Band 
I.
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Hes perus

Wünsche vor drei Jahren für jede Seele auf denWeg, die du erfreue» kämmst! Nur gehe für keinAuge als ein Negengestirnauf, nur mache keinesirre, daß eS den Mondschein der Dichtkunstfür den Morgen der Wahrheit nimmt, und dieMorgenträume zu früh abdankt! — Aber in dieMarterkammer und durch das Gefängnißgitter derverlassenen Seelen wirf einen erfreulichen Schein— und wem seine glückliche Intel auf den Meerbo-ten der Ewigkeit entfiel, dem verkläre die dunkletiefe Gegend — und wer vergeblich in einementblätterten Paradiese umher und hinaufsieht,dem zeige ein kleiner Stral aus dir unten aufdem Boden unter dem gelben Laube irgend einebedeckte süße Frucht der vorigen Zeit — und dasAuge, dem dn gar nichts zeigen kannst, diesesziehe sanft hinauf zu deinem Bruder, und zumHimmel, worin er glänzt. — Ja wenn ich einmalzu alt bin, so tröste mich auch!

-Hof, den löten Mai 1787.

Ieart Paul Fc. Richter.

Vorrede, sieben Bitten undBeschluß.

Vorrede.

Ich wollte mich anfangs ereifern über einigeHeere von Lesern, mit denen ich in diesem Buchenichts anzufangen weiß; und wollte mich vorn anden Hesperusals Pförtner stellen und vorzüglichLeute mit der größten Unhöflichkeit fortschicken,die nichts taugen — für welche, wie für einenProjektor, das Herz nichts ist als der LickesteMuskel, und welche Gehirn und Herz und allesInnere, wie Formen der Gypsstatuen ihr einge-fülltes Gemengsel von Scheerwvlle, Heu undThon, nur darum tragen, um hohl gegossen aus-zufallen — Ich wollte sogar mit ehrlichen Geschäft-leuten keifen, die, wie der große Antonin, denGöttern danken, daß sie die Dichtkunst nicht weitgetrieben — und mit solchen, vor denen sich derKapellmeister Apollo auf einer Strvhfidel hörenlassen soll, und seine neun Diskantistinnen mitdem Bier- und Strohbaß — ja sogar mit derlesenden Schwesterschaft der Ritterromane, die soliefet wie sie heirathet, und die sich unter denBüchern, wie unter den Gesichtern der Herren,

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nicht die schönen weiblichen, sondern die wildenmännlichen ausklaubt. -- —

Aber ein Autor sollte kein Kind sein, und sichseine Vorrede versalzen, da er nicht alle Tage einezu machen hat. Warum habe ich nicht lieber inder ersten Zeile d i e Leser angeredet und bei derHand genommen, denen ich den Hesperus freudiggebe, und die ich mit einem Freiepemplar davonbeschenken wollte, wenn ich wüßte, wo sie wohn-ten? — Komm , liebe müde Seele, die du etwaszu vergessen hast, entweder einen trüben Tag oderein überwölktes Jahr, oder einen Menschen, derdich kränkt, oder einen, der dich liebt, oder eineentlaubte Jugend, oder ein ganzes schweres Leben;und du, gedrückter Geist, für den die Gegenwarteine Wunde und die Vergangenheit eine Narbeist, komm in meinen Abendstern und erquickedich mit seinem kleinen Schimmer; aber schließe,wenn dir die poetische Täuschung flüchtige süßeSchmerzen gibt, daraus: »vielleicht ist das aucheine, was mir die länger» tiefern macht.» — Unddich, höherer Mensch, der unser Leben, das nurin einem Spiegel geführet wird, kleiner findetals sich und den Tod, und dessen Herz ein ver-hüllter großer Geist in dem Todtenstaube andererzerfallener Menschenherzen Heller und reinerschleift, wie man den Demant im Staube desDemants poliert, darf ich dich auch in meinenAbend- und Nachtstern auf eine Anhöhe, so wieich sie auszuwerfen vermag, herniederrufen, damitdu, wenn du um sie , wie um den Vesuv, mor-ganische Feen und Nebelgruppierungen undTraumwelten und Schattenländer in der Tiefeziehen siehest, vielleicht zu dir sagest : »und so ist»alles Traum und Schatten um mich her, aber»Träume setzen Geister voraus, und Nebel Län-der, und der Erdschatten eins Sonne und eine»Welt?» -

Aber zu dir habe ich nicht den Muth, zu dir,edler Geist, der des Jahrhunderts müde ist unddes Nachwinters der Menschheit; dem zuweilen,aber nicht immer, das Menschengeschlecht wie derMond zurückzuwandeln scheint, weil er den Zugder darunter hinfliegenden Wolke für den Gangdes himmlischen Körpers selber ansieht, und dervoll erhabner Seufzer, voll erhabner Wünsche,und mit schweigendem Ergeben zwar neben sicheine würgende Hand und das Fallen seiner Bru-der hört, aber doch das aufgerichtete auf dem ewigheitern Svnnenangesicht der Vorsehung ruhendeAuge nicht niederschlägt, und den das Unglück,wie der Blitz den Menschen, zwar entseelt,aber nickt entstellt; edler Geist, ich habe freilichnicht den Muth, zu dir zu sagen : »würdige mich.