Die unsicht
zum Saugen vv» der Decke niederfuhren, und ausderen Fabrikaten er mit Muhe jährlich einen seid-ncn Strumpf erzielte.... Alle diese Marternthu' ich mir selber an, blos des Lesers wegen,der am meisten verlöre, wenn er mich nicht zu le-sen bekäme; aber eS ist diesem harten Menscheneinerlei, was die ausstehen, die ihn ergötzen.— Hab' ich endlich meine Hand von diesen Nä-geln des Kreuzes losgemacht: so ekelt mich dasLeben selber an als ein so elendes und langweili-ges Ding von Monochord, daß jedem Angstwerden muß, ters ausrechnet, wie oft er nochAthem holen und die Brust auf- und nieder he-ben muß, bis ste erstarret, oder wie oft er sichbis zu seinem Tode noch auf den Stiefelknechtoder vor den Rasierspiegel werde heben müssen.—Ich betrachte oft die größte Armseligkeit im gan-zen Leben, welche die wäre, wenn einer alle indasselbe zerstreust umhergesäete Rasuren, Frisuren,Ankleidungen, sectes hinter einander abthunmüßte. — Der dunkelste Nachtgedanke, der sichüber meine etwa noch grünenden Prospekte lagert,ist der, daß der Tod in diesem nächtlichen Leben,wo das Dasein und die Freunde wie weit abge-theilte Lichter im finstern Bergwerk gehen, mirmeine theuern Geliebten aus den ohnmächtigenHänden ziehe und auf immer in verschütteteSärge einsperre, zu denen kein Sterblicher, son-dern blos die größte und unsichtbarste Hand, denSchlüssel hat.... Hast Du mir denn nichtschon so viel weggerissen? Würd' ich von Kum-mer oder von Eitelkeit des Lebens rede», wennder bunte Jugcnd-Kreis noch nicht zersiückt,wenn das Farbenband der Freundschaft, das dieErde und ihren Schmelz noch an den Menschenheftet, noch nicht von einander gesägt wäre bisauf ein oder zwei Fäden?-O Du, den ich jetzoaus einer weiten Entfernung weinen höre, Dubist nicht unglücklich, an dessen Brust ein gelieb-tes Herz erkaltet ist, sondern Du bists, der ists,der an das verwesende Lenkt, wenn er sich über dieLiebe des lebendigen Freundes freuen will, undder in der seligsten Umarmung sich fragt: »wielange werden wir einander noch fühlen?» ...
Neun und dreißigster oder IsterEpiphaniä-Sektor.
Erst jetzt ists toll: die Krankheit hat mir zu-gleich die juristische und die biographische Federaus der Hand gezogen, und ich kann trotz allenOstermeffen und Fatalien in nichts eintun-ken .
Vierzigster oder 2ter Epiphania»Sektor.
Mich wird, wte es scheint nebenbei auch der
bare Loge. 345
schwarze Staar befallen; denn Funken und Flo-cken und Spinnweben tanzen stundenlang ummeine Augen; und damit — sagen Plempius undRitter Zimmermann — meldet sich stets besagterStaar an. Schielen — sagt Richter, der Staar-stecher, nicht der Staarinhaber, in seiner Wund-arzneikunst (B. m. S. arü.) — läuft untrüglichdem Staare voraus. Wie sehr ich schiele, stehtjeder, weil ich immer rechts und links zugleichnach allem blicke und ziele. — Werd' ich dennwirklich so stockblind wie ein Maulwurf: so istsohnehin um mein bischen Lebensbeschreiben ge-than ....
Ein und vierzigster oder 3ter EpiphaniasSektor.
Ich besitze ein Paar Fieber auf einmal, die beiandern glücklichern Menschen sonst einandernicht leiden können. — Das dreitägige Fieber —das Quartanfieber — und noch ein Herbst- oderFrühlingfieber im Allgemeinen. — Indessen willich, so lang' ich noch nicht eingesargt bin, demPublikum alle Sonntage schreiben und es etwazu zwei oder drei Zeilen treiben. Auch derStil sogar wird jämmerlich; hier wollen sich diezwei Verba reimen ....
Zwei und vierzigster oder 4ter Epipha»rriä-Sektor.
O ihr schönen biographischen Sonntags! ich er-lebe keinen wieder. Zu den Uebeln, die ich schonbekannt gemacht habe, stößet noch eine lebendigeEidexe, die sich in meinem Magen aufhält undderen Laich ich ini vorigen Sommer aus einemunglücklichen Durst muß eingeschluckt ha-be» ....
Drei und vierzigster oder 5ter und 6terEpiphaniä-Sektor.
Von Kirschkernen, die iin Magen aufgekeimt,wie von Erbsen im Ohre, hat man Beispiels.Noch aber hab'ich nicht gelesen, daß der Samevon Stachelbeeren, den man gewöhnlich mit ein-schluckt, in den Gedärmen getrieben hätte, wenndiese durch Verstopfung etwa zu wahren Lohbee-ten deS gedachten Standengewächses gediehen wären.— O guter Himmel, was wird endlich meine