Band 
I.
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Die unsichtbare Loge

Wandelstern trägt; aber ich begreife nichts da-von ....

Komm nur recht bald zu meinem Kopfe, demDu die eine Locke genommen: so lange ich lebesoll die Seite, an der Du den Lvckenraub be-gangen, zum Andenken, was ich war und werdeohne Zierde bleiben !c."

Ottomar.

Dichtende Genies sind in der Jugend die Rene-gaten und Verfolger deS Geschmacks, später aberPrvselyten und Apostel desselben, und den verzer-renden, mikroskopischen und makroskopischen Hohl-spiegel schleift das Alter zu einem ebnen ab, derdie Natur blos verdoppelt, indem er sie malt. Sowerde» die handelnden und empfindende»Genies aus Feinden der Grundsätze und ausStürmern der Tugend größere Freunde von bei-den als fehlerlosere Menschen niemals werden.Ottomar wird einmal die übertreffen, die ihn setzetadeln können. Uebrigens werd' ich ihn im Ver-folge dieser Viel - Lebenbeschreibung nicht schel-misch behandeln, sondern ehrlich, ob ers gleichnicht hofft; denn vor seiner Reise, wo ich einige-mal in den heißen Brennpunkt seiner Fehler ge-riet-, zerfielen wir ein wenig miteinander: —seitdem glaubt er, ich Haff' ihn von Herzen; alleinich glaube, ich lieb' ihn von Herzen, hab aber,wie hundert andre, eine besondre Freude an mei-ner verheimlichten leidenden Liebe.

Fünf und dreißigster o'cec Andreas»Sektor.

Tage der Licbe — Grsels Liebe— Vttomars Lrlstoßund die tUachosignren.

Ich tunke heute schon wieder in mein biogra-phisches Dintenfaß, weil ich nunmehr mit meinemGebäude bald an die Gegenwart stoße — am heili-gen Weihnachtfeste hoff' ich nach zu sein; fernerweil heute Andreastag ist und weil mein Hausherrunter dem Geschrei seiner Kinder einen Birken-baum in die Stube und in einen alten Tops ein-gestellt hat, damit er zu Weihnachten die silber-nen Früchte trage, die man ihm anbindet. Ueberso etwas vergesst ich Gerichttage und Termine.

Gustav wachte am Morgen nach der Liebecr-kskrung, nicht aus seinem Schlafe — denn dareinkonnte nach diesem Königschußim Menschenle-ben nur ein menschlicher Dachs oder eine Dächsinfallen — sondern aus seinem brausenden Freuden -Ohrenklingen auf. Entzückungen zogen imRingeltanz um sein inneres Auge und sein Be-wußtsein langte kaum zu seinem Genießen zu;welcher Morgen! In einem solchen Brautschmucktrat die Erde nie vor ihn. Es gefiel ihm alles,sogar Oefel, sogar das Oefslsche Prahlen mit

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Beatens Liebe. Das Schicksal hatte heute — denVerlust seiner Liebe ausgenommen ^ keine gif-tige Spitze, keinen eiternden Splitter, den er nichtgleichgültig in seine von der ganzen Seligkeitbewohnte und gespannte Brust eingelassen hätte.So ersetzt oft die höchste Wärme die höchste Kälteoder Apathie; und unter der Taucherglockeeiner heftigen Idee — sei es eine fixe oder eineleidenschaftliche oder eine wissenschaftliche —stecken wir beschirmt vor dem ganzen äußer»Ozean.

Beaten gings eben so. Diese sanfte fortvibrie-rende Freude war ein zweites Herz, das ihreAdern füllte, ihre Nerven beseelte und ihreWangen übermalte. Denn die Liebe steht — in-deß andre Leidenschaften nur wie Erdstöße, wieBlitze an uns fahren — wie ein stiller durchsich-tiger Nachsommertag mit ihrem ganzen Himmelin der Seele unverrückt. Sie gibt uns einenVorgeschmack von der Seligkeit des Dichters,dessen Brust ein svrtblühendes, tönendes, schim-merndes Paradies umfängt und der hineinsteigenkann, indeß sein äußerer Körper das Eden undsich über polnische» Koth, holländischen Sumpfund sibirische Steppen trägt. —

O JHr Wollüstlinge in Residenzstädten! wo reichtEuch die Gegenwart nur Eine solche Minute,als hier die Vergangenheit meinem Paareganze Tage vorsetzt; Euch, deren harte Herzenvom höchsten Feuer der Liebe, wie der Demantvom Brennspiegel, nur verflüchtigt aber nichtgeschmvlz en werden?

Aber wie Absndroth am Himmel so umher-fließet, daß es die Wolken des Morgenroths be-säumt : so war auf Beatens Wangen neben demRoth der Freude auch das der Schamhaftigkeit —wiewohl nicht länger als bis des Geliebten Gestalt,wie ein Engel, durch ihren Himmel flog. — Beidesehnten sich, einander zusehen; beide fürchte-ten sich, von der Residentin gesehen zu werden;die Entdeckung und noch mehr die Beurtheilungihrer Empfindungen hätten sie gern gemieden.ES gibt einen gewissen stechenden Blick, der weicheEmpfindungen (wie der Svnnenblick das Alpen -Thierchen, Sure) zersetzt und umbringt; diejchönste Liebe schlägt ihre Blumenblätter zusam-men vor dem Gegenstände selber, wie sollte sieden sengenden Hofblick ausdauern?

Mit Einsicht ergreift hier der LebensbeschreiberLiese Gelegenheit, die Ehen der Großen mitzwei Worten zu loben; denn er kann sie mit denunschuldigen Blumen vergleichen. Wie Florensbunte Kinder bedecken Große ihre Liebe mit nichts— wie sie gatten sie sich, ohne sich zu kennen odersich zu lieben — wie Blumen sorgen sie für ihreKinder nicht, — sondern brüten ihre Nachkommenmit der Theilnahme aus, womit es ein Brütvfe»in Aegypten thut. Ihre Liebe ist sogar eine demFenster angefrorne Blume, die in der Wärmezerrinnt. Unter allen chymischen und physiologi-schen Vereinigungen hat also blos eine unterGroßen das Gute, daß die Personen, die miteinander aufbrausen und Ringe wechseln, eineentsetzliche Kälte verbreiten: so findet man dienämliche Merkwürdigkeit und Kälte blos bei derBereinigung des mineralischen Laugensalzes und