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Die unsichtbare Loge.
jene Landkarte, und vor einem schönen jungenJtaliäner, der ein fliegendes Stammbuch hielt.Das Kind hatte einen Vergißmeinnicht - Straußauf der Brust, die Frau und die zwei Männerhatten einen schwarzen Strauß, Aber was nochmehr ihn überraschte, war der Doktor Fenk amFenster, mit einer Rose an der Brust. — —
Gustav eilte ihm zu; aber Ottomar hielt ihn.»Es ist alles von Wachs," sagt' er, nicht mit einemkalten gegen das Schicksal erbitterten Ton, son-dern mit einem ergebenen. »Alles was mir inmeinem Leben Liebe und Freude gab, steht undbleibt in diesem Zimmer — wer gestorben ist,dem gab ich schwarze Blumen — bei meinem ver-lernen Kinde weiß ichs noch nicht, und seineKleider liegen draußen im Garten. ... O wemGott Ruhe in den Busen schickt, daß sie dasnackte Herz umwickele und seine Zuckungen besänf-tige, dem ist so wohl wie denen, die er betrauert— er thut sanft und fest sein Auge auf, wenn ihmdas Schicksal holde Gestalten zuschickt, und wennsie wieder gehen und gräßliche heranführen, soschließt ers ruhig wieder zu." — —
O Ottomar! das kannst Du nicht, bevor Deinewogenden Kräfte am Alter sich gebrochen haben!Mach immer Dein Herz drei Tage lang für dieRuhe weit; am vierten zieht es der Krampf derFreude oder des Sckmerzens zusammen unddrückt sie todt!
Manche Menschen können ohne Schauder keineWachsfiguren sehen: Gustav gehörte darunter;er nahm Ottomars Hand, um sich gleichsam ansLeben zu klammern gegen so viel Spiele undNachäffungen deS Todes. . . . Plötzlich lärmt etwasdurch das stille Schloß ... die Treppen herauf,ins Zimmer hinein... an Ottomars Halshinan. . .. Fenk wars, der ihn hier nach derAuferstehung von Todten zum erstenmale umfing,und dem unter der engen Umarmung keine Ent-fernung von dem, zwischen welchem und ihm sichLänder und Jahre und Tod gelegt hatten, kleingenug zu sein vermochte. Gustav, noch an derHand Ottvmars, wurde in den Bund der Liebemit hineingcschlungen, und wäre der Tod selbervorbeigegangen, er hätte seine kalte Sichel nichtdurch drei eng, sprachlos und warm verknüpfteHerzen gedrängt. — „Rede Ottomar, sagte der
Doktor, das letztemal warst Du stumm."-
Ottomars Ruhe war nun zergangen: „auch die(die Wachsfiguren) reden ewig nimmer (sagt' ermit zerdrückter Stimme) — sie sind nicht einmalbei uns — wir selber sind nicht beisammen —Fleisch- und Bein-Gitter stehen zwischen denMenschen - Seelen, und doch kann der Menschwähnen, es gebe auf der Erde eine Umarmung, danur Gitter zusammen stoßen und hinter ihnen dieeine Seele die andre nur denkt?"
Alle wurden still — die Abendglocke sprach überdas schweigende Dorf hinüber und tönte klagendauf und nieder — Ottomar hatte wieder seineerschreckliche Vernichtung - Minute wie er sienennt — er trat zur wächsernen Frau und »ahmdas schwarze Todes - Bouquet und steckt' es übersein Herz — er besah sich und seine zwei Freundeund sagte kalt und eintönig: „sonach leben wirdrei — das ist das sogenannte Existieren, was
wir jetzt thun — wie still ists hier, überall, umdie ganze Erde — eine recht stumme Nacht stehtum die Erde herum und oben bei den Fixsternenwills nicht einmel lichter werden." — —Zum Glück trabte und walchornierte der Fürstund seine Jagd - Genossenschaft durch das Dorfund verscheuchte die Nacht aus drei Menschen: sosehr hängen wir vvm Gehör ab, so sehr gibt dieäußere Welt unsrer innern Lichter und Far-ben. — —
Ich habe von allem, was sie nachher in andernZimmern thaten, keine Merkwürdigkeit, und vonallem, was sie darin sahen, nur dreie einzurücken— die, daß Ottomar fast lauter Kinder zu Be-dienten, lauter ganz junges Vieh und lauter Blu-men um sich hatte: denn heftige Charaktere hän-gen sich gern ans Sanfte. —
DaS Schulmeisterlein Wuz tritt eben in meineStube herein und sagt) er für seine Person habenoch an keinem Andreastags so viel geschrieben.Nun, so soll denn aufgehört werden.
Sechs und dreißigster oder u. Advents»Sektor.
Kegelschnitte aus vornehme» Körpern — Gebnrt-tag-Drama— Rendezvous oder, wie Campe stehausdrückt, Stell' dich ein) im Spiegel.
Auf dem Steindamm nach dem neuen Schlossefürchtete Beatasich, in diesem ihren Gustav zufinden; im Schlosse selber wünschte sie das Gegen-theil, sobald sie hörte, er sei in Ruhestatt.Ihre Mutter hatte ihr, indem sie mit ihr die Re-gimenter der Roben, Mantel w. theils reduzierte,theils übsrkomplet machte, so viel bewiesen, Beatawerde von ihrer eignen Empfindung getäuschtund das Paradies ihrer unsuldigsten Liebe seinach ihrer mütterlichen Empfindung blut-schlecht und wirklich ein pvntinischer Sumpf —die Blütenbäume darin seien Giftbäume — derBlumenflor bestehe theils aus giftigen Kupfer-,theils aus falschen Porzellan-Blumen — auf denGrasbänken darin sitze man sich Schnupfen anund daS sanfte Wiegen des magischen Bodens seieine Erd-Erschütterung. Diese Eidesverwarnungnach dem Eide der Liebe ließ sich noch hören;aber daß sie noch Beatens Jugend einwandte —die gewöhnlichste, einfältigste, unwirksamste undam meisten aufbringende Einwendung gegen einelebendige Empfindung — das begann den kleinenEindruck ihrer Wvchenpredigt zu schwächen, dendie Nutzanwendung gar wegloschte: daß ihr Va-ter ihr schon den Gegenstand ihrer Liebe halb undhalb gewählt. ... Meine Gerichtprinzixalin warrecht gescheit; aber, meinem Gerichtprinzipal zuLiebe, auch oft recht dumm.
Beata brachte also dem Gustav ein durch diesesZersetzen äußerst weiches und zärtliches Herz überden Steindamm mit — und er kam auch mit ei-
Sean Pauls ' Werke. I.
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