und meinen! Helden zu sehen: so — ging sie, um ihren Wunsch; zu verfehle» , einige Tage nach Mauffenbach zuihrer Mutter. Ich will ihr Schirmvogt sein undfür sie reden. Sie that es, weil sie ihm niemalsanders aufstoßen wollte als von ungefähr; beider Residentin aber wärS allemals mit Absicht ge-wesen. Sie that es, weil sie sich gern selberkränkte und wie SvkrateS den Becher der Freudeerst weggoß, eh' sie ihn ansetzte. Sie that eS,weswegen es selten eine thäte — um ihrer Mutterum den Hals zu fallen und ihr alles zu sagen.Endlich that sie eS auch, um zu Hause das Por-trät Gustavs, das der Alte versteigert hatte,aufzusuchen.

Ich erfuhr alles ffchon am Tage ihrer Rückreise,da ich in Mauffenbach als eine ganze adlige Rotaanlangte, um eine arme Wirthin weniger zu be-strafen als zu befragen, weil sie — wie man inder Pariser Oper für wichtige Rollen die Spielerdoppelt und dreifach in Bereitschaft hält — die er-hebliche Rolle ihres Ehemannes anstatt mit einem«täubte sogar mit zwölf Leuten aus der Gegendvorsichtig besetzt hatte, damit fortgesxielet würde,so oft er selber nicht da wäre. Und hier war es,wo ich abnehmen konnte, wie wenig mein H.Gerichtprinzipal zum Ehebruch geneigt sei, svndernvielmehr zur Tugend; er war ordentlich froh, daßdas ganze Flöz von eingexfarrten Ehebrechern ge-rade vor seinem Ufer vorbei kam und daß erdas Werkzeug wurde, womit die Gerechtigkeitdiese geheime Gesellschaft heimsuchte undauswixte. Daher suchte er in der Wirthin wie inJöchers Gelehrten-Lexikon mit Lust nach den Na-men wichtiger Autoren, und sie war seinemtugendhaften Ohr ein Homer, der die verwunde-ten Helden sämmtlich bei Namen absingt; daherschenkte er ihr aus Mitleiden, weil sie gar nichtshatte, seine Geldstrafe ganz; aber die ehebrechendeUnion und Truppe wurde unter die Stanipfmühleund in die Kelter gebracht, oder ihr Saugwerkeund Pumxensiiefel angelegt. —

Also in Mauffenbach beim Auspressen des ehe-brechenden Personale erzählte mir die Gerichtprin-zipalin, was ihr die Tochter erzählet — um michzu bitten, daß ich als voriger Mentor des Lieb-habers das Paar auseinanderlenken sollte, weilihr Mann die Liebe nicht litte. Ich konnte ihrnicht sagen, daß ich über der Biographie vomPaare und ihrer eignen wäre, und daß die Liebedas Heftpflaster und der Tischlerleim sei, der dieganze Lebensbeschreibung und das Paar verkittete,und ohne welchen mein ganzes Buch in Stückenzerfiele, daß ich also die Jenaer Rezensenten be-leidigen würde, wenn ich ihm seine Liebe nehmenwollte. — Aber so viel konnt' ich ihr wohl sagen;es sei unmöglich, denn die Liebe eines solchenPaars sei feuerfest und wasserdicht. Ich kam ihrmit meinem Gefühl ein wenig einfältig vor; dennsie dachte an ihre eigne Erfahrung. Ich fügte ver-schlagner Weise hinzu; "das Falkenbergischs Haushebe sich seit einige» Jahre» und thue hübsche Ka-pitalien aus.» Sie antwortete mir blos darauf: ^"zum Glück erfahr' es ihr Mann nie (Senn eins ^

Menge Geheimnisse sagte sie allen Menschen, abernicht ibrem Manne); denn der habe ihrer Beataschon eine ganz andre Partie zugedacht." Mehrkonnt' ich nicht erforschen.

^ — Aber eine hübsche Suppe wird da für denHelden nicht blos, svndern auch für den Lebens-beschreiber eingebrockt; denn letzter hat am Endedoch das meiste wegen der Schilderung heftigerAuftritte auszubaden und muß oft an solchenSturm-Sektoren ganze Wochen verhusten. Ichwills dem Leser nur aufrichtig vorausgestehen: einsolcher Schwaden und Sturmwind ist schon amvorigen Freitag über das neue Schloß gesauset undam Sonnabend durch Aucnthal und meine Stubegefahren, wo Gustav zerstöret zu mir kam undbei mir Nachricht einzog, ob die Rittmeisters»von Falkenberg, die mit ihrer Mitteltinten-Katzemeinen ersten Sektor einnimmt und die bekannt-lich Gustars Mutter ist, ob die — sie wirklichsei.... Inzwischen wird Loch muthig fortgeschrit-ten; denn ich weiß auch, daß wenn ich mein bio-graphisches Eskurial und Lnuvi-o ausgebauet undendlich auf dem Dache mit der Baurede sitze, ichetwas in die Bücherschränke geliefert habe, der-gleichen die Wett nicht oft habhaft wird und wasfreilich vorübergehende Rezensenten reizen muß,zu sagen: "Tag und Nacht, Sommer undWinter, auch an Werkeitage» sollte ein solcherMann schreiben; wer kann aber wissen, obSkeine Dame ist."

Nun fället also auf allen nächsten Blättern dasWetterglas von einem Grade zum andern, eh'dergedrohte Sturmwind emporsähet. Wie Gustavdie abwesende Beata liebte, erräth jeder, derempfunden hat, wie die Liebe nie zärtlicher, nieuneigennütziger ist, als während der Abwesenheitdes Gegenstandes. Täglich ging er zum Grabedes Freundes wie zum heiligen Grabe, an denGsburtort seines Glücks mit einem seligen Bebe»aller Fibern; täglich that ers um eine halbeStunde später, weil der Mond, das einzigeoffne Auge bei seiner Seelen-Vermählung, täglichum eine halbe später kam. Der Mond war undwird ewig die Sonne der Liebende» sein, diesersanfte Dekorazivnmaler ihrer Szenen: er schwelletihre Empfindungen wie die Meere an und hebtauch in ihren Augen eine Flut. — H. von Oefelwarf den Blick des Beobachters auf Gustav undsagte: "die Residentin hat aus Ihnen gemacht,was ich aus dem Fräulein von Nöper." Hierrechnete er meinem Helden die ganze Pathogno-mik der Liebe vor, das Trauern, Schweigen,Zerstreuetsein, das er an Beaten wahrgenommenund woraus er folgerte, ihr Herz sei nicht mehrleer — er sitze drin, merk' er. Mit Oefelnmochte eine umgehen wie sie wollte, so schloß erdoch sie lieb' ihn sterblich. - Gab sie sich scher-zend, erlaubend, zutraulich mit ihm ab', so sagteer ohnehin: »eö ist nichts gewisser, aber sie solltemehr an sich halten;" — bediente sie sich des an-dern Extrems, würdigte sie ihn keines Blicks,keines Befehls, höchstens ihres Spottes, und ver-sagte sie ihm sogar Kleinigkeiten: so schwor er:,-unter hundert Mann woll' er den herausziehen,den eine liebe: es sei der, den sie allein nicht an-sehe." — Schlug eine die Mittelstraße der Gleich