Band 
I.
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Die unsich

Krankheit sein, Leren unsichtbare Tatze meineNerven ergreift, erdrückt, ausdehnt, entzwei-schlitzt....

Vier und vierzigster oder Septuagesimä»Sektor.

Wenns eine Krankheit gibt, die aus allenKrankbeiten, aus allen Kapiteln der Pathologieauf einmal kompiliert ist: so hat sie niemand alsich. Apoplexie — Hektik — Magenkrampf odereine Eidexe — dreierlei Fieber — Herzpolypus —aufgehende Stachelbeerstauden: — — das sind diewenigen sichtbaren Bestandtheile und Ingre-dienzien, die ich bisher an meinem Uebel auskund-schaften können; eine vernünftige tiefere Sekzivnmeines armen Leibes wird auch gar die unsicht-baren, wenn ihn beide Bestandtheile erlegt ha-ben, noch dazu gesellen....

Fünf und vierzigster oder Sexagesima»Sektor.

Eine bedenkliche Pleuresie — wenn man andersder ganzen Semiotik und den harten Pulsschlä-gen und Bruststichen glauben kann — umarmtund hält mich seit vorgestern und ist willens, meingemißhandeltes Leben und diese Lebensbeschreibungzu schließen — es müßte denn durch eine glücklicheKur der Tod in ein Empyema gemildert werden

— oder in eine Phthists — oder Vomika — oderin einen Srirrhus oder auch in einen Ulcus. —

— Nach dieser Heilung braucht man blos meineBrust anzubohren, um aus ihr, aus der einmalein Buch voll Menschenliebe kam, das Leben unddie Krankheitmaterie mit einander herauszuzie-hen. ...

Sechs und vierzigster oder Esto Mihi-Sektor.

Ihr guten Leser! die Ihr mit Eurem vergeben-den Auge vvm Schachbret des ersten Sektors anbis zum Sterbelager des letzten mir nachgezogenseid, meine Bahn und unsre Bekanntschaft habenein Ende — das Leben mög' Euch niemals drücken— Euer Geschäftblick möge nie über das kleineFeld das große vergessen, über das erste Leben daszweite, über die Menschen Euch — Euer Leben

tbare Loge.

mögen Träume bekränzen und Euer Sterben mö-gen keine erschrecken.Meine Schwester soll

alles beschließen. . . . Lebt froh und entschlaftfroh!....

Sieben und vierzigster oder Invokavit--Sektor.

Mein guter und gemarterter Bruder will ha-ben, daß ich dieses Buch ausmache. Ach, seineSchwester würd' es ja vor Schmerzen nicht ver-mögen, wenns so wäre. Ich hoff' aber zum Him-mel, daß mein Bruder nicht so kränklich ist alser meint. — Nach dem Essen denkt ers wohl. —Und ich muß ihn, wenn wir beide Friede habensollen, darin bestärken und ihn für eben so krankausgeben, wie er sich selber. Gestern mußt' ihmder Schulmeister an die Brust klopfen, damit erhörte, ob sie haltete, weil ein gewisser A u e st-örn g g e r in Wien geschrieben hatte, dieses Hallenzeige eine gute Lunge an. Zum Unglück haltetesie wenig; und er gibt sich deshalb auf; ick willaber ohne sei» Wissen an den Herrn DoktorFenk schreiben, damit er seine Qualen stille. —— Ich soll noch berichten, daß der junge Herrvon Falke nberg krank in Obers cheeraubei seinen Eltern ist und daß meine FreundinBeata auch kränklich bei den ihrigen ist. . ..Es ist für uns alle ein finstrer Winter. DerFrühling heile jedes Herz und gebe mir und denLesern dieses Buches meinen lieben Bruder wieder!

Acht und vierzigster oder Mai-Sektor.

Der hämmernde Vetter — Kur — Äade-Oaraoane.

-Er ist wieder zu haben, der Bruder und

Biograph! Frei und froh tret' ich wieder vor; derWinter und meine Narrheit find vorüber undlauter Freude wohnt in jeder Sekunde, aus jedemOktavblatt, in jedem Dintentrvpfen.

Es ging so. Eine jede eingebildete Krankheitsetzt eine wahre voraus; aber eingebildete Krank-heitursachen gibts dennoch. Mein Wechsel zwi-schen Gesund - und Siechsein, zwischen Froh - undTraurig-, zwischen Weich- und Hartsein, warmit seiner Schnelligkeit und seinen Abstichen aufsHöchste gekommen: ich konnte vor Mangel anAthem kein Protokoll mehr diktieren und dieSzenen dieser Lebensbeschreibung durft' ich mirnicht einmal mehr denken: als ich an einem roth-glühenden Winterabend durch den rothgeschmink-ten Schnee draußen herumschritt und in diesemSchnee das Wort keurizusenleut antraf.

Ich werde an dieses Wort der Schnee - Wachs-tafel immer denken; es war mit einem Bambus-